15.10.2017 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Konzert in der Synagoge Eine Reise zu Orten und zu Menschen

Von einem Fluss in Rumänien über die andalusische Stadt Ronda bis ans linke Ufer der Seine geht die Reise, unterbrochen von einem Wüstensturm und begleitet von Schmetterlingen. Die Reiseführer: Drei Musiker aus Berlin, die "Klezmeyers", sind zu Gast in der ehemaligen Synagoge.

Ihre Musik sei ein Versuch, das Leben als Reise zu Orten und Menschen zu sehen, sagen die Klezmeyers. Bild: hka
von Helga KammProfil

Mit dem Keller-Steff wurde die Herbstkultour bereits im September erfolgreich eröffnet. Auch beim Kontrastprogramm, den "Klezmeyers", hat Fred Tischler eine gute Nase bewiesen: Der Termin in der ehemaligen Synagoge war seit Wochen ausverkauft. Mit Recht, denn die Instrumentalmusik der Berliner Band ist etwas ganz besonderes.

Sie verbindet Orient und Okzident, sie verschmilzt Klezmer mit Flamenco, Tango, Jazz und arabischen Rhythmen. Im virtuosen Zusammenspiel der Klarinettistin Franziska Orso mit dem Gitarristen Robert Kessler und David Hagen am Bass entsteht eine Musik, die ihre traditionellen Wurzeln nicht verleugnet, aber immer wieder aufs Neue überrascht: Moderner Klezmer auf höchstem Niveau.

Was wäre besser geeignet für diese Art von Musik als die ehemalige Synagoge? Wobei die "Klezmeyers" zwar jiddische Musik im Repertoire haben, ihre neue CD "Moravica" mit ausnahmslos Eigenkompositionen aber verstärkt traditionelle und weltmusikalische Einflüsse aufgreift. "Moravica ist der Versuch, das Leben als eine Reise zu verstehen, zu Orten und zu Menschen", erklären die Musiker. Diese fünfte CD ist benannt nach einem Fluss in Rumänien, sie ist spannend, vielfältig, einzigartig und frisch.

"Murmeln und Perlen", "Schmetterlingshimmel" oder "La Roja" heißen einige ihrer Stücke, in denen sich laute und leise Töne in feinfühliger Art und Weise abwechseln. Dazu gehören nicht nur die Reiseeindrücke, sondern auch alltägliche Erlebnisse mit der Familie und den Kindern.

Die "Klezmeyers" wurden vor zwanzig Jahren von Franziska Orso gegründet. Seit sieben Jahren gehören dem Trio Robert Kessler und David Hagen an. Mit ihrer Musik polieren sie alte Melodien zu neuem Glanz, ohne die traditionellen Werte dieser Musik zu vernachlässigen. "Ein Balanceakt, der längst nicht jeder aktuellen Klezmerformation gelingt", urteilt die Fachpresse. Die treibende Kraft dieses furiosen Trios ist natürlich Franziska Orso mit ihrer virtuos gespielten Klarinette. Geradezu spielerisch scheint sie ihr Instrument zu beherrschen, kann die leisen und wehmütigen Molltöne ebenso wie die lauten jubilierenden und pulsierenden, kann Trauer und Freude, Wehmut und Lebenslust damit ausdrücken.

Ihre männlichen Partner stehen ihr in nichts nach. Sie begleiten die Klarinette nicht nur, sondern ergänzen sie in vollendet abgestimmtem kammermusikalischen Zusammenspiel. In Soloparts beweisen Robert Kessler mit seiner Gitarre und David Hagen am Bass ihr hohes musikalisches Können. Alle drei komponieren sie, und mit Ausnahme einer Zugabe aus dem Django Reinhardt-Fundus entstammen alle Stücke des Abends eigener Feder.

Dass der musikalische Bogen weit gespannt ist, zeigten auch die verbindenden Texte der drei Musiker. Sie kündigten Musik aus Spanien an, aus Südamerika, Dreivierteltakt folgte auf Tango, dazu kam Musette und schließlich schwirrten nach dem Wüstensturm die Schmetterlinge.

Das Publikum in der Synagoge begleitete die musikalischen Reise mit großer Begeisterung. Nach stürmischem Applaus wurden gern Zugaben gewährt, und der kleine braune Holzkasten mit den CDs der Gruppe dürfte leichter geworden sein. Alles in allem: Wieder eine gelungene Veranstaltung - der Kulturwerkstatt sei Dank!

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.