Silvesterkonzert in der Christuskirche mit Werken aus Barock und Empfindsamkeit
Oboe und Flöte necken Geige

Das Nürnberger Barockensemble La civetta gioiosa mit Adam Lord (Barockvioline), Inge Marg (Barockoboe) und Elke Theil (Blockflöte (von links) begleitete zusammen mit Dekanatskantor Gerd Hennecke (rechts) die Musikliebhaber in der Christuskirche ein Stück auf dem Weg ins neue Jahr. Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
03.01.2017
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In der Silvesternacht begegnen sich das alte und das neue Jahr. Zwei Epochen, ja sogar Welten trafen an diesem Abend in der Christuskirche aufeinander - hier aber musikalisch. Vier Künstler brannten ein wahres Feuerwerk an festlichen Klängen ab.

"Mit Blockflöte, Barockoboe, Barockvioline und 2701 Pfeifen ins neue Jahr" - so war das Silvesterkonzert überschrieben. Dekanatskantor Gerd Hennecke hatte dazu das Nürnberger Barockensemble La Civetta gioiosa verpflichtet, mit dem zusammen er elegante Kompositionen aus Barock und Empfindsamkeit spielte.

Historische Vorbilder

Im Altarraum standen Violinist Adam Lord, Oboistin Inge Marg und Blockflötistin Elke Theil. Sie spielten in historischer Spielweise auf Instrumenten, wie sie schon vor 300 Jahren in Gebrauch waren. Der Klang war filigran und von harmonischer Weichheit. Die Generalbass-Begleitung für La Civetta gioiosa spielte Hennecke auf dem Orgelpositiv. Er gab das tragende Fundament für die solistischen Capricen der Nürnberger.

Schon bei Johann Friedrich Faschs "Sonate B-Dur" wurden die typisch barocken Affekte, der Wechsel zwischen den Stimmungslagen, hörbar. Während die Musiker die langsamen Sätze mit großer Intensität und Spannung darboten, war das "Allegro" wie ein heiterer Sonnenstrahl in der dunklen Dezembernacht. Munter und spritzig funkelten Licht und Freude.

Hoch virtuos war Johann Gottlieb Janitschs "Quadro". Die Oboe überzeugte mit einem sehr schönen Ton, sie war klar und warm. Inge Marg spielte scheinbar ohne Anstrengung. Elke Theils Blockflöte war quicklebendig und dabei sehr zierlich und elegant. Die beiden Bläserinnen neckten Adam Lords ausdrucksstarke Geige in galanten Figuren.

Bei Georg Philipp Telemanns "Quartetto" verzauberte La Civetta gioiosa vor allem im zweiten Satz mit sehr schönen Solopassagen die Zuhörer. Eine reine Freude war das "Allegro", das vor Lebenslust schier übersprudelte.

Der barocken Kammermusik setzte Hennecke an der großen Schmidt-Weigle-Orgel spätromantische Werke von Alexandre Guilmant entgegen. Von der Empore fluteten die Orgelklänge durch das gut besetzte Kirchenschiff und wirkten auf die Zuhörer, die unten saßen, als kämen sie vom Himmel. Faszinierend war die sinnliche Klangfülle des Instruments.

Himmel öffnet sich für alle

Silvester liegt in der Weihnachtszeit. Darauf wiesen nicht nur die leuchtenden Kerzen an den beiden großen Christbäumen hin. Auch die Werke von Alexandre Guilmant, die Hennecke jetzt spielte, bezogen sich auf die Geburt Jesu. Die "Marche sur un thème de Georg Friedrich Händel" zitierte "Joy to the World". Mit einer subtilen, sehr vielfältigen Registrierung arbeitete der Organist heraus, wie die Weihnachtsbotschaft eine unruhige, zerrissene Welt eint.

Auch das "Offertoire 'O filii'" mit Anklängen an "O Heiland, reiß die Himmel auf" fasste die Kraft der guten Nachricht in Töne. Hennecke malte in glühenden Farben und mit raffiniertem Einsatz der Windharfe den Himmel, der sich jetzt für alle Menschen geöffnet hat.

Das Publikum applaudierte kräftig und forderte vehement eine Zugabe. Mit Arcangelo Corellis glückvoller "Pastorale" als Zugabe wünschten die Musiker den Besuchern alles Gute für das neue Jahr.
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