Musikkabarett im Seidel-Saal
Rasante Musik und schräger Humor

Starker Auftritt im Seidel-Saal: Virtuose Musiker und originelle Geschichtenerzähler sind die Vier von Gankino Circus. Bilder: hka (2)
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
25.02.2018
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Auch auf den Beinen von Ralf Wieland kann Simon Schorndanner Klarinette spielen.

"Die Letzten ihrer Art" nennen sich vier muntere Burschen, die dem Seidel-Saal wieder ein volles Haus bescherten. Sie sind eine ungewöhnliche Band, haben das Konzert-Kabarett erfunden, indem sie großartig musizieren, verrückte Geschichten erzählen und sogar als Artisten eine gute Figur machen.

Sie nennen sich "Gankino Circus", vier Freunde, die sich bereits seit Kindheitstagen kennen, zusammen im fränkischen Dietenhofen zur Schule gegangen sind und in der gleichen Blaskapelle gespielt haben. "Der Name hat nichts mit Kino zu tun", erklärt Gitarrist und Gruppenleiter Ralf Wieland. Gankino sei ein alter bulgarischer Volkstanz im 11/8-Takt, den sie im Rahmen ihrer zahlreichen Konzerte in osteuropäischen Ländern kennengelernt und zu ihrem Band-Namen gemacht hätten.

Im Jahr 2007 haben "die Letzten ihrer Art" ihre fränkische Folk-Band gegründet und sorgen seitdem mit ihrem Bühnenprogramm für Furore. Vier Alben und mehrere Kabarett- und Kleinkunstpreise sind der Lohn ihrer Mühe und der Beweis ihres Könnens.

Im Zentrum des Programms von "Gankino Circus"steht ihr Heimatort Dietenhofen mit dem "Wirtshaus zur Heiligen Gans" und dessen Wirt "Weizen-Charly." Ihm widmen sie eine Hymne, erzählen von Marie, der Freundin von Johannes Sens, der nicht als Bäcker in die Fußstapfen seines Vaters getreten, sondern Schlagzeuger geworden ist. Und welch ein Schlagzeuger! Es scheint oft so an diesem Abend, als hätte er vier Arme, so wirbeln seine Hände oder Schlägel über die Becken und Drums.

Im ersten Teil des Abends noch etwas verhalten, laufen die "Gankinos" nach der Pause zur Höchstform auf. Da überrascht der bärtige Akkordeonist Maximilian Eder mit "Es kommt ein dunkel Wolk heran" mit einer klangvollen Stimme. Dr. Simon Schorndanner, Arzt-Sohn von Dietenhofen, greift zu Klarinette und Saxophon und erzählt die Geschichte seines Großvaters, der alle alten Rock'n'Rolls ins Fränkische übersetzt hat. Und die werden dann natürlich gespielt, so Klasse, dass es das Publikum nicht auf den Sitzen hält.

"Wir sind die momentan beste Band in Dietenhofen", stellt Ralf Wieland klar. Er spinnt mit seinen skurrilen Geschichten den roten Faden, der sich durch das außergewöhnliche Bühnengeschehen zieht. Er spielt nicht nur virtuos auf seiner Gitarre, kann sogar mit einer kleinen Bohrmaschine Bouzouki-Töne erzeugen, und das nur, weil die Freunde nach dem Tod von "Weizen-Charly" zu Costas, dem Griechen samt Ouzo ausweichen mussten. Das Publikum im Seidel-Saal ist längst fasziniert von den Dietenhofener "Gankinos". Die oft melancholischen Lieder und mitreißenden Instrumentalstücke, die Anekdoten und nicht zuletzt die halsbrecherische Akrobatik geben jedem Protagonisten Raum, sich auf seine ganz individuelle Art und Weise in die Herzen der Zuschauer zu spielen. Diese wiederum machen Eindruck, als es um ein musikalische Quiz geht: Insbesondere Besucherin Gerda erkennt die im 11/8-Takt angespielten Melodien, sei es Vivaldi oder Helene Fischer.

Die Band freut sich. "Ein riesengroßes Glück, dass wir hier in Sulzbach-Rosenberg auftreten durften", gesteht Ralf Wieland, "schon zum zweiten Mal" und dankt den beiden Tischlers, Fred und Maximilian. Das Publikum aber lässt die Vier nicht so einfach gehen. Mehrere Zugaben werden zugestanden und ganz zum Schluss eine wunderbare Version des alten deutschen Volksliedes "Kein schöner Land".

Wir sind die momentan beste Band in Dietenhofen.Ralf Wieland von Gankino Cirkus
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