05.03.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Mit Jump ´N´Run macht Christian Schloyer aus Gedichten ein multimediales Erlebnis Irrwege, Sackgassen und die rettende Rakete

Das hatte sich Lyriker Christian Schloyer einfacher vorgestellt: Am Ende summierten sich rund 1000 Stunden Arbeit auf, um für den Band "Jump 'N'Run" die eigenen Gedichte zu zerlegen, variable Lesewege zu konstruieren, das Ganze grafisch aufzuarbeiten und obendrein noch mit Klanglandschaften zu unterlegen.

Christian Schloyer hatte an seiner Performance ebenso viel Spaß wie das Publikum.
von Anke SchäferProfil

Der Anklang, den sein Projekt im Literaturhaus Oberpfalz findet, belohnt jedoch den Mut. Zur Umarbeitung der Gedichte in die Optik etwas betagterer, noch nicht so durchgestylt komplexer Computerspiele hat es Christian Schloyer bei Leitern und Pfeilen belassen, die der Spielfigur verschiedene Möglichkeiten zur Fortbewegung zwischen den mal längeren, mal kürzeren Textblöcken eröffnen.

Aber nicht alle Wege sind auch erlaubt, was speziell in höheren Leveln die Köpfe rauchen lässt. Zu Beginn ist das Problem allerdings noch profanerer Natur: Im Publikum zahlreiche Mitglieder der Lehrerakademie Dillingen (waren eine ganze Woche zur Lyrikfortbildung im Literaturhaus Oberpfalz zu Gast) und nicht ein einziger Laserpointer zur Hand.

Furchtlose Freiwillige

Da muss eben die schnöde PC-Maus den Pfad durch die an die Bühnenwand projizierten Seiten des Gedichtbandes weisen, was vor allem die Sache mit dem Mitmachen nicht einfacher macht. Nach ein bisschen Aufwärmzeit finden sich jedoch schnell furchtlose Freiwillige, die die Maus-Navigation übernehmen, während der Dichter die angepeilten Zeilen mit reduzierter und doch routinierter Stimme vorträgt.

Und wie schon beim Bestaunen der analogen Buchversion stellt sich flott der Spaß an hoffnungslosen Irrwegen und gestresster Hilflosigkeit ein. Denn so sehr Richtungspfeile und Leitern mit Stop-Zeichen nach oben oder unten auch fesseln, jeder Probant will gleichzeitig auch mitlesen und irgendwie aus dem einzelnen Abstrakten wieder ein großes Ganzes zusammensetzen.

Glücklicherweise legt Christian Schloyer keinerlei Wert auf pädagogische Pedanz: "Ich mache jeden Regelverstoß mit". So viel unaufgeregte Coolness wiederum reizt die Freiwilligen auch mal dazu, den Dichter in der Endlos-Schleife hängen zu lassen. Am Ende folgt auf das Gelächter doch immer der rettende Weg zur Rakete, die in den nächsten Level katapultiert.

Skurrile Wortkreationen wie "baugrubendompteuer" oder "hydrosphärenauschtaucher" halten das Publikum übrigens so wenig vom Nachbohren ab wie die fantastischen Weltennamen "taufbecken mit mariannengraben" oder "lunatic asylum". Und so geht man dem Wechsel zwischen normalen und kursiven Textpassagen ebenso auf den Grund wie der Motivation zu den als eher düster empfundenen Botschaften.

Master-Lösungsplan

Die versierteren Computerspieler interessieren sich zudem für den Master-Lösungsplan und vermissen bei "Jump 'N'Run" die sonst üblichen Endgegner. Christian Schloyer bleibt keine Antwort schuldig und räumt dabei ein, dass ihm mittlerweile manche Abkürzungswege besser gefallen als die ursprüngliche Strecke.

Einen Lieblingstext will er ebenfalls nicht benennen: "Mich interessiert im wahrsten Sinne des Wortes die Gleichgültigkeit der Wege". Seine beiden anderen Bücher sähen übrigens deutlich gewöhnlicher aus, ganz ohne Spielerei sei es aber auch da nicht geblieben, so der bereits mehrfach ausgezeichnete Lyriker.

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