23.04.2018 - 16:20 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Satirische Lesung im Seidel-Saal Rotzfrech und in Zivil

Kein fehlender Zahn, kein rußverschmiertes Gesicht und kein zerbeulter Feuerwehrhelm. Auf der Bühne des Seidel-Saals ist Norbert Neugirg nicht der Chef der Altneihauser Feierwehrkapell'n. Seine Texte aber sind wie gewohnt hintersinnig bis hinterfotzig. Dass er auch anders kann, zeigt sich erst zum Schluss.

"Wer Arbeit nicht so gern verrichtet, der setzt sich lieber hin und dichtet", gestand Norbert Neugirg im Seidel-Saal. Bilder: hka (2)
von Helga KammProfil

"So schau ich gewaschen aus", stellt er sich dem Publikum vor, das den Kabarettisten, Schauspieler, Musiker und Autor Norbert Neugirg (58) vor allem von der "Fastnacht aus Franken" kennt. Der Oberpfälzer, der in der BR-Fernsehsendung immer scharf gegen die Franken schießt, hat sich Musiker von dort mitgebracht, das Trio Hullerngroove.

Sigrid Lukas (Akkordeon, Fagott und Gesang), Rainer Brunn (Gitarre und Gesang) und Norbert Gubo (Kontrabass und Gesang) umrahmen seit einigen Jahren Neugirgs satirische Lesungen mit Weltmusik, die internationale Rhythmen mit fränkischen Klängen vereint. Die drei nehmen es nicht krumm, dass Neugirg warnt: "Ihre Musik ist nicht die beste und wäre den Besuch nicht wert", das Publikum allerdings muckt auf, als der Seidel-Saal als "Sterbebilder-Druckruine mit sperrmüllreifer Druckmaschine" beschrieben wird. Aber genau diese rotzfrechen Texte sind es, die den Neugirg ausmachen, die auch in seinen bisher vier veröffentlichen Büchern enthalten sind - neben skurrilen Geschichten und Erinnerungen an seine Jugendjahre.

Er feuert mit Versen und Sprüchen auf alles, was ihm über den Weg läuft, hat sich auch über Lokales kundig gemacht. So über die Stadtrat-Sitzungen in Sulzbach, in denen es immer "viel zu lachen gibt", den Bürgermeister, "dessen Gesichtsausdruck verkündet, dass er sich in der SPD befindet" und das "Beilagen-Transportblatt" Sulzbach-Rosenberger Zeitung. Auch sich selber verschont er nicht. Ohne Brigitte Macron zu nennen, spielt auf seine umstrittenen TV-Verse über die französische Präsidentengattin an: "Ich sollte eigentlich auf großer Frankreich-Tournee sein, die wurde aber aus mir unersichtlichen Gründen abgesagt". Beim Namen dagegen nennt er Donald Trump mit seinem "Implantat aus Kamelschamhaar" und folgert: "Vom Kamel stammt auch der Rest".

Über die Zeugung lässt sich Neugirg aus: "Des Mannes Hirn ist daran nicht beteiligt", über die Geburt: "Der erste Blick des Kindes auf die Welt ist zum Schreien", über die Gebrauchsanweisungen für Zahnstocher, Schuhlöffel oder Kinder-Nachttöpfe. Seine Erfahrungen mit Oberpfälzer Landgasthöfen und vor allem deren Wirtinnen lassen Schlimmes befürchten für den einheimischen Tourismus.

Dass "Vinzenz Gregor Festlmeier" bei den diversen Sommerfesten an keinem brennenden Grill vorbeikommt und die Vereine "Imbissjuwelen" anbieten wie mundgeblasene Windbeutel des Pfeifenclubs, all das hat Neugirg beobachtet, kurz, treffend und voller Spott formuliert. Auch Bergsteiger, Sportler und Jäger bekommen ihr Fett weg: "Kehrt Ruhe ein im Unterleib, wird Golf des Mannes Zeitvertreib", spottet er und über einen Jäger: "Wenn der trifft, trifft er genau, sei es Treiber oder Sau". Zum Höhepunkt werden seine Stoiber-Parodie zu den Klängen des Bayerischen Defiliermarsches und am Ende des Abends als Zugabe sein Spiel vom Brandner Kasper und dem Boandlkramer.

Zu all den Texten liefern "Hullerngroove" die passende Musik. Ihr Name leitet sich ab von einem Hohlweg in einem kleinen fränkischen Dorf. Mit ihren Instrumenten und ihrem Gesang umrahmen sie Norbert Neugirgs Geschichten und Gedichte mit wunderschöner Weltmusik mit Einflüssen von alter und neuer Volxmusik. Ganz zum Schluss erzeugen der Allrounder Neugirg und das Musiker-Trio Gänsehaut-Feeling. Mit "Boandlkramer es is Zeit, nimm mich mit in d'Ewigkeit", endet still und nachdenklich ein ganz besonderer Abend im Seidel-Saal.

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