"Philharmonisches Streichsextett Nürnberg" spielt das Abschlusskonzert der 55. Kammermusikreihe ...
Makellose Melodien

Das "Philharmonisches Streichsextett Nürnberg" spielt das Abschlusskonzert der 55. Kammermusikreihe der VHS Amberg-Sulzbach. Die hochkarätigen Musiker begeistern die Zuhörer im ausverkauften Saal. Bild: Wolfgang Steinbacher
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
22.03.2018
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Die dominierende Form der Kammermusik ist seit der Klassik das Streichquartett. Der Virtuose und Komponist Luigi Boccherini erweiterte das Ensemble 1777 erstmals um ein Cello und eine Bratsche, um die Dominanz der Violinen zu brechen. Bis heute bleibt diese Besetzung jedoch ungewöhnlich.

Wenn dann auch noch sechs hochkarätige Musiker - allesamt ehemalige oder aktive Mitglieder der Nürnberger Philharmonie - als Streichsextett auftreten, ist die Neugier entsprechend groß. Der Saal beim Abschlusskonzert der 55. Kammermusikreihe der Volkshochschule Amberg-Sulzbach ist ausverkauft. Das "Philharmonische Streichsextett Nürnberg" beginnt den Abend mit dem weltentrückten Streichsextett aus Richard Strauss' letzter Oper "Capriccio" (op. 85) von 1942. Bernd Buß, der Senior und Chef des Ensembles, spielt die 1. Violine stark bewegt und sehr emotional.

Das einfache Fünftonmotiv löst sich bald in eine fast impressionistische Klangmusik auf. Worum es eigentlich geht, ist die Liebeserklärung des Komponisten an eine begehrte Frau, und diese Emotion verstehen die Musiker - bei aller Präzision des Spiels - in den Zuhörern zu wecken.

Feine Virtuosität

Wolfgang Amadeus Mozart schrieb sein Klarinettenquintett A-Dur KV 581 für seinen Freund Anton Stadler, einen der besten Klarinettisten seiner Zeit. Die Klarinette, deren Klang Mozart sehr liebte, kann hier ihren enormen Tonumfang und ihre flotte Beweglichkeit in den Vordergrund stellen - allerdings auch mit erheblichen Ansprüchen an den Klarinettisten, denen sich der junge Gastsolist Thomas Sattel ohne Abstriche gewachsen zeigt.

Leise Töne zeigen Können

Die Streicher, hier natürlich nur zu viert, begleiten die Klarinette mit stets abgestimmtem Tempo und Lautstärke. Arvo Lang (Cello) kann mit seinem weichen Bogenstrich und makelloser Intonation überzeugen, und auch die Bratsche, gespielt von der Sulzbach-Rosenberger Lokalmatadorin Heidi Braun, hat im 3. Satz "Menuetto" einen großen Auftritt.

Johannes Brahms Geigenstimmen sind häufig schwer zu spielen, ganz besonders im Streichsextett B-Dur op. 18, einem Frühwerk aus dem Jahr 1860. Der erste Satz "Allegro ma non troppo" gibt Karoline Hoffmann an der 2. Bratsche eine schöne Melodiestimme und endet mit einem neckischen Zupfmotiv in allen sechs Stimmen. Die "Zweiten" stehen ja immer etwas im Schatten der "Ersten", die meistens die Melodiestimmen haben. Aber gerade bei Brahms wäre der Klang ohne die 2. Violine, gespielt von Julia Horneber mit angemessener Zurückhaltung, und das 2. Cello von Veronika Zucker unvollständig.

Vor allem beim "Scherzo", das schon schnell beginnt und dann zum Schluss noch einmal beschleunigt, scheinen die beiden Violinen, Bratschen und Celli wie ein Instrument mit sehr vollem Klang zu spielen. Das Stück endet mit einem fast klassischen Rondo, das zunächst eine große Dynamik entfacht, um im Pianissimo zu schließen. Und gerade beim leisen Spiel zeigt sich das Können des Ensembles.

Die Ovationen der Zuhörer überreden die Musiker zu einer Zugabe: das Menuett aus Carl Maria von Webers Klarinettenquintet B-Dur op. 34. Dieses "Capriccio", ein virtuoses Vergnügen für Musiker und Publikum, rundet den Abend perfekt ab.
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