12.04.2018 - 17:20 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sabine Vöhringer mit Die Montez-Juwelen beim kulinarischen Krimiabend in der Kulturscheune ...: Die erste Yellow-Press-Glamour-Queen

Lola Montez beflügelt bis heute die Fantasie der Menschen. Auch Schriftstellerin Sabine Vöhringer hat sich von der spannenden Geschichte der unsterblichen Femme fatale inspirieren lassen und den historischen Stoff mit einem ausgeklügelten Krimi-Plot der Gegenwart verknüpft.

Alles im Blick hat die bayerische Krimi-Autorin Sabine Vöhringer. Ausschlaggebend für ihre München-Krimi-Reihe rund um Hauptkommissar Tom Perlinger und das Hackerhaus-Team waren die früh geweckte Leidenschaft für spannende Kriminalromane sowie das Interesse für die bayerischen Geschichte und das Faible für die Münchner Lebensart. Bild: Sabine Kleine
von Anke SchäferProfil

Freihung/München. Für die Burgfestspiele Vilseck, die ganz im Zeichen von Lola Montez stehen, kam der 2017 erschienene Krimi wie gerufen. Als Appetithappen bereichert er jetzt das Rahmenprogramm des im Juni beginnenden Freiluft-Theater-Spektakels. Am Donnerstag, 19. April (20 Uhr), stellt Sabine Vöhringer "Die Montez-Juwelen" in der Kulturscheune Elbart bei Freihung (Kreis Amberg-Sulzbach) vor. Die Autorin lässt die Kulturredaktion schon vorab ein wenig hinter die Krimi-Kulissen blicken und verrät auch, wie Buch und Festspiele zueinander fanden.

Frau Vöhringer, was hat Sie auf die Spur von Lola Montez gebracht?

Sabine Vöhringer: Als ich vor 25 Jahren nach München kam, führte mich die erste Radl-Tour mit Freunden an der Isar entlang Richtung Gutshof Menterschwaige. Dort gibt es das Lola-Montez-Haus, in dem Lola Montez angeblich die erste Nacht auf der Flucht gemeinsam mit Elias Peißner verbracht hat, wobei das inzwischen sehr umstritten ist. Mich hat das damals auf Lola Montez aufmerksam gemacht, und ich war von Anfang an, wie so viele, fasziniert von dieser Frau, die es geschafft hat, damals München mehr oder weniger auf den Kopf zu stellen und dadurch richtig für Furore zu sorgen.

Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass der Name dieser sagenumwobenen, ungewöhnlichen Frau auch ein gutes Jahrhundert nach ihrem Tod immer noch einen so faszinierenden Klang hat?

Zum einen hat sie den Namen sehr gut ausgewählt - "Lola Montez" klang nicht nur in der damaligen Zeit exotisch, es klingt auch heute noch sehr gut. Es gibt aber sicher mehrere Gründe, warum sie im Gegensatz zu den anderen Mätressen Ludwig I. in die Geschichtsbücher einging: Sie war mit Sicherheit eine ganz ungewöhnliche und für die damalige Zeit schon sehr selbstbestimmte Frau, unglaublich mutig und ich würde sagen, direkt vielleicht schon ein bisschen emanzipiert. Zumindest insofern, als sie ihr Leben selbst in die Hand genommen hat und es zu gewissen Ruhm brachte - wenn auch in einem Metier, das ein bisschen umstritten ist.

Sie war wahrscheinlich so etwas wie die erste Yellow-Press-Glamour-Queen, zumal damals auch die Medien und die Zeitschriften aufkamen und sie damit für eine Zeit in aller Munde war. Es war natürlich auch eine gewisse Leistung, Ludwig I. so von einem Moment auf den anderen für sich zu gewinnen und die Karriere zu machen, die sie gemacht hat.

Gleichzeitig hat sie der damaligen Politik auch irgendwie in die Hände gespielt. Sie war den Ministern mit ihrer unkonventionellen und wenig zurückhaltenden Auftrittsweise ein willkommener Anlass, Ludwigs Abdankung zu initiieren. Damit ging sie mehr oder weniger als der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, in die Geschichte ein. Ich glaube, das sind die Gründe, die dazu führten, dass sie immer noch diese Faszination ausstrahlt.

Was kam beim Schreiben der "Montez-Juwelen" zuerst: Die Verwicklungen um die Edelstein-Schmucksets oder der Hackerhaus-Rahmen mit Kommissar Tom Perlinger?

Das hat sich so ein bisschen gegenseitig ergeben: Auf der einen Seite wollte ich von Anfang an eine Krimi-Reihe ins Leben rufen, von daher sind natürlich die Hauptprotagonisten ein wichtiger Punkt und München steht für mich immer noch für Tradition, für Verwurzelung und was lag da näher, als meinen Hauptkommissar in einem alteingesessenen Münchner Wirtshaus im Herzen der Stadt einzuquartieren. Und auf der anderen Seite eben die Fälle, die immer einen gewissen Bezug zur bayerischen Geschichte haben.

Ihre kulinarische Lesung in der Kulturscheune Elbart bereichert das Rahmenprogramm der Burgfestspiele Vilseck - wie kam dieser Kontakt zustande?

Über Stefan Voit, Kulturredakteur bei den Oberpfalz-Medien, der über eine Pressemeldung des Verlags auf meinen Krimi aufmerksam wurde. Gleichzeitig habe ich mich mit ihm in Verbindung gesetzt - gewissermaßen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und so kam ein Steinchen nach dem anderen ins Rollen.

Waren Ihnen zuvor schon der Name des jungen Montez-Geliebten und Vilsecker Türmersohns Elias Peißner und die Rolle Vilsecks bei der Flucht von Lola Montez ein Begriff?

Ich hatte schon von Elias Peißner gehört und davon, dass Lola Montez neben Ludwig I. auch noch einen weiteren Geliebten hatte, was ja auch eine extrem spannende Geschichte ist, die ich im Übrigen in meine "Montez-Juwelen" eingebaut habe. Auch da gibt es eine zeitgemäße Lola Montez, die einen Geliebten hat und mehrgleisig fährt. Ich wusste allerdings noch nicht, das muss ich zugeben, dass Elias Peißner in Vilseck Zuhause und dort der Türmersohn war. Ich habe das aber doch zeitnah durch ein sehr schönes Interview erfahren.

Werden Sie auch eine Aufführung von "Lola Montez-Die falsche Spanierin" besuchen und im Türmermuseum einen Blick auf das kostbare Lola-Montez-Kleid werfen?

Ich werde auf jeden Fall versuchen, die Aufführung zu besuchen - das ist ja ein absolutes "Must have" und ich werde natürlich auch einen Blick auf das kostbare Kleid werfen, auf das ich schon riesig gespannt bin.

Ihr zweiter Tom-Perlinger-Krimi "Das Ludwig-Thoma-Komplott" erscheint im Herbst. Könnten Sie sich danach auch mal etwas ganz anderes vorstellen oder sind und bleiben München-Krimis mit historischem Bezug Ihre Leidenschaft?

Ich werde meiner Reihe auf jeden Fall noch viele Ausgaben lang treu bleiben. Sie fängt an, ein selbstständiges Leben zu entwickeln. In meinem Kopf entstehen auch gerade schon die nächsten zwei Folgen. Ich finde es spannend, ausgehend von einem Plot immer wieder neue Geschichten und Rätsel zu entspannen. Und es gibt ja genügend Schriftstellerinnen wie Nele Neuhaus, Donna Leon oder Claudia Rossbacher, die sich auch vom Reihen-Genre gefesselt fühlen. Von daher werden die München-Krimis mit historischem Bezug auf jeden Fall meine Leidenschaft bleiben.

Der Krimi "Die Montez-Juwelen" ist im Gmeiner-Verlag als Buch, E-Book und Hörbuch erschienen.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290, sowie www.nt-ticket.de

Kulinarisches

Zu den Lola-Montez-Festspielen in Vilseck (Premiere am Freitag, 29. Juni, in der Burg Dagestein) gibt es auch besondere Schmankerln. Zur Krimi-Lesung präsentiert Günter Preuß von der Kulturscheune einen der Lola Montez gewidmeten Kirsch-Edelbrand und Kirschlikör. Außerdem werden Lola-Montez-Pralinen von der Confiserie Rosner aus Waldsassen vorgestellt.

 

 

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