Spitzenensemble "qunst.quintett" begeistert bei Kammermusikreihe
Perfektes Zusammenspiel und enorme Musikalität

Ah Ruem Ahn, Alexander Koval , Martin Fuchs , Julia Obergfell (Oboe), Raphael Manno ) und Johannes Hund (von links) begeistern beim Kammerkonzert in Sulzbach-Rosenberg das Publikum. Bild: Groth
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
22.02.2018
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(gac) Wenn spielerische Fähigkeit sich mit künstlerischer Empfindsamkeit kombiniert, kommt großartige Musik heraus. Die ist beim 4. Konzert der 55. Kammermusikreihe der Volkshochschule in der Berufsschule zu hören. Fünf junge Musiker - keiner älter als 23 - spielen seit ihrer Schulzeit gemeinsam im "qunst.quintett", einem Bläserquintett, das man nach renommierten Preisen zu den Spitzenensembles zählen darf. Kongenial ergänzt wird es durch die Pianistin Ah Ruem Ahn, Gewinnerin des Internationalen Edvard-Grieg-Piano-Wettbewerbs.

Das Programm beginnt mit dem Quintett Es-Dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott op. 16 von Ludwig van Beethoven. Die ungewöhnliche Besetzung dieses Frühwerks hatte Beethoven von Wolfgang Amadeus Mozart übernommen, der kein Freund der Flöte war und sie bei seinem Quintett in Es-Dur KV 452 einfach wegließ. Das Werk ist recht kurz und bei weitem nicht so wuchtig und melancholisch wie Beethovens spätere Stücke. Die Musiker bieten perfektes Zusammenspiel, bei dem Ahns Piano gleichberechtigter, aber nie dominierender Partner ist. Johannes Hund hat im zweiten Satz "Andante Cantabile" ein wunderschönes Fagott-Solo, Raphael Manno glänzt mit dem weichem Ton seines Horns.

Beim Sextett FP 100 von Francis Poulenc kann dann auch Flötist Alexander Koval mit rasender Fingerfertigkeit und variabler Blastechnik überzeugen. Poulenc wandte sich nach dem Ersten Weltkrieg vom Impressionismus ab und wollte mehr Einfachheit und Klarheit in der Musik. Das Stück stellt in drei Sätzen einen Tag in Paris dar, mit Hektik und Lärm, aber auch mit ruhigen Parks und Seitenstraßen - und schließlich auch mit den Nachtclubs. Im "Divertissement: Andantino" hat Julia Obergfell ein blumiges Oboensolo, das von Dialogen verschiedener Instrumentengruppen eingerahmt ist.

Lalo Schifrin ist vor allem als Filmkomponist bekannt. Sein Bläserquintett "La Nouvelle Orléans" beginnt mit expressionistischen Klängen. In schwierigen Rhythmen und großer Dynamik zeigt sich wieder das perfekte Zusammenspiel und die enorme Musikalität des Ensembles. Martin Fuchs reizt die Möglichkeiten seiner Klarinette in Bezug auf Tonumfang, Beweglichkeit und Klangvielfalt voll aus. Plötzlich schleicht sich in die harten Rhythmen ein langsamer Blues ein, wie er in New Orleans auf dem Leichenzug gespielt wird. Und kaum ist man darauf eingestimmt, wird aus dem Trauerblues ein flotter Jazz, der den Rückweg vom Friedhof zum Tanz werden lässt. Den Schlusspunkt setzt Obergfell mit prächtigen Blue Notes auf der Oboe, die die Zuhörer mit Bravo-Rufen quittieren.

Hans Huber ist ein in Deutschland weitgehend unbekannter spätromantischer Komponist aus der Schweiz. Sein Sextett für Bläser und Klavier malt die Schweizer Landschaft mit ihren Bergen und Dörfern. Das ausdrucksstarke Spiel der Musiker lässt Gewitterdonner und das Schwätzen der Dörfler am Brunnen richtig lebendig werden. Insbesondere in den Oktavparallelen von Horn und Fagott im 3. Satz "Adagio ma non troppo" bietet das Ensemble perfekte Intonation, die auch bei Profimusikern durchaus nicht selbstverständlich ist. Ein grandioser Abend, der alle Zuhörer begeistert.
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