Quadro Nuevo begeistert
Abtauchen in musikalische Parallelwelt

Eine musikalische Bescherung zelebrierten Andreas Hinterseher, Mulo Francel, D. D. Lowka und Evelyn Huber (von links) beim Quadro-Nuevo-Weihnachtskonzert im Seidel-Saal. Bild: Schäfer
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
27.12.2016
28
0

Als Quadro Nuevo ihre instrumentalen "Schafe" quer durch die Weltmusik Richtung Bethlehem trieben, reihte sich auch die zweibeinige "Herde" im ausverkauften historischen Seidel-Saal umstandslos und begeistert in die musikalische Karawane ein. Zumindest diese der Kulturwerkstatt Sulzbach-Rosenberg zu verdankende Bescherung erwies sich als Volltreffer.

Leichtfüßig unterwegs

Mit ihrem weltumspannenden, mittlerweile schon 22 CDs umfassenden Repertoire im Hintergrund pendelten Mulo Francel (Saxofone, Klarinetten), D. D. Lowka (Kontrabass, Percussion), Andreas Hinterseher (Akkordeon, Vibrandoneon, Bandoneon) und Evelyn Huber (Harfe, Salterio) leichtfüßig zwischen meditativen und ekstatischen Klangsphären.

Vor allem aber lud das in Sulzbach-Rosenberg immer wieder ausgesprochen gerne gehörte Quartett seine alten und neuen Fans dazu ein, mit dem Abtauchen in die "Parallelwelt Musik" einfach "alle Probleme vor der Tür zu lassen".

Man sage das nicht oft, so Mulo Francel, aber gerade vor Weihnachten häuften sich ja die Probleme - "auch bei uns". Befreit vom Alltag ging das Publikum also mit Maria durch den Dornwald, inhalierte italienische Lebenslust beim Quadro-Nuevo-Klassiker "Canzone della strada", beobachtete scheu eine spanische "Jungfrau, die ihr Haar kämmt" und pfiff beim so ausgiebigen wie wilden Abstecher ins orientalische "Antakya" auf kühle Zurückhaltung.

Launige Moderationen gehören ebenfalls zur unverzichtbaren Charme-Offensive der Musiker, und so lachte man über spontane Einlagen ebenso wie über die weitschweifigen Ausführungen zum "singenden Hirtenstab", dessen "Schaf-Signale" vermeintlich in allen paneuropäischen Wollträgerkreisen verstanden werden.

Perfekt improvisiert

Die Kurve Richtung Bethlehem kratzten die zweimal mit einem "Echo Jazz" dekorierten Virtuosen verstärkt im zweiten Teil des zweieinhalbstündigen Konzerts. Und nicht nur der als Luther-Bearbeitung bei uns bekannte Hymnus "Nun komm der Heiden Heiland" erstrahlte dabei im frischen Glanz perfekter Improvisationskunst. Auch das Weihnachts-Medley zum Mitraten brillierte weniger durch die angebliche Nähe zu Peter Alexander als durch eine trickreiche, durchgängige Linie - geknackt wurde es aber trotzdem.

Dass das Publikum im Seidel-Saal nicht nur passiv, sondern auch aktiv sehr musikalisch war, unterstrich im Übrigen das große Interesse am Notenmaterial, das den mit CDs, Hörbüchern üppig gedeckten "Gabentisch" bereicherte. Ein motivierendes Hörbeispiel aus dem "Tango for two"-Notenbuch lieferte Quadro Nuevo gleich frei Haus mit seiner Version des unsterblichen Piazzolla-Hits "Libertango".

Aber auch Hirsch Glicks "Still, die Nacht ist voller Sterne", das Klezmer-Stück aus dem eigenem Fundus, hatte beim Weihnachtskonzert wieder seinen festen Platz. Für das Publikum hätte es wohl so weitergehen können bis zur tatsächlichen Bescherung, Quadro Nuevo beließen es aber bei zwei Zugaben mit unverwechselbar weltläufigem Akzent: Erst das österreichische, mit allerlei Gags aufgehübschte "Es wird scho glei dumpa", dann das mit besinnlichen Überlegungen à la Mulo Francel bestückte, hauchzarte französische "Zwischen Ochs und grauem Esel".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.