Sommernachtstraum in einer barocken Opernfassung auf historischen Instrumenten
So klingt die Violone

Der Erzähler Martin Ellrodt entführte das Publikum in den Zauberwald.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
05.07.2017
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Was ist wirklich in jenem Zauberwald vor den Toren Athens passiert? Gab es all die komplizierten Verwicklungen mit drei liebenden Paaren, Elfen, Zauberblumen und Feengärten tatsächlich, oder war alles nur ein Traum?

Die Neue Nürnberger Ratsmusik, die Sänger Corinna Schreiter und Martin Popp sowie der Erzähler Martin Ellrodt brachten William Shakespeares Komödie "Ein Sommernachtstraum" in der barocken Opernfassung von Henry Purcell auf die Bühne.

Hatte man im Jahr 1692 mit einem großen Orchester, zahllosen Mitwirkenden und vor allem spektakulärer Bühnentechnik die Zuschauer gefesselt, gelang den modernen Akteuren dieses Kunststück mit hohem Können, Charme und spürbarer Freude am Stück und der Musik. Das kleine Orchester war mit vier Streichern, Cembalo, Oboe und Flöten gut besetzt. Die Musiker spielten auf historischen Instrumenten, zum Beispiel auf der für heutige Ohren ungewohnt klingenden Violone.

Faszinierend war die Vielfalt an Flöten, die zum Einsatz kamen. Da gab es Blockflöten in unterschiedlichen Größen, aber auch Traversflöten. So wurde hörbar, wie man vor 300 Jahren musizierte. Sehr schön war die räumliche Wirkung, als Oboistin und Flötist sich als Echo hinter die Zuhörer stellten.

Hier begleiteten sie die Sopranistin Corinna Schreiter. Die Sängerin begeisterte mit mühelosen, federleichten Höhen, aber auch in den tieferen Lagen war ihre wunderbare Stimme kräftig und elegant. Sanft und gefühlvoll sang Schreiter "See, even the Night herself is here"; eine lyrische Arie von besonderer Schönheit.

Der Bass Martin Popp blieb anfangs neben Schreiter etwas blass, erfreute dann aber mit dunkler, sinnlicher Tiefe und prächtiger Beweglichkeit. So war die opulente Musik ein echter Genuss.

Einfach großartig war der Erzähler Martin Ellrodt. Er ließ die verworrene Handlung lebendig werden, erzählte aber nicht nur die Geschichte des Sommernachtstraums, sondern auch, wie vor 325 Jahren Musiktheater gemacht wurde.

Seine Sternstunde war das Stück im Stück, das Theater der Handwerker. Ellrodt spielte alle Rollen und kommentierte sie, machte Pantomime und war überall gleichzeitig. Die Zuhörer hingen an seinen Lippen und folgten ihm mit großem Vergnügen durch alle verwinkelten Verästelungen der komplizierten Handlung.

War nun dieses Märchen voller Irrungen und Wirrungen Wirklichkeit oder doch nur ein Traum? Niemand weiß es, und es ist auch nicht wichtig. Entscheidend ist nur eins: Es war ein zauberhaftes Opernerlebnis.
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