26.02.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

qunst.quintettbegeistert in der Kammermusikreihe der Volkshoschule Schon in jungen Jahren Spitze

Wenn exzellente spielerische Fähigkeit mit künstlerischer Empfindsamkeit zusammen findet, kommt großartige Musik heraus. Und die zeigt am vierten Abend der 55. Kammermusikreihe ein jugendliches Gesicht.

Die Pianistin Ah Ruem Ahn begleitete (ab Zweiter von links) Alexander Koval (Flöte), Martin Fuchs (Klarinette), Julia Obergfell (Oboe), Raphael Manno (Horn) und Johannes Hund (Fagott) bei ihrem Auftritt in der Berufsschule. Bild: gac
von Autor GACProfil

Fünf Musiker, keiner älter als 23 Jahre, spielen seit ihrer Schulzeit gemeinsam im "qunst.quintett"; einem Bläserquintett, das man nach mehreren renommierten Preisen inzwischen zu den Spitzenensembles zählen darf. Kongenial ergänzt wurden sie durch die Pianistin Ah Ruem Ahn, die 2016 den Internationalen Edvard-Grieg-Piano-Wettbewerb gewonnen hat.

Das Programm in der Sulzbach-Rosenberger Berufsschule begann mit dem Quintett Es-Dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott op. 16 von Ludwig van Beethoven. Die ungewöhnliche Besetzung dieses Frühwerks hatte Beethoven von Wolfgang Amadeus Mozart übernommen, der kein Freund der Flöte war und sie bei seinem Quintett in Es-Dur KV 452 einfach wegließ.

Das Werk ist recht kurz und bei weitem nicht so wuchtig und melancholisch wie Beethovens spätere Stücke. Die Musiker boten perfektes Zusammenspiel, bei dem Ahns Piano gleichberechtigter, aber nie dominierender Partner war. Johannes Hund hatte im zweiten Satz "Andante Cantabile" ein wunderschönes Fagott-Solo, und Raphael Manno glänzte mit dem weichem, gediegenem Ton seines Horns.

Beim Sextett FP 100 von Francis Poulenc konnte dann auch Flötist Alexander Koval mit rasender Fingerfertigkeit und variabler Blastechnik überzeugen. Poulenc wandte sich nach dem Ersten Weltkrieg vom Impressionismus ab und wollte mehr Einfachheit und Klarheit in der Musik. Das Stück stellt in drei Sätzen einen Tag in der Großstadt Paris dar, mit ihrer Hektik und ihrem Lärm, aber auch mit den ruhigen Parks und Seitenstraßen, und schließlich auch mit ihren Nachtclubs, in denen bis zum frühen Morgen getanzt wurde. Im "Divertissement: Andantino" hatte Julia Obergfell ein blumiges Oboensolo, das von Dialogen verschiedener Instrumentengruppen eingerahmt war.

Lalo Schifrin ist vor allem als Filmkomponist bekannt. Sein Bläserquintett "La Nouvelle Orléans" beginnt mit expressionistischen Klängen. In schwierigen Rhythmen und großer Dynamik zeigte sich wieder das perfekte Zusammenspiel und die enorme Musikalität des Ensembles. Martin Fuchs reizte die Möglichkeiten seiner Klarinette in Bezug auf Tonumfang, Beweglichkeit und Klangvielfalt voll aus. Plötzlich schlich sich in die harten Rhythmen ein langsamer Blues ein, wie er in New Orleans auf dem Leichenzug gespielt wird. Und kaum war man darauf eingestimmt, wurde daraus ein flotter Jazz, der den Rückweg vom Friedhof zum Tanz werden lässt. Den Schlusspunkt setzte Obergfell mit prächtigen Blue Notes auf der Oboe, die die Zuhörer mit spontanen Bravo-Rufen quittierten.

Hans Huber ist ein in Deutschland weitgehend unbekannter spätromantischer Komponist aus der Schweiz. Sein Sextett für Bläser und Klavier malt die Schweizer Landschaft mit ihren Bergen und Dörfern. Das ausdrucksstarke Spiel der Musiker ließ Gewitterdonner und das Schwätzen der Dörfler am Brunnen richtig lebendig werden. Insbesondere in den Oktavparallelen von Horn und Fagott im 3. Satz "Adagio ma non troppo" bot das Ensemble perfekte Intonation, die auch bei Profimusikern durchaus nicht selbstverständlich ist.

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