Konzertpianistin Lisa Milyukova spielt Skrjabin
Perfekte Interpretin

Mit ihrem begeisternden Klavierabend überzeugte Lisa Milyukova als perfekte Skrjabin-Interpretin. Bild: aks
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
03.12.2016
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Gegen klassische Größen wie Mozart und Schubert hat es Alexander Skrjabin im modernen Konzertbetrieb nicht leicht. Wenn jedoch die junge Konzertpianistin Lisa Milyukova die mitunter sperrigen Klavierwerke nicht nur mit Kenntnis und Können, sondern auch mit Leidenschaft erfüllt, entsteht Mitreißendes. Das Publikum in der Berufsfachschule für Musik wurde Zeuge einer solchen Sternstunde.

Für die an der Nürnberger Musik-Hochschule ausgebildete und an der Sing- und Musikschule tätige Lisa Milyukova war es kein Klavierabend wie jeder andere. Immerhin nahm ihre Karriere an genau dieser Stelle ihren Anfang. Als "eine meiner Besten" begrüßte denn auch stellvertretende Schulleiterin Ruth Kern ihren ehemaligen Schützling, dessen Laufbahn sie mit Freude verfolgt.

Aber nicht nur zum Auftrittsort hegt Milyukova prägende Emotionen: Mit dem Komponisten, der sie schon höchst erfolgreich durch die abschließende Master-Arbeit begleitete, teilt sie den Geburtsort Moskau, die Schwankungen des Schicksals und vor allem die komplexe Besonderheit, die man gern unter "russischer Seele" einordnet.

Um dem Großen der russischen Musik gebührend Gehör zu verschaffen, verlieh Lisa Milyukova Alexander Skrjabin gleich zwei Stimmen: Eine durchdacht moderierende und eine empathisch-musikalische. Bei den verbindenden Ausführungen zwischen dem musikalischen Lebensbogen von der ersten Sonate über vier Préludes bis zur zehnten und letzten Sonate beließ sie es aber nicht bei nüchternen Stationen der Vita.

Eingestreute Zitate aus verschiedenen Phasen bereicherten mit authentischen Eindrücken. So kam die Tante und erste Klavierlehrerin ebenso zu Wort wie der Kommilitone Sergej Rachmaninow oder der extravagante Komponist selbst, der mit 34 Jahren "Erste Gedanken über den Wert meines Lebens" festhielt. Seine Farben-Wahrnehmung fand ebenfalls gebührende Würdigung, am schönsten im einleitenden Poem: "Du hattest Buntstifte im Kopf und maltest Deine Klangbilder aus." Derart kompetent vorbereitet, lauschte das Publikum dem dramatischen Spannungsgefälle in der Klaviersonate Nr. 1 in f-moll und fühlte mit, als die wuchtige Tonpracht zum Trauermarsch für die verletzte rechte Hand kippte und im "Quasi niente" kaum mehr als Trostlosigkeit zurückließ.

Die vier Préludes op. 31 hingegen zeugen von der euphorischen Arbeitswut nach einem Jahr depressiver und trunkener Schaffenskrise. Die von Milyukova zuvor beschriebene Hinwendung Skrjabins zur Transzendenz und die gleichzeitige Offenbarung als träumerischer und romantischer Mensch wurden greifbar.

Noch erhellender erwiesen sich die Hinweise der Pianistin zur zehnten und letzten Sonate, vom Komponisten auch "Insekten-Sonate" genannt. In dem atonalen und doch streng gemäß der Sonatenhauptsatzform konstruierten Klangkunstwerk, das Bezug zum Wald nimmt, hätten Insekten in ihrer tatsächlichen Erscheinungsform gerade keine Bedeutung. Vielmehr sah Skrjabin "Vögel als beflügelte Zärtlichkeit" und "Insekten als Küsse der Sonne - wie meine Sonate, die Insekten-Sonate".

Am Ende zeigten sich die Zuhörer tief beeindruckt von einem Klavierabend, an dem Alexander Skrjabin seine perfekte Interpretin gefunden hat. Zwei gerne gewährte Zugaben krönten die Erfahrung, dass auch abseits eingängiger Klavier-Klassiker große Entdeckungen warten.
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