Martin Zilbauer: Sechs Jahre als Yogi in Indien
"Leben ist schön"

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
10.06.2011
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Es war kein Ausstieg, denn die Rückkehr war von Anfang an geplant. Martin Zilbauer lebt schließlich gerne in Deutschland, wie er betont. Trotzdem verbrachte er sechs Jahre in Asien, hauptsächlich in Indien: Für den Amberger die beste Möglichkeit, um sich intensiv mit Yoga zu beschäftigen - für sich selbst, weil er die positive Wirkung für Geist und Körper schätzt, aber auch für andere, denn der Physiotherapeut und Yoga-Lehrer will das, was er in Indien gelernt hat, auch beruflich einsetzen.

Zilbauer ist gerade zurück aus Indien. In Großschönbrunn sind er, seine Frau Ha und Sohn Mano bei seinen Eltern eingezogen, bis die kleine Familie eine eigene Wohnung gefunden hat. Sein Interesse am Yoga führte den 35-Jährigen nach Indien: Über Tai Chi und Meditation hatte Zilbauer Yoga entdeckt und festgestellt, "das ist mein Weg" - und den wollte er vertiefen.

Mehr als das Röntgenbild

Schon in seiner Ausbildung war dem Physiotherapeuten aufgefallen, dass viele Menschen chronische Probleme haben - "und dass da immer mehr ist, als das Röntgenbild sagt". Stress spiele oft eine Rolle, meint Zilbauer: "Da kann die normale Physiotherapie nicht so viel machen. Da bin ich neugierig geworden, in diese Richtung weiterzumachen." "Was man nicht von außen kriegen kann, das muss man selbst auf die Reihe kriegen", sagt Zilbauer. Dafür müsse jeder den für sich passenden Weg wählen: "Yoga in Verbindung mit Meditation war das Richtige für mich." Aus den vielen verschiedenen Richtungen hat er sich Iyengar-Yoga ausgesucht, benannt nach dem 94-jährigen Yogi Iyengar, der in Indien lebt.
Schon in Deutschland hatte der 35-Jährige Yoga ausprobiert. "Hier kann man mal ein Wochenendseminar machen oder einmal die Woche in einen Kurs gehen" - aber er wollte mehr. Deshalb Indien, wo spezielle Yogaschulen eine intensive Praxis ermöglichen: "Da bin ich jeden Tag acht, neun, zehn Stunden in der Yoga-Halle gewesen." Zilbauer hat hauptsächlich in Klöstern gelebt, vor allem im Norden Indiens, im Himalayagebiet. Natürlich ist das Leben dort ganz anders als in Deutschland. Ein Umstieg, der ihm "schwer und leicht" gefallen ist. Leicht, weil er sich schnell mit Neuem anfreunden kann. "Man hat dort mehr Zeit, sich auf das zu konzentrieren, was man machen möchte. Und die Leute sind sehr freundlich und offen."

Andererseits sei es eine andere Kultur. "Sachen dauern länger" - egal, ob es um ein Visum geht oder darum, für ein Baby einen Arzt zu finden. "Vorbereiten" könne man sich auf so etwas nicht. Das sei aber auch "das Schöne an Indien": "Man wird immer ein bisschen herausgefordert", müsse sich auf Unerwartetes einlassen. "Dadurch wächst man wieder ein bisschen."

Die Liebe gefunden

In Puna, im Süden Indiens, wo das Hauptzentrum des Iyengar-Yoga steht, hat der Oberpfälzer auch die Liebe gefunden: Die Koreanerin Ha und er sind seit zwei Jahren verheiratet, vor einem Jahr ist Söhnchen Mano dazu gekommen. Zilbauer liebt die Herausforderung. Deshalb ist er mit seiner Familie zurück nach Deutschland gekommen, um auszuprobieren, wie er das, was er in Indien gelernt hat, hier in seinen Alltag integrieren kann.

Indien bleibt trotzdem ein Thema. Im Herbst wird Zilbauer zwei Monate zur Fortbildung dort sein. Trotzdem soll sein Lebensmittelpunkt Deutschland bleiben, er arbeitet hier auch wieder als Physiotherapeut und Yoga-Lehrer. "Es ist Zeit, sich mal irgendwo niederzulassen." Was ihm sehr auffällt, seit er wieder hier ist, ist, wie unzufrieden viele Menschen in Deutschland sind: "Sie haben so viel und sind trotzdem unzufrieden." Ähnlich sei es bei der stetig wachsenden Ober- und Mittelschicht Indiens - Leute, die Geld haben, aber "nicht mehr lächeln können". Während die Menschen in einem einsamen Bergdorf im Himalaya sehr glücklich seien. So wie Zilbauer, der sich freute, wenn der Strom nicht ausfiel oder seine Eltern Schokolade schickten.

Die gesunde Mitte

Zilbauer hofft, sich diese Zufriedenheit erhalten zu können. "Life is beautiful" steht in seiner E-Mail-Adresse: "Das Leben ist schön." Ein Lebensmotto? "Eigentlich schon", sagt er. "Obwohl das Leben ja nicht schön ist, sondern neutral. Es eben ist so, wie's ist." Aber man sehe es meistens doch eher zu negativ. "Deshalb denke ich, wenn man ein bisschen ins Positive geht, trifft man sich in der gesunden Mitte."
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