07.04.2017 - 15:06 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neuer Roman von Bernhard Setzwein Aus Böhmen in die weite Welt

Mit dem sicheren Gespür eines historischen Detektivs hat der Oberpfälzer Schriftsteller Bernhard Setzwein ein Juwel der Geschichte Böhmens ausgegraben und kenntnisreich und humorvoll in seinem jüngsten Roman "Der böhmische Samurai" festgehalten.

Im Literaturhaus in Sulzbach-Rosenberger las Bernhard Setzwein aus seinem Roman über das Adelsgeschlecht Coudenhove-Kalergi. Außerdem übergab er, neben anderen Exponaten aus seinem Vorlass, auch seine "uralte" Schreibmaschine dem Archiv. Bild: gf
von Rudolf BarroisProfil

In Begleitung seiner japanischen Frau Mitsuko kehrt Heinrich Graf von Coudenhove-Kalergi aus dem diplomatischen Dienst in Tokio zurück in sein böhmisches Schloss Ronsperg. Zwei Söhne bringt er mit. Richard, ganz der Vater, was seine geistigen Interessen angeht, wird später als Gründer der Paneuropa-Union berühmt. Sein Bruder, eher dem Abenteuerlichen zugeneigt, bleibt extravaganter Querdenker, Freigeist, macht Schlagzeilen als Lebemann und Kunstmäzen. In die Politik gerät auch er, allerdings unfreiwillig, als durch die tschechischen Benes-Dekrete die Familie ihr Vermögen verliert und er in dem tschechischen Internierungslager Chrastavice unweit von Taus landet.

Mit sicherem Gespür hat Bernhard Setzwein diesen Schatz der böhmischen Geschichte ausgegraben und kenntnisreich und humorvoll in seinem jüngsten Roman "Der böhmische Samurai" festgehalten. Nach der Trilogie "Die grüne Jungfer" (2003, "Ein seltsames Land" (2007) und "Der neue Ton" (2012), die sich mit der Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs beschäftigen, geht Setzwein diesmal zurück in die Zeit um 1900, in den Aufbruch der Europaidee. Die Protagonisten des Romans werden allerdings auch Zeugen der schmerzhaften Entwicklungen des 20. Jahrhunderts.

Dritte Auflage

Am Donnerstag ist Setzwein mit seinem Buch, das inzwischen die dritte Auflage erreicht hat, zu Gast im Literaturhaus. Er bringt nicht nur seinen neuen Roman mit. Dem Archiv übergibt er seinen Teilvorlass, in dem es um die Wurzeln des Autors geht, seine ersten Veröffentlichungen, die Mitwirkung am Aufbau einer kritischen Dialektliteratur. Setzwein lässt die Zuhörer hineinschauen zum Beispiel in seine Anfänge, die lyrischen Ansätze schon während der Schulzeit in Pasing, dort auch schon die Gründung einer Literaturzeitschrift. Das steht nun dem Archiv zur Verfügung.

Reiche Geschichte

"Der böhmische Samurai" ist die konsequente Fortsetzung von Setzweins intensiver Beschäftigung mit Böhmen, seinen Autoren, seinen Bewohnern, seiner reichen Geschichte. Er beschreibt einen Adeligen, der, nachdem er als K.-u.-k.-Diplomat die ganze Welt bereist hat, in seinem Schloss Ronsperg dem Gedanken nachhängt, eine Paneuropa-Bewegung ins Leben zu rufen. Nahrung dafür findet er in den Gesprächen mit dem örtlichen Rabbiner und in seiner Bibliothek. Er selbst hat bereits ein Buch geschrieben über die Wurzeln und Ursachen des Antisemitismus, ein Werk, das bis heute zum wissenschaftlichen Standard bei diesem Thema gehört.

Mit sicherem Gefühl auch für komplizierte Charaktere stellt Setzwein vor allem die beiden Söhne des Grafen vor, porträtiert sie in langen Dialogen. Man begegnet vor allem Graf Hansi als Student in Wien, das Zusammentreffen mit einer der ersten Flugpionierinnen. Für den Autor ist das Anlass, sich ausführlich mit dem Abenteuer erster Flugversuche zu beschäftigen. Hansi wird schließlich auch in Berlin landen und dort Leuten begegnen, die Europa bis 1945 an den Abgrund führen werden. Hinreißend authentisch und atmosphärisch dicht sind hier die Gespräche des Grafen mit seinen Mitgefangenen im tschechischen Lager.

Smetana und Schnitzler

Das alles fügt sich in diesem Buch zusammen als Abbild der mitteleuropäischen Geschichte, gelebt und erlebt von Menschen, die den Start in eine europäische Zukunft anders erleben als sie sich das vielleicht vorgestellt haben. Und so ganz nebenbei bekommt der Leser dann auch noch den Bezug zu berühmten Personen: Auf Schloss Ronsperg ist angeblich, so erzählt Vater Heinrich es seinem Sohn, Bedrich Smetana, dem wir die wundervolle "Moldau" verdanken, Musiklehrer gewesen, als er noch jung und noch nicht berühmt war. Von Arthur Schnitzler ist die Rede, der angeblich ein notorischer Schürzenjäger" gewesen sein soll. So erlebt der Leser lebendige Geschichte.

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