30.03.2017 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Lesung mit Nava Ebrahimi Ein Universum in „Sechzehn Wörtern“

Von Anke Schäfer

Unmittelbar nach Erscheinen ihres Romans "Sechzehn Wörter" präsentierte Nava Ebrahimi im Literaturhaus Oberpfalz, was hier mit "Zehn Wörter" begonnen hatte. Bild: aks
von Anke SchäferProfil

Sulzbach-Rosenberg. Mit ihrem Roman-Erstling "Sechzehn Wörter" beweist die Schriftstellerin Nava Ebrahimi am Mittwoch im Literaturhaus, welche Kraft orientalische Begriffe entfalten, wenn sie in den Westen reisen, eine Familiengeschichte umspannen und in den Iran zurückkehren. Mit dieser Lesung zurückgekehrt ist auch Nava Ebrahimi, die im Sommer 2014 das Literaturhaus als Teilnehmerin der Bayerischen Akademie des Schreibens kennengelernt hatte. Mit im Gepäck war seinerzeit die Idee zu dem nun gerade frisch erschienenen Roman "Sechzehn Wörter", damals allerdings noch auf zehn Farsi-Begriffe beschränkt.

Veritable Autorin

Patricia Preuß, Programmleiterin des Literaturhauses, fand damals schon Gefallen an dem Projekt und freut sich umso mehr, Nava Ebrahimi als nunmehr veritable Schriftstellerin mit ihrem viel beachteten Erstling zu Lesung und Gespräch begrüßen zu dürfen. Gerade diese gegenseitige Verbundenheit und Sympathie macht den Abend auch für das Publikum zu etwas besonderem.

In "Sechzehn Wörter" fächert Ebrahimi eine an Ungeheuerlichkeiten nicht arme Familiengeschichte auf, die mit einem Rückblick auf den Besuch der Mittdreißigerin Mona bei ihrer unkonventionellen Großmutter im Iran beginnt. Autobiografische Elemente sind dabei kein Zufall, wie die mittlerweile in Graz lebende Deutsch-Iranerin im Gespräch bekennt.

Die Ereignisse auf der folgenden Reise in den Iran anlässlich der Beerdigung eben jener Großmutter tragen fiktive Züge, die Beschreibung dieser schillernden Persönlichkeit nicht. So überhaupt nicht dem hierzulande verbreiteten Bild einer von der Gesellschaft unterdrückten Frau entsprechend, ist es vor allem "Maman-Bozorg", die der mit drei Jahren, aus politischen Gründen mit der Familie nach der Revolution nach Deutschland emigrierten Enkelin persische Kultur und Lebensart ins Herz pflanzt.

Die Widersprüchlichkeit zwischen persönlicher Erfahrung und offiziellem Medienbild macht es aber Autorin und Heldin gleichermaßen schwer. Hier lebensfrohe, tatkräftige Familienchefinnen, dort schwarz vermummte, missachtete Gestalten, die, auch wenn es bei der Lesung nicht angesprochen wird, vor allem von Betty Mahmoody und ihrem Buch "Nicht ohne meine Tochter" in der Wahrnehmung der westlichen Welt verankert wurden.

Ebenfalls vom Geschmack der Zerrissenheit umweht ist die Integration der Ich-Erzählerin, die sich, ähnlich wie Ebrahimi auch, einerseits um jeden Preis an die deutschen Gegebenheiten und Mentalitäten anpassen will, dadurch aber ihre Wurzeln kappt und sich am Ende so ohne Halt in all den westlichen Freiheiten zu verlieren droht.

"Zwei Parallelwelten"

Ihr eigenes Verhältnis zu Herkunft und Lebensmittelpunkt charakterisiert Nava Ebrahimi als "zwei Parallelwelten". Persisch verbindet sie mit Erinnerungen und beispielsweise Gerüchen, in ihrem Alltag spiele es aber keine große Rolle mehr: "Es ist mehr ein kleiner Garten, den ich pflege".

Dass sie sich bei ihren Kindern um Zweisprachigkeit bemüht, sei weniger einer Hoffnung auf Rückkehr als vielmehr einer Reminiszenz an ihre Kindheit geschuldet. Nur wenige im Iran verbliebene Verwandte und die stetige "Achterbahnfahrt der Gefühle" tragen nicht zur Sehnsucht bei.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.