Rpbert Forster über sein Buch "Grant & ich"
Wahre Freundschaft

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
03.11.2017
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Der Singer/Songwriter und Pop-Dandy Robert Forster lebte in den 80er Jahren längere Zeit in der Gegend von Regensburg. Bilder: Stephen Booth (2)
 

Als der Mitbegründer der australischen Rock-Formation The Go-Betweens, Grant McLennan, 2006 mit gerade mal 48 Jahren verschied, war das ein immenser Schock für seinen Intimus Robert Forster. Mit ihm hatte er die Kult-Gruppe ins Leben gerufen.

Diesen immerwährenden Verlust zu kompensieren war die entscheidende Motivation für Forster, die bewegende Geschichte der Freundschaft zwischen ihm und McLennan in der Biografie "Grant & ich" zu dokumentieren. Das Buch erzählt von den Anfängen als Kunststudenten im australischen Brisbane, der Gründung der gemeinsamen Indie-Gruppe, der Übersiedlung nach England und der Rückkehr in die Heimat. Es berichtet vom Touren, von ersten Erfolgen, gleichfalls von Niederschlägen, von der Auflösung der Band 1989, von der erneuten Gründung anno 2000.

Zwischendrin erzählt Forster von seiner Dekade in Regensburg, die er mit seiner von dort stammenden Ehefrau, der Musikerin Karin Bäumler, verbracht hat, in der die Familie mit zwei Kindern entstand. Im Mittelpunkt des Buchs steht allerdings permanent die Ausnahme-Freundschaft zwischen den beiden so unterschiedlichen Kreativ-Kompagnons. Eine Freundschaft, die stets schwierig war - wie alle intensiven Freundschaften. Robert Forster ist nach wie vor auf der Suche nach den richtigen, erklärenden Worten, wenn es um seinen Langzeit-Buddy geht. Von Distanz weiterhin kaum eine Spur.

Mit der Autobiografie haben Sie nicht nur Ihre eigene Lebensgeschichte notiert, sondern auch die Historie sowohl Ihrer Band "The Go-Betweens" als auch die Ihres Kreativ-Hauptmitstreiteres Grant McLennan, der 2006 mit nur 48 Jahren verstorben ist. Warum hat die Aufarbeitung all dieser Ereignisse so lange gedauert?

Robert Forster: Etwa zwei Jahre nach Grant's Tod fing ich mit dem Schreiben des Buches an. Vorher war mir das unmöglich, der emotionale Schmerz zu stark.

Grant war einer der engsten Menschen, die mir je begegnet sind. Ich will - auch im Buch - nicht verhehlen, dass der Bursche ein äußerst komplizierter Typ gewesen ist. Sein Innenleben war derart komplex, dass ich seinen Charakter nie ganz durchschauen konnte, obwohl wir über zwei Jahrzehnte lang miteinander kreativ gearbeitet und jede Menge privater Zeit miteinander verbracht haben.

Ich drang nie ganz zu ihm ins Innerste vor. Deshalb nenne ich Grant bis heute einen "Seelenverwandten", nicht einen "Freund". Denn Seelenverwandtschaft geht tiefer als Freundschaft. Gleichzeitig ist sie unergründlicher.

Warum war Ihre Gruppe "The Go-Betweens" kommerziell nie so erfolgreich, wie sie eigentlich hätte sein sollen - immerhin wurde diese Band von den Medien weltweit stets mit Lob nur so überschüttet?

Speziell in den 80ern, also unserer Glanzzeit, hat es jeder Formation geholfen, wenn man bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag war. Das sind wir aber nie gewesen, wir standen immer mal wieder kurz davor. Wobei ich so selbstbewusst bin zu behaupten, dass unsere Songs nicht weniger gehaltvoll sind als die von R.E.M. oder The Smiths, in jener Ära unsere größten Konkurrenten. Aber die hatten eine Megalabel-Maschine hinter sich, die kontinuierlich angeschmissen wurde. Und obwohl diese Bands ähnlich sperrigen Sound wie wir fabrizierten, tauchten ihre Lieder geballt in Radio und MTV auf. Wir hingegen schafften das selten. Aber ich bin mittlerweile 60 und aus Altersmilde nachsichtig, was meine künstlerische Vergangenheit betrifft.

Waren Grant und Sie so was wie das "perfekte Singer/Songwriter-Team", ähnlich wie Lennon/McCartney eine Zeit lang bei den Beatles?

Wir waren - beinahe - die ganzen Jahre unserer Kooperation in der Tat so etwas wie das perfekte Duo. Einfach deshalb, weil wir so unterschiedliche Herangehensweisen ans Komponieren hatten. So unterschiedliche Stimmen. Grant war der Romancier, ich der Rock-Dandy. Genau dadurch haben wir uns herrlich ergänzt.

Mit einer solchen Erkenntnis und ganz allgemein den Erinnerungen an Ihren Freund - war es nicht äußerst schwierig, speziell die letzten Seiten von "Grant & ich" zu schreiben, die dem Tod von McLennan gewidmet sind?

Das Finale zu verfassen war in der Tat der reinste Horror! Ich hangelte mich mühsam an den Fakten entlang, damit ich nicht vollkommen im See der Tristesse ersaufe. Aber Grant hat mir immer wieder imaginär in den Hintern getreten und mich angestachelt: "Schreib die Story unserer ungewöhnlichen Freundschaft auf. Irgendjemanden wird sie berühren." Also habe ich das einfach mal getan.

Sie haben rund zehn Jahre in und um Regensburg gewohnt. Welchen Zugang haben Sie, der Sie mit Ihrer Familie wieder in Brisbane leben, heute noch zu Ihrem einstigen Domizil?

Deutschland ist nach wie vor wichtig und inspirierend für mich, vor allem der Regensburger Raum - alleine schon deshalb, weil meine Frau von hier stammt und unsere beiden gemeinsamen Kinder dort geboren wurden. Wir sind jedes Jahr für einige Wochen hier, besuchen Freunde und Familie. Vor allem Regensburg ist wie ein kleines Königreich in meinen Augen, ein extrem spezieller, magischer Ort.

Im November sind Sie auf Lese-Tour mit dem deutschen Musikjournalisten Maik Brüggemeyer. Was ist davon zu erwarten?

Ich werde meine Gitarre dabei haben, ansonsten aus "Grant & ich" auf Englisch rezitieren, Maik das Ganze ins Deutsche übersetzen. Immer wieder werden wir miteinander diskutieren. Zwischendrin spiele und singe ich einige "The Go-Between"-Songs akustisch. Und natürlich stelle ich mich sämtlichen Fragen der Zuhörer. Egal welcher Art die sein werden. Dass ich für Grant die eine oder andere stille Träne vergießen werde, versteht sich von selbst.

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Weitere Informationen:

www.robertforster.net www.go-betweens.net

BuchtippRobert Forster gehört für viele Musikfans in eine Liga mit Nick Cave, Morrissey oder Lou Reed. Ein wortgewaltiger, dandyartiger Songwriter, der seit den später Siebzigern zum Besten gehört, was die literarisch geprägte Popmusik zu bieten hat. Mit dem Songwritingpartner Grant McLennan hatte er einen kongenialen Gefährten, der die gemeinsame Band The Go-Betweens zu einer nicht immer unkomplizierten aber stets faszinierenden Einheit macht. In diesen unkonventionellen Memoiren "Grant und Ich" (366 Seiten, 22 Euro, Heyne-Verlag) erzählt Robert Forster die nahezu 30 Jahre währende Geschichte der Band und seine besondere Freundschaft zu McLennan, der 2006 mit nur 48 Jahren für alle überraschend an einem Herzinfarkt starb.


TermineRobert Forster kommt auf seiner Konzert-Lese-Reise auch zwei Mal in die Oberpfalz:

Donnerstag, 9. November: Buchhandlung Dombrowsky. Die Lesung ist bereits ausverkauft!

Dienstag, 28. November (19.30 Uhr): "Capitol" (Bayreuther Straße 4) in Sulzbach-Rosenberg. Begleitet wird er vom Musikjournalisten Karl Fluch.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0, www.nt-ticket.de und Abendkasse.
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