04.12.2017 - 17:16 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Nick Woodland mit Band spielt im Seidel-Saal Mitten im Himmel des Blues

Das Handwerkszeug sieht teils schon etwas angejahrt aus, bei der Fender-Gitarre ist der Lack ab, und der Hauptdarsteller hat auch schon einiges mitgemacht. Aber gerade die langjährige Bühnenerfahrung ist es, die diesen Abend im Seidel-Saal so wertvoll werden lässt. Nick Woodland und seine Band haben der Stadt die Ehre erwiesen. Und die revanchierte sich mit einer wahren Sympathiewelle.

Einfach ein geniales Gesamtkunstwerk: Nick Woodland ist unverwechselbar gut. Das bewies er im Seidel-Saal erneut. Bild: bmr
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Knautschgesicht, Falten, Zylinderhut, Schlangenlederimitats-Sakko: Nick Woodland ist optisch unverwechselbar. Genauso macht er auch Musik. Mit seinen drei Partnern verkörpert er die "good old school" des Rock und Blues. Keine Bühnenshow, keine Geschwindigkeitsrekorde auf der Gitarre, kein permanentes Schlagzeuggewitter - die Musiker sprechen für sich selbst mit ihren enormen Qualitäten. Und Woodland spricht mit dem Publikum.

"Das ist der Unterschied zwischen Jazzern und uns: Die spielen 10 000 Akkorde vor drei Leuten", meint er schelmisch und zählt ein: "Smell the roses", ein Kracher von der Live-CD, fegt von der Bühne, und der Saal ist begeistert. Woodland beginnt den Abend verhalten, fast leise - auch er muss sich erst warmspielen. Ein bisschen Reggae und Funk, Country-Anklänge, aber vor allem geradlinigen Rock und Blues.

Perfekte Band

Dann allerdings ist er kaum mehr zu halten: "Ihr seid ja noch da - das bedeutet Arbeit!", begrüßt er den Saal nach der Pause. "No other woman" begeistert, bei "Somebody in Switzerland" singen alle mit, dann kommt der absolute Höhepunkt: "Handle on the blues" bietet allen vier Musikern Raum für Entfaltung.

Und das tun sie denn auch: Klaus Reichardt ist ein absolut begnadeter Tastenmann, der auch an der Pedal-Steel-Gitarre einfühlsam glänzt. Tom Peschel am Bass freut sich den ganzen Abend wie ein Schneekönig über die super Musik, deren Basis er selber natürlich maßgeblich prägt; der junge Manfred Mildenberger am Ludwig-Set, das älter ist als er, sprüht geradezu vor Spielfreude am Schlagzeug, nutzt alle Möglichkeiten, Klänge zu erzeugen und hinterlässt den Eindruck einer hochmotivierten, aber total sensiblen Rhythmusmaschine.

Volle Begeisterung

Der Meister selbst ist der absolute Inbegriff von Coolness: Kaum Bewegungen, ein bisschen Faltengymnastik im Gesicht, ansonsten hochkonzentriertes, inspiriertes Spiel. Woodland ist ein "musician's musician", einer, der schon viele Stars unterstützt hat und der besonders seine Kollegen beeindruckt. Die sind denn auch zahlreich im Publikum vertreten und hellauf begeistert von den gefühlvollen Läufen, die der 66-jährige Engländer und Wahl-Münchener aus seiner alten, abgewetzten Stratocaster herausholt. Der Blues wird jetzt greifbar - atemlose Stille, dann volle Begeisterung.

Dieser Abend war ein Geschenk, da sind sich alle einig, und nach zwei Zugaben, ausgiebigem CD-Signieren und vielen Gesprächen mit den Fans sitzt ein erschöpfter, aber zufriedener Nick Woodland abseits still am Bühnenrand. Seine Kollegen bauen schon mal ab, morgen spielen sie in Esslingen, dann in Fürth und so weiter. Solange er eine Gitarre halten kann, wird sich das wohl auch nicht ändern. Komm bald wieder, Nick!

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.