19.04.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Kabarettist, Chemiker und Biologe Philipp Weber serviert "Futter - streng verdaulich": Essen mit Bauch und Kopf

Der Mensch ist, was er isst, sagt der Volksmund. Das bedeutet im Alltag häufig eine Tütensuppe mit Proteinhydrolysat, modifizierter Stärke und Monosodiumglutamat. Das Gegenteil ist Slow Food; Essen mit Zeit und Genuss aus regionalen und saisonalen Zutaten. Das gibt es auch verbal.

"Esst lustvoll und natürlich!", fordert Philipp Weber. Bild: cog
von Autor COGProfil

"Futter - streng verdaulich" serviert der Kabarettist, Chemiker und Biologe Philipp Weber im Seidel-Saal. Seine Mission ist der Verbraucherschutz. Dieser ernste Hintergrund der Show bleibt immer spürbar, auch wenn die Zuhörer sich vor Lachen am Boden wälzen wollen. Es gelingt ihm, handfeste Information als Witz zu verpacken und dabei ständig neue Rekorde im Schnellsprechen aufzustellen.

Was kann man überhaupt noch essen in einer Zeit, in der es fast zum guten Ton gehört, an einer Nachtschattengewächsallergie, Zöliakie, Laktoseintoleranz oder gar Gurkenpsychose zu leiden? Bei etwas robusteren Mitmenschen können diese Ernährungsprobleme leicht zu einer Nahrungsmittelunverträglichkeitsintoleranz führen.

Scharfzüngig nimmt Weber, während er wie ein Wilder über die Bühne tobt, schlagzeilenträchtige Themen wie Cholesterin, Biodiesel, Lebensmittelwerbung und -verschwendung aufs Korn. Dabei bleiben auch die Absurditäten in modernen Küchen nicht unkommentiert.

Das berühmte "Himalayasalz" ist ganz normales Salz, das mit etwas Eisen verunreinigt ist und deshalb rosa aussieht. Surimi, in jedem Meeresfrüchtesalat zu finden, wird nicht im Ozean gefischt, sondern in Fabriken hergestellt und enthält einen beträchtlichen Anteil von Schlachtabfällen wie Knorpeln. Und Sushi, also kalter Reis mit rohem Fisch, wird als Delikatesse verkauft, nur weil die japanischen Hausfrauen zu faul zum Kochen sind.

Natürliches Essen ist ein Beitrag zur Gesundheit, zu Nachhaltigkeit und Ökologie. Trotzdem essen die meisten Leute gedankenlos Fleisch aus Massentierhaltung, obwohl man ab drei Kilo Fleischkonsum wahrscheinlich dümmer ist als das Schnitzel, das man gerade verzehrt. Deshalb schlägt Weber eine Lösung vor: Gen-Techniker sollten einem Schwein Soja-Gene einpflanzen und diese innovative Soja-Sau dann mit einem Lemming kreuzen. Das Ergebnis würde sich selbst in die Fleischbrühe stürzen!

Weber gelang das Kunststück, gut recherchierte Fakten, präzise Zahlen und Statistiken so mit hanebüchenen Beispielen und brüllkomischen Geschichten zu verbinden, dass seine Lehrstunde in Ernährungswissenschaft ein Riesenspaß war. Letztlich war seine Botschaft einfach, man sollte auch mit dem Bauch essen, nicht nur mit dem Kopf, denn "Wir essen nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele."

Trotz des ernsten Themas traf jeder Gag ins Schwarze. Das Publikum tobte und applaudierte stürmisch. Weber ließ sich nicht lange bitten und servierte als Zugabe eine Kostprobe aus seinem neuen Programm "Durst - Warten auf Merlot". Na dann, prost Mahlzeit!

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