22.06.2017 - 15:58 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Katja Lange-Müller stellt ihren Roman "Drehtür" beim Literaturhaus-Sommerfest vor Das Dilemma des Helfens

Berlin/Sulzbach-Rosenberg. Sie hat literarisch erreicht, wovon viele Kollegen nur träumen: 1986 erhielt Schriftstellerin Katja Lange-Müller den Ingeborg-Bachmann-Preis, 1995 den Alfred-Döblin-Preis und 2008 den Wilhelm-Raabe-Preis, um nur einige ihrer vielen Auszeichnungen zu nennen. Letzten Sommer erschien ihr Roman "Drehtür" (Verlag Kiepenheuer & Witsch), den sie am Samstag, 15. Juli (19 Uhr), beim Sommerfest des Literaturhauses vorstellt.

Katja Lange-Müller kommt zum Sommerfest des Literaturhauses Oberpfalz nach Sulzbach-Rosenberg. Bild: Heike Steinweg
von Anke SchäferProfil

Präzise blättert Lange-Müller in ihrem neuesten Werk das Leben der Krankenschwester Asta auf, die nach über 20 Jahren Einsatz für Internationale Hilfsorganisationen am Flughafen München strandet - abgeschoben, perspektivlos, aber voller skurriler und abenteuerlicher Erinnerungen. Vor ihrem Besuch in der Herzogstadt, sprach die Kulturredaktion mit der Autorin.

Sie spüren sehr sensibel dem eigentlichen Sinn vieler Begriffe nach. War das immer schon so?

Katja Lange-Müller: Ich bin schon sehr wortempfindlich und wortpräzise. Als Schriftstellerin hat man natürlich auch ein anderes Sprachempfinden. Im Falles des Romans hat das aber auch eine Funktion für die Figur Asta: Sie hat so lange nicht mehr in Deutschland gelebt, dass ihr die Sprache fremd geworden ist und sie mit frischem und fremden Blick auf die Worte schaut.

Haben Sie sich mit Ihrem Schwager, dem großen Dramatiker Heiner Müller über Literatur und das Schreiben ausgetauscht?

Heiner Müller war Familie, ich habe ihn bewundert, aber begegnet sind wir uns auf Augenhöhe. Natürlich haben wir uns ausgetauscht und sehr präzise über die Sachen geredet - er hat den Finger in die Wunden gelegt.

Ihr Roman "Drehtür" konjugiert "helfen" durch unterschiedlichste, eher illusionslose Lebensvarianten. Macht soziales Engagement Ihrer Meinung nach einsam?

Absolut. Die Frustration und Erfahrungen kann man nur mit Gleichen teilen und die winken ganz schnell ab, weil sie das ja alles kennen. Ich habe diese Sprachlosigkeit oft erlebt. Im Übrigen gehört Ernüchterung zum berufsmäßigen Helfen genauso wie die feste Hierarchie: Meine Helfer stehen relativ weit unten, aber ganz unten steht immer der, dem geholfen wird. Deshalb wehren sich Helfer auch immer so gegen Hilfe.

Können Sie Mutmaßungen zum autobiografischen Anteil im Roman überhaupt noch hören?

Es nervt und ist auch Quatsch. Man schöpft zwar immer aus eigenen Erfahrungen, dazu kommt aber immer noch sehr viel anderes, zum Beispiel Geschichten, die man gehört hat. Wie mein Schwager Heiner Müller sagte: "Alles ist Material". Aber als Leser spekuliert man begreiflicherweise, das mache ich ja auch.

Ist das Gastspiel beim Sommerfest des Literaturhauses Oberpfalz Ihre erste Kontaktaufnahme mit der geschichtsträchtigen Institution in Sulzbach-Rosenberg?

Nein, ich war schon vor vielen Jahren da. Eine schöne Ecke mit neugierigen und zugänglichen Menschen. In besonderer Erinnerung ist mir auch die Tellersulze. Und natürlich kenne ich Thomas Geiger vom Literarischen Colloquium Berlin.

Mit Ihnen wird auch Burkhard Spinnen lesen - macht die Anwesenheit eines Kollegen für Sie einen Unterschied beim Auftritt?

Ja, ich kenne ihn schon lange und schätze ihn sehr. Er ist ein Freund, alles, was er macht, hat besonderen Charme - ich freue mich darauf.

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