02.02.2017 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Kirche St. Marien mit überregionaler Bedeutung Eine höchst originelle Rolle

Viele Experten, eine Meinung: Die Stadtpfarrkirche St. Marien hat überregionale Bedeutung. Schon bald soll die Außenrenovierung in Millionenhöhe beginnen. Die SRZ machte sich mit Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer auf, um den hohen Stellenwert des Gotteshauses einmal vor Ort zu erleben.

Ein richtiges Bollwerk des Glaubens stellt die Stadtpfarrkirche St. Marien (im Bild der Ostchor) seit vielen 100 Jahren dar. Bilder: Royer (3)
von Andreas Royer Kontakt Profil

Ihre nationale Bedeutung, so der Fachmann zu Beginn des Rundgangs, gründe insbesondere auf kirchenhistorischen Aspekten, die in der geistigen und kulturellen sowie politischen Entwicklung Deutschlands und Europas eine höchst originelle Rolle gespielt hätten. Dies überrage hier die rein kunsthistorischen Fakten, von denen zweifellos einige Elemente teils überregionalen, teils auch noch höheren Rang einnähmen.

Spätestens unter den Grafen von Sulzbach entstand ein romanischer Vorgängerbau von St. Marien. Dieser ist mit einem römischen Ablassbrief des Jahres 1300 als Pfarrkirche "zu Unserer Lieben Frau" urkundlich gesichert, blickt Lommer zu den Ursprüngen zurück. Zusammen mit zwei Sakralbauten im Schlossareal nebenan, dem an die Pfarrkirche grenzenden Schulzentrum sowie den Pfarrhäusern und kirchlichen Funktionsgebäuden und der nur wenige Meter entfernten Christuskirche bilde St. Marien ein im deutschen Sprachraum in dieser Form einmaliges Sakral-Zentrum von hoher historischer Bedeutung. Verschiedene Untersuchungen belegten dies.

International bedeutend

Der städtebaulich zentrale, ortsbildprägende Baukörper an der Nordostflanke des Marktplatzes ist nach Ansicht von Lommer nicht nur für die Lokalgeschichte überaus bedeutend, sondern spiele eine teils überregional, teils national herausragende Rolle, der durch die Wissenschaft in einigen wichtigen Teilaspekten auch internationale Bedeutung beigemessen werden könne.

"Daher bedarf dieser Sakralbau bei allen Maßnahmen einer sorgfältigen bauhistorischen, archäologischen und denkmalpflegerischen Begleitung. Da die Quellenlage bezüglich des romanischen Vorgängerbaus sowie der Baumaßnahmen unter Kaiser Karl IV. äußerst dürftig ist, sind intensive archäologische Forschungen bei diesem wichtigen Sakralbau zum Lückenschluss zwingend notwendig", unterstreicht der Stadtheimatpfleger. Die Realisierung aller Maßnahmen stelle für die Kirchenstiftung einen Kraftakt größeren Maßstabs dar, der ohne umfangreiche öffentliche Förderung nicht zu stemmen sei.

Eine ganz entscheidende Phase für die Entwicklung des Gotteshauses war laut Lommer der Beginn des gotischen Neubaus, der direkt auf Kaiser Karl IV. zurückgeht. Er hatte 1353 bis 1373 Sulzbach zum reichsunmittelbaren Hauptort des von ihm geschaffenen "Neuböhmen" gemacht. Damit wurde St. Marien zum zweiten Mal Zentralkirche eines eigenen Territoriums. Im Jahr 1355 übersandte Karl Reliquien - mit einem im Pfarrarchiv dokumentierten Begleitbrief, der als Initialzündung für diese Baumaßnahme gilt.

Einst Landeshauptkirche

Wie Lommer beim Blick auf die Außenfassade anmerkt, erinnert an den bei seiner Taufe zunächst Wenzel genannten Herrscher eine lebensgroße Skulptur des böhmischen Nationalpatrons St. Wenzel mit sehr realitätsnahen Gesichtszügen des Kaisers. Sie befindet sich am südöstlichen Strebepfeiler des unter ihm konstruierten Ostchors. "Dieses Standbild ist eine der bedeutendsten Oberpfälzer Steinplastiken der Hochgotik und erinnert an prominenter Marktplatzstelle an internationale Bezüge der örtlichen Kunst-, Kirchen- und Kulturgeschichte", sagt Lommer.

Eine Emanzipation Sulzbachs bis hin zur Erlangung völliger Souveränität 1656 ließ St. Marien nach Angaben des Stadtheimatpflegers zum dritten Mal zur Landeshauptkirche werden. Ins Licht der europäischen Geistes-, Kirchen- und Kulturgeschichte rückte sie 1652 durch Pfalzgraf Christian August, der sie bei Einführung des Simultaneums als erstes Gotteshaus seines Landes beiden Konfessionen öffnete. (Zum Thema, Hintergrund)

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