Musik aus aller Welt bei der Akkordeonale
Weitaus mehr als "nur a Quetschn"

Die Musiker der Akkordeonale gastieren am Samstag, 21. April, um 20 Uhr im Capitol. Bild: exb
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
16.04.2018
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Ein internationales Akkordeon-Festival abseits von Großstädten? In der Provinz gar? Servais Haanen, gebürtiger Niederländer und Organisator der Akkordeonale, war sehr angetan, als ihm Georg Leugner den Vorschlag unterbreitete.Und er baute Sulzbach-Rosenberg als Spielort in seine Tournee ein. Das war 2017.

Heuer kommen die Musiker wieder, denn sie waren sowohl vom Capitol als Location als auch vom ganzen Drumherum sehr begeistert.

Georg Leugner erzählt, wie es dazu kam, dass die Akkordeonale im vergangenen Jahr erstmals Station in Sulzbach-Rosenberg machte. Als Instrumentenbauer habe er ein großes Netzwerk, ein Großteil seiner Kunden ist im Profi-Bereich tätig. Und so kam es, dass er auf einer Messe erste Kontakte zu den am Festival beteiligten Künstlern und Hauptorganisator Servais Haanen knüpfte. Der Aufforderung, doch mal mit dem Festival in der Provinz zu gastieren, kam der sofort nach. "Er hat direkt auf der Messe zugesagt", freut sich Leugner.

Schon das zehnte Festival

Und weil es allen Beteiligten 2017 so gut in der Oberpfalz gefallen hat, ist Sulzbach-Rosenberg erneut Spielort der Tournee - neben Berlin, Bonn, Koblenz, Augsburg, Dachau oder Mainz. "Das freut mich natürlich sehr", sagt Georg Leugner. Und so ist der Kultopf am Samstag, 21. April, Gastgeber des zehnten internationalen Akkordeon-Festivals. Einlass im Capitol ist ab 19 Uhr, die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr. Tickets sind im Vorverkauf für 23 Euro bei NT-Ticket und in der Buchhandlung Volkert sowie für 25 Euro an der Abendkasse erhältlich.

Georg Leugner bedauert, dass das Akkordeon ein Instrument ist, das einen schlechten Ruf hat. Denn es ist viel besser als sein Ruf. Und viel vielseitiger. Sei von einem Akkordeon die Rede, heiße es oftmals ein bisschen abwertend: "Ach so, a Quetschn". Häufig werde es damit in Verbindung gebracht, dass damit jemand auf einer Kirwa ein Nachspiel bestreitet. Oder den unterhaltsamen Part bei einem Seniorennachmittag. "Das Akkordeon ist ein Instrument, das eine Fülle erledigen kann", schwärmt Leugner. Es eigne sich nicht nur für Solo-Parts. Leugner verweist auf die große Bandbreite des Instruments. "Es ist wie eine kleine Orgel und sehr vielseitig", sagt er. Aus vielen Musikgruppen sei es nicht mehr wegzudenken. "Und wenn's fehlt, dann fehlt wirklich alles." Selbst klassische Stücke lassen sich auf dem Akkordeon mühelos spielen, zum Beispiel eine Fuge von Bach.

"Ziemlich revolutionär"

Festival-Organisator Haanen ist es laut Leugner ein großes Anliegen, dass jeder Musiker den traditionellen Part seines jeweiligen Landes solistisch übernimmt - im Verbund mit den anderen Musikern. Besonders gespannt ist Leugner auf die Ägypterin Youssra El Hawary. Zur Musik vieler europäischer Regionen habe man einen Zugang, zum Beispiel zu Musette aus Frankreich oder die griechischen Klänge, die man aus dem Urlaub kenne. Aber auch zum Tango argentino. "Aber von Ägypten, da habe ich jetzt so gar keine Vorstellung", gibt Leugner frank und frei zu. Neugierig auf die Darbietung ist er noch aus einem zweiten Grund: El Hawarys Stücke sind sozialkritische und politische Lieder. "Da ist sie schon ziemlich revolutionär unterwegs", sagt Leugner. Er betont aber gleichzeitig, dass er sich auf alle Künstler der Akkordeonale freut.


Die Akkordeonale und ihre TeilnehmerHochkarätige Musiker kommen mit der Akkordeonale nach Sulzbach-Rosenberg, um die Klangvielfalt dieses vielfach verkannten Instruments zu zeigen. Mitwirkende sind:

Rafael Fraga

Der Portugiese (Gitarre und Fado-Gitarre") hat Bossanova, portugiesische Volksmusik, Jazz und klassisch-zeitgenössische Musik als seine wichtigsten musikalischen Einflüsse. In seiner Arbeit als Komponist und Arrangeur vereint er die vielfältigen musikalischen Zusammenhänge und Perspektiven ausgewogen.

Servais Haanen

Der Niederländer ("Der Meister feiner Klänge") komponiert und arrangiert die Ensemble-Stücke des Festivals und arbeitet schon lange daran, die Grenzen der Ziehharmonika zu sprengen und Elemente aus neuer Musik, Minimalstrukturen und andere ausgefallene Klänge zu integrieren.

Veronica Perego

Die Italienerin ("Kontrabass") verliebte sich, als sie das erste Mal einen Kontrabass in einem Konzert erlebte, auf Anhieb in dieses Instrument - nicht nur wegen dem "fetten Klang", sondern auch wegen der Rolle, die ein Kontrabass in einem Ensemble einnimmt.

Omar Massa

Der Argentinier ("Magie auf Bandoneon") hat seine Wurzeln in der Tangomusik, widmet sich aber der Konzertmusik, vor allem der Musik Astor Piazzollas und dem europäischen und lateinamerikanischen Barockrepertoire.

João Pedro Teixeira

Der Brasilianer ("Feuriger Forró do Brasil") hat für sich eine außergewöhnliche Technik des Akkordeonspielens kreiert, die sich im Gebrauch der Bässe in einer bisher unbekannten Weise zeigt.

Youssra El Hawary

Die Ägypterin ("Die Rose von Kairo") begleitet sich selbst mit dem Akkordeon bei ihren sozialkritischen politischen Liedern und wurde in sehr kurzer Zeit zu einer der Frauenstimmen in Ägypten.

Dimos Vougioukas

Der Grieche ("Akkordeon vom Olymp") begann sein Akkordeon-Studium als Elfjähriger am Konservatorium von Vólos und hat sich auf die Musik Griechenlands und des Balkans spezialisiert. (san)

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