Mudartautor Dieter Radl stellt im Capitol sein erstes Buch vor
Dialekt öffnet die Türen

Ein Radl kommt selten alleine: Im Capitol unterstützten Dieter Radl Sohn Uli sowie Enkel Emil musikalisch. Bilder: gf (3)
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
10.07.2017
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"Wäi mir da Schnowl gwaggsn is" war bei Dieter Radls Buchvorstellung kein leeres Versprechen.

"Wo man meine Sprache spricht, ist meine Heimat!" Diese Aussage von Hans-Jürgen Buchner, Kopf der Band Haindling, machte sich Mundartautor Dieter Radl im Capitol zu eigen. Dort stellte er sein erstes Bäichl vor. Und fast hätte man es erraten können: es trägt den Titel "Wäi mir da Schnowl gwaggsn is".

Bei Dieter Radl einfach als "Zugnummer" für Abendveranstaltungen zu sprechen, würde dem dort gebotenen Erlebnis sicher nicht gerecht. Denn der Autor schafft es gleich einem Hypnotiseur, die Zuhörer voll und ganz zu fesseln. Er lässt Bilder in den Köpfen entstehen, die er mit seiner Sprache, unserer Oberpfälzer Mundart, vor dem geistigen Auge entstehen lässt. Und der pensionierte Lehrer, Jahrgang 1942, aufgewachsen in der Bindergasse, findet größten Gefallen daran, immer wieder - sei es Prosa oder Lyrik - zum imaginären Zeichenstift zu greifen. In seinem ersten Buch ist das etwas anders, denn zur Illustration hat er seinen Freund und früheren Berufskollegen Walter Mayer, der seit mehr als 30 Jahren leidenschaftlich gerne fotografiert, mit ins Boot geholt, um die Seiten stimmig zu illustrieren. Und das ist mehr als gelungen, sei es von der Motivauswahl her oder von der Qualität der Aufnahmen. Ins Auge des Betrachters rücken so stets die großen Themen Heimat und Natur.

"Hier handelt es sich um Dialekt-Hardcore", warf Radls Verleger Eckhard Bodner aus Pressath ein, den der Autor anlässlich der Präsentation um ein Grußwort gebeten hatte. "Das Buch war schließlich keine schwere Geburt, aber man kann von einer langen Schwangerschaft sprechen", meinte Bodner zur Entstehungsgeschichte, in der viel Herzblut und Hirnschmalz aufgewendet wurden.

Kulturgut schützen

Dieter Radl selbst bekennt, dass er es sich nach seiner Pensionierung als Lehrer am Förderzentrum zur Aufgabe gemacht hat, unseren Dialekt, unsere Mundart als schützenswertes Kulturgut zu erhalten. Er nutzt Prosa und Reimform als Gestaltungsmittel, um heitere, originelle Begebenheiten aus seinen Kinder- und Jugendjahren, von Leuten aus seiner Heimat zu schildern. Für das Buch wählte er auch Ereignisse aus der Gegenwart, besinnliche Bilder aus Natur, Brauchtum und Heimat aus.

Nicht einheitlich

"Durch den Dialekt versuche ich, all dies besonders klang- und stimmungsvoll auszugestalten. Denn - unsere Mundart ist eine vollständige Sprache, keine Nischensprache, sie ist Alltagssprache, ist Zugang zu Kultur, ein Stück unserer Heimat", gab sich Radl bei der Buchvorstellung überzeugt. Der Mundartautor weist das Publikum aber auch auf Schwierigkeiten hin, die sich beim Schreiben der Oberpfälzer Sprache immer wieder ergeben. "Es ist nicht einfach, die Aussprache der besonders signifikanten Umlaute, manchmal auch einige nasaler Laute, zu Papier zu bringen, da es keine einheitliche Oberpfälzer Sprache, weder gesprochen, noch geschrieben, gibt. Es ist aber auch nicht leicht, den geschriebenen Dialekt im Fluss zu lesen und ihn dann gedanklich phonetisch richtig zu übertragen."

Radl unterteilte seine Buchpräsentation in drei Lesungen, eine davon mit einer Beamer-Präsentation unterfüttert. Bei der musikalischen Begleitung blieb es familiär mit Sohn Uli (Gitarre, Ukulele) und Enkel Emil (Fagott). Sie verknüpften die Blöcke gekonnt mit ihren Instrumenten und ließen sogar mit einer verjazzten Version des "Oichlbauern" aufhorchen.

BuchErhältlich ist das Buch "Wäi mir da Schnowl gwaggsn is" von Dieter Radl bei der Buchhandlung Volkert, Neustadt 6, oder beim Autor, 09661/32 61, selbst.

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Dieter Radl, Wäi mir da Schnowl gwaggsn is, Verlag Eckhard Bodner Pressath, ISBN: 978-3-939247-94-4, 100 Seiten, 50 Bilder, 9,90 Euro.
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