01.01.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Silvesterkonzert in der Christuskirche mit Knalleffekten Der, die, das Triangel: Alles ist erlaubt

"Musik für Percussion, Kontrabass, Orgel und Triangel" - so nüchtern war der Titel des großen Silvesterkonzerts in der Christuskirche. Sechs Künstler zündeten dann ein musikalisches Feuerwerk, das in allen Farben funkelte, und ließen mit ihren Instrumenten die Sektkorken knallen.

Mit verschiedenen Anschlagtechniken zeigte Philipp Senft das gesamte Klangspektrum, das sich im Triangel verbirgt.
von Autor COGProfil

Natürlich Bach: Ohne den Großmeister kann es kein Konzert mit Orgel geben. Aber Kirchenmusikdirektor Gerd Hennecke nahm dem Thomaskantor seine etwas angestaubte Perücke vom Kopf, schüttelte Puder und Staub aus und legte zusammen mit dem Schlagzeuger Philipp Senft los. Da war die "Toccata d-Moll" ein rasantes "Toccatissimo". Genauso funktionierte es mit der Fuge in a-Moll, der "Kaffeewasser-Fuge". Die entpuppte sich als leichtfüßiges Swing-Stück, dass die nötige Dosis Koffein für eine lange Nacht beisteuerte.

Voller Energie waren Trommelstücke wie Eckard Kopetzkis "Crystal Beats" und das "Trommel-Quartett" von Siegfried Kolbe, das Senft zusammen mit Johannes Mühldorfer und Moritz Luzner darbot. Senft und Luzner erwiesen sich auch als wahre Artisten auf dem Marimbaphon. Senft ließ mit seinen beiden Händen vier Schlegel über die Stäbe tanzen, Luzner bei Keiko Abes "Prism" zwar nur zwei, dafür aber mit einem atemberaubenden Tempo. Phantastisch!

Hennecke und Mühldorfer präsentierten Ottmar Gersters "Capricetto" für vier Pauken und Orgel wie ein Duell. Der Organist schickte dem Paukisten seine ersten Töne wie eine Forderung zum Zweikampf, und Mühldorfer nahm die Provokation an. Die beiden schienen zum Duellplatz zu marschieren und sich dort zu messen. Die Orgel brüstete sich mit ihren Klangfarben und dem Tonumfang, die Pauken führten ihre Dynamik und Ausdruckskraft ins Feld. Nach der ersten Runde des Kampfs war ein Sieger noch nicht erkennbar. Die Kontrahenten schöpften kurz Atem, dann trumpften die Pauken solistisch auf, aber die Orgel hielt tapfer dagegen. Nach einer wilden dramatischen Steigerung nahmen Hennecke und Mühldorfer für ein furioses Finale noch einmal alle Kräfte zusammen, dann endete das Duell mit einem klaren Unentschieden und einer fröhlichen Versöhnung.

Eine Welturaufführung war die Bearbeitung von Edvard Griegs "Holberg-Suite" für Orgel und Kontrabass, im ersten Satz zusätzlich mit Schlagzeugbegleitung. Sehr schön übersetzten die Musiker die Orchesterfassung in die Sprache von Orgel und Bass. Im schönen Zusammenklang wurden Nachdenklichkeit, tänzerische Ausgelassenheit und auch das Frühlingssehnen in lyrischen Passagen fühlbar.

Wohl das am meisten unterschätzte Instrument der Musikgeschichte ist dreieckig, aus Metall und heißt Triangel. Die Schwierigkeiten fangen schon vor dem Instrument selbst an. Man darf nämlich "der" oder auch "die" Triangel sagen, in Österreich sogar "das". Damit dieses wunderbare Instrument endlich einmal die angemessene Würdigung erhält, hat Georg Kreisler ihm eine "Ode" gewidmet. Senft spielte den (die? das?) Triangel mit großem Ernst und voller Konzentration, so dass die Präzision seines Spiels beeindruckte. Mit verschiedenen Anschlagtechniken ließ er das gesamte Klangspektrum seines Instruments erlebbar werden. Jonas Hennecke sang mit viel Gefühl den feierlichen Text der Ode, und Gerd Hennecke begleitete die beiden Virtuosen an der Orgel. Es war ein Riesenspaß.

Mit dem "Radetzky-Marsch" von Johann Strauss, spritzig dargeboten von Orgel, üppigem Schlagwerk und Kontrabass, endete das prächtige Konzert. Die Zuhörer in der sehr gut besuchten Christuskirche applaudierten stürmisch, aber die Musiker ließen sich nicht zu einer Zugabe bewegen: Luftschlangen und Fondue warteten schon auf sie.

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