05.02.2018 - 15:16 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Schriftsteller Gerhard Köpf stellte nicht nur seinen neuen Roman Das Dorf der 13 Dörfer im ... Unter dem Literatur-Radar

Gerhard Köpf ist ein Phänomen: Trotz stattlicher Sammlung hoher bis höchster literarischer Ehren avancierte der Schriftsteller dennoch nie zum Stammgast im Feuilleton oder Medien-Liebling. An der Qualität seiner Erzählkunst liegt das nicht, wie das Publikum seiner Lesung im Literaturhaus Oberpfalz bestätigen kann.

Schriftsteller Gerhard Köpf präsentiert sich im Literaturhaus Oberpfalz als kenntnisreicher Erzähler par excellence. Bild: Schäfer
von Anke SchäferProfil

Gastgeber und Buchhändler Ralf Volkert will diese ungewöhnliche Tatsache nicht auf sich beruhen lassen und hakt nach. Zum einen lege er nicht viel Wert darauf, den eigenen Namen in der Zeitung zu lesen, bekennt Gerhard Köpf. Zum anderen - und vermutlich wesentlicheren - wollte er nie abhängig sein von der wankelmütigen Gunst von Redakteuren und Verlagen. Zudem habe der Literaturbetrieb nicht so schnell verziehen, dass er häufiger mal seinen Verlag wechselte. Umso wichtiger ist ihm immer sein "bürgerliches Standbein" als Professor für Literatur. Im Ergebnis fühle er sich wie ein "Zwitter im Korsett": "Ein Korsett stützt, engt ein, betont aber die Figur - ich bin ganz zufrieden damit".

Erzähler mit Leidenschaft

Dass Gerhard Köpf ein leidenschaftlicher Erzähler ist, tritt bereits in diesen ersten Minuten deutlich zutage. Zur Untermauerung seiner Haltung zitiert er Anton Tschechow und Somerset Maugham und schwenkt dann zu Ilse Schneider-Lengyel über. In deren Haus am Bannwaldsee im Allgäu gründete sich einst die berühmte "Gruppe 47", ihr verdankt der junge Gerhard Köpf seine Liebe zur Literatur. Die attraktive, ungewöhnliche Künstlerin mit Wolfshund und Motorrad hat aber noch weitere Weichen im Köpf'schen Leben gestellt: Nachdem er ihre Spur vorübergehend verloren hatte, spürte er Ilse Schneider-Lengyel im psychiatrischen Landeskrankenhaus auf der Insel Reichenau auf und entdeckte dabei seine zweite Leidenschaft - zur Medizin und Psychiatrie.

Ein Kapitel im Projekt "Die Strecke" sollte diesem Lebensmenschen ein literarisches Denkmal setzen. Günter Grass grätschte jedoch dazwischen und empfahl, daraus eine eigene Geschichte zu machen: Der erste Roman "Innerfern", den Gerhard Köpf seinerzeit auch im Literaturhaus Oberpfalz vorstellte, war aus der Taufe gehoben.

Jetzt also der zweite Besuch, diesmal mit dem "Dorf der 13 Dörfer". Der Roman versammelt viele Erzählungen im Rahmen eines Allgäuer Dorfes und so liegt Volkerts Frage nach dem Eigenanteil an Erinnerungen des gebürtigen Pfronteners nahe. Es gebe da drei Quellflüsse, antwortet Köpf, die eigene Erinnerung, die Lebenserfahrung und die Imagination. Zudem habe jeder Erzähler seinen eigenen Raum, bei ihm sei es eben das "Blaue Land" oder "Innerfern".

Tragische Geschichte

Bei seinen Leseproben beschränkt sich Köpf auf Einzelfiguren. Damit die tragische Geschichte des rothaarigen Außenseiters und Bücherwurms Siggi nicht zu sehr an die Nieren geht, bringt er anschließend die schöne Buchhändlerstochter Marianne ins Spiel und zündet zu guter Letzt ein Ein-Satz-Feuerwerk, in dem er über fünf Seiten die Geschichte des deutschen Nachkriegsfilms humorvoll komprimiert.

Das Stichwort "Hardy Krüger" führt ihn schließlich weiter zur NS-Kaderschmiede in Sonthofen und der Ritterkreuzdichte im Allgäu - aber das ist wieder eine andere Geschichte, genau wie Köpfs Karriere als Schauspieler an den Münchner Kammerspielen und im Film "Snowden".

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