Neujahrskonzert mit Werken von Edward Elgar, Gustav Mahler und Maurice Ravel
Radikale Harmonien zelebriert

Dirigentin Oksana Lyniv beeindruckte durch Präzision und Engagement.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
10.01.2017
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Die Lions ließen sich nicht lumpen: Präsidentin Petra Schöllhorn und Schatzmeister Jürgen Schleicher überreichten an den Organisationsleiter Andreas Burger (Mitte) einen Spendenscheck.

Unsicherheit, was die Zukunft bringt, die Ahnung, dass eine neue Epoche anbricht: All das empfanden auch Edward Elgar, Gustav Mahler und Maurice Ravel. Beim traditionellen Neujahrskonzert des Landesjugendorchesters erklangen Werke dieser drei Komponisten und trafen damit den Nerv der Zeit.

Edward Elgars "Konzert für Violoncello und Orchester e-moll op. 85" ist grüblerisch und düster, der Abgesang auf eine Epoche. Trotzdem gelang es dem Landesjugendorchester und dem Solocellisten Sebastian Klinger in der Krötensee-Sporthalle, Momente der Hoffnung von großer Schönheit auszudrücken. Klinger entlockte seinem Cello wunderbar warme, weiche Töne. Er ließ es innig und gefühlvoll singen. Dabei spielte er mit dem ganzen Körper, sogar mit der Atmung. Von der Dirigentin Oksana Lyniv sorgsam geführt, wurde er zum primus inter pares des Orchesters. Zauberhaft war der Moment, als sein Piano am Ende des Adagios mit dem der Orchestercellisten zu einem umfassenden Wohlklang verschmolz. Klingers intensives, vorwärtsdrängendes Spiel im letzten Satz strahlte große Tatkraft, ja Tatendurst und Zuversicht aus.

Nur eine Woche Probe

Das BLJO ist ein Jugendorchester, das in jeder Arbeitsphase anders besetzt ist, weil immer neue Musiker hineinwachsen und ältere es verlassen. Ist das eine gute Voraussetzung, sich an Gustav Mahlers "Symphonie Nr. 10 - Adagio", sein unvollendetes letztes Werk, zu wagen?

In der nur einwöchigen Probenphase ist es Lyniv gelungen, die jungen Leute zusammenzuschweißen und die jugendliche Spielfreude mit professionellem Können zu verbinden. Die Musiker folgten aufmerksam jeder der eleganten Bewegungen, jeder expressiven Geste, jedem Blick der Dirigentin. Sie zelebrierten die radikalen Harmonien und gestalteten hoch emotional die Zerrissenheit. Jeder kurze Moment von Entspannung oder Heiterkeit erwies sich umgehend als trügerisch. Dramatisch die Soloklarinette, atemberaubend die Spannung beim Piano der 1. Geigen. Das Publikum war von der reifen Leistung dieser tour de force zutiefst berührt.

Leuchtende Farben

Lyniv arbeitet hauptsächlich als Operndirigentin. Diese Vorliebe war bei Ravels 2. Orchestersuite "Daphnis und Chloé" spürbar. Sie erzählte in leuchtenden Farben die Geschichte des antiken Liebespaars. Geradezu pointillistisch gestaltete sie den "Lever du jour". Unendlich zart flirrten die Geigen, zauberhaft das Flötensolo. Scheinbar zügellos, fast orgiastisch war schließlich der letzte Teil "Danse génerale". Hier hatten die hervorragend besetzten Schlagwerker und die phantastischen Blechbläser ihren großen Auftritt - atemberaubend!

Schlittenfahrt als Zugabe

Die begeisterten Zuhörer applaudierten stürmisch. Aus allen Ecken des Saals erklangen laute Bravorufe. Lyniv bat die Solisten, sich zu erheben, so dass sie ihren persönlichen Extra-Beifall bekamen. Jeder einzelne war hervorragend.

Als Zugabe spielte das BLJO deshalb den ausgelassenen "Sleigh Ride" von Frederick Delius. Mit sichtbarer Freude zupften die Streicher auf ihren Instrumenten das Trappeln der Pferdehufe, man genoss, wie die Schneeflocken im Sonnenschein glitzerten. Mit diesem heiteren, unbeschwerten Abschluss wünschten die Musiker den Konzertbesuchern alles Gute für das neue Jahr.

Dank und SpendePetra Schöllhorn, die Präsidentin des Lions-Clubs Sulzbach-Rosenberg hieß Martin Landmesser, den Past Governor des Distrikts, willkommen, der anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Lions-Clubs das Neujahrskonzert besuchte. Sie dankte Bürgermeister Michael Göth und Fred Tischler, dem Leiter der Kulturwerkstatt, für ihre Hilfe, außerdem den Konzertbesuchern: "Ohne Sie könnten wir Kindergärten und Schulen nicht unterstützen." Der Lions-Club fördert nicht nur die Bildungseinrichtungen in der Region. Zusammen mit Jürgen Schleicher, dem Schatzmeister, überreichte Schöllhorn Andreas Burger, organisatorischer Leiter des LJO, eine Spende über 1000 Euro. (cog)
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