08.04.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Konzertabend im Capitol Ausnahmesängerin begeistert mit soul-getränkter Stimme

Es war ein Risiko, mit Ann Vriend eine Sängerin ins Programm zu nehmen, deren Name in der Oberpfälzer Provinz sicher nur wenigen ein Begriff ist. Kultopf hatte den Mut und bescherte rund Hundert Besuchern im Capitol einen außergewöhnlichen Konzertabend.

Mit ihrer kraftvollen, ausdrucksstarken Stimme begeisterte Ann Vriend das Publikum im Capitol. Bild: hka
von Helga KammProfil

In ihrer Heimat Kanada - und nicht nur da - ist Ann Vriend ein Star. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, gewann Songwriting-Wettbewerbe, veröffentlichte mehrere Studio- und Live-Alben sowie Videos und stand in Chart-Listen oftmals obenan. Sie tourte durch Japan, Australien und Europa, in den kommenden Wochen ist sie in Deutschland unterwegs. Dass der Start dieser Tournee ausgerechnet auf Sulzbach-Rosenberg fiel, ist der guten Beziehung zu verdanken zwischen Thilo Hierstetter, dem Chef vom Capitol, und Reinhold Horn von Idris Media in Nürnberg, dem Agenten der Künstlerin.

"So quiet?" fragt Ann Vriend, als sie die Bühne im Capitol betritt. Da kommt der Beifall des Publikums, wie noch so viele Male an diesem Abend. In Leder-Hotpants improvisiert sie ein wenig auf dem Keyboard, plaudert mit dem Publikum, ab und zu "a little bit german", fühlt sich wohl in der Atmosphäre des alten Kinos, dankt den Sulzbacher Musikern für ein Leih-Keyboard, als ihres ganz plötzlich den Geist aufgab. Und dann fängt sie an zu singen, und es wird ganz still im Capitol.

Welch eine Stimme hat diese eher zierliche Person! Expressiv, soul-getränkt, kraftvoll und verspielt, klar und verletzlich, all das trifft zu auf ihre Stimme, auf die Lieder, die sie fast ausnahmslos selber geschrieben und komponiert hat. Reid Tjeil, ihr Partner an der Bassgitarre, bleibt meist im Hintergrund, das Keyboard umrahmt Texte und Lieder der Sängerin.

Die Fachpresse ist des Lobes voll: Mit ihrem ganz eigenen Rhytm'n'Blues reiht Ann Vriend sich ein in die illustre Tradition von Soulmusikern wie Curtis Mayfield, Sly Stone, Marvin Gaye, Aretha Franklin bis zu zeitgenössischen Künstlern wie Janelle Monae und Beyoncé. Ihr literarischer Schreibstil zeigt den Einfluss von Singer-Songwritern aus den 1970ern wie Paul Simon, Leonard Cohen und Cat Stevens. Ihre markante Stimme wird mit dem klaren Nashville-Sound von Dolly Parton, der Verspieltheit von Cyndi Lauper und der rohen Kraft von Aretha Franklin und Etta James verglichen.

Phänomenale Stimme

Im Capitol präsentiert die Kanadierin die Stücke aus ihrer aktuellen CD "Anybody's different". "Get back to me", "Real Love" oder "All that I can" zeigen ihre einzigartigen vokalen Fähigkeiten und ihr kompositorisches Können. Gleichzeitig will sie mit ihrer universellen Botschaft werben für Toleranz und Empathie. Sie hat, aus bescheidenen Verhältnissen stammend, zehn Jahre in einem Problemviertel gewohnt und scheut sich nicht davor, soziale Missstände zu thematisieren, auch in den Stücken der neuen CD.

Was aber vor allem phänomenal ist an diesem Abend, das ist die Stimme. Eine üppige schwarze Soul-Sängerin hätte man dahinter vermuten können, nicht aber Ann Vriend, eine schmale weiße Kanadierin. Alles in allem: das Experiment war gelungen, die Kultopf-Leute waren zufrieden, Ann Vriend im Sulzbacher Hotel-Bett hoffentlich ebenso. Nächstes Jahr kommt sie wieder, mit Band, weiß Manager Reinhold Horn. Darauf können sich alle die freuen, die an diesem Abend im Capitol zu ihren Fans geworden sind.

Höchste Kreise

Anlässlich der Verlobung von Prinz William mit Catherine Middleton sang Ann Vriend Anfang 2011 zu der von kanadischen Musikerkollegen produzierten Single "William and Kate". (hka)

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