SRIMF-Gastkünstler begeistern in der vollen Herz-Jesu-Kirche – Znaider, Kuschnir und Quint im ...
Weltklasse am Bogen virtuos bewiesen

Beim Gastkünstler-Konzert mit Weltstars in der Herz-Jesu-Kirche Rosenberg musizierten Nikolaj Znaider (links) und Misha Quint. Bild: Hartl
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
11.08.2017
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Sie gehören zu den weltbesten Geigern ihrer Generation: der 32-jährige Nikolaj Znaider und der 69-jährige Boris Kuschnir. Beide waren beim Sulzbach-Rosenberg International Music Festival (SRIMF) zu Gast und gaben in der Herz-Jesu-Kirche in Rosenberg ein besonderes Gastkünstler-Konzert.

"Mich haben Leute angerufen, die es gar nicht glauben konnten, dass die Zwei wirklich nach Sulzbach-Rosenberg kommen. Aber jetzt sind sie hier", freute sich Musikschulleiter Steffen Weber in der vollen Herz-Jesu-Kirche. Den Auftakt machten Nikokolaj Znaider und Misha Quint mit der Sonate op. 7 für Violine und Cello von Zoltán Kodály (1882-1967).

Kodály hat sich als Musikprofessor sehr um die Dokumentation und Erhaltung ungarischer Volkslieder verdient gemacht, und das merkt man seinen Kompositionen stets an. Insbesondere die Violine spielte immer wieder liedhafte Melodien, die Znajder sehr dynamisch interpretierte, während Quints Cello ein gezupftes oder Pizzicato gestrichenes Ostinato dazugab. Immer wieder wechselten Violine und Cello zwischen Melodie und Begleitung, wobei Quint den Flageolett-Tönen des Cellos eine Klangfarbe gab, die mehr an die Oboe als an ein Streichinstrument erinnerte. Die beträchtlichen Schwierigkeiten des Stücks - extreme Lagenwechsel, Doppelgriffe und gezupft-gestrichene Passagen - gerieten durch die Musikalität der Interpreten völlig in Vergessenheit. Insbesondere dem abschließenden Maestoso gaben die Musiker eine dramatische Tiefe, die alle Zuhörer in ihren Bann zog.

Beim Terzett für zwei Violinen und Violoncello op.74 von Antonín Dvorak (1841-1904) spielte Boris Kuschnir die zweite Violine. Der erste Satz begann klassisch, fast wie eine Mozart-Sonate. Kuschnir und Znaider spielten perfekt abgestimmt. Besonders beeindruckten die wunderschönen Pianissimo-Passagen, in denen sich die Weltklasse der drei Musiker zeigte. Im Scherzo hat Dvorak einen Furiant eingebaut, einen tschechischen Tanz. Die Violinisten tänzelten über die Bühne und blieben bei allen Takt- und Tempowechseln immer beieinander. Ihre enorme musikalische Virtuosität wurde aber nicht herausgestellt; stets blieb die Musik im Vordergrund.

Das Streichsextett in d-Moll op. 70 von Peter Tschaikowski (1840-1893) trägt den Titel "Souvenir aus Florenz". Das Stück beginnt furios, mit einem fast orchestralen Einstieg. Znaider begeisterte als erste Violine einmal mehr mit seinem sanften, singenden Ton. Eugenia Petrova an der ersten Bratsche brachte den warmen Ton ihres Instruments bestens zur Geltung. Quint zeigte wieder einmal seinen außergewöhnlich schönen Bogenstrich.

Für die zweiten Geigen, Kuschnir (Violine), Tomás Krejbich (Bratsche) und Caitlin McConnell (Cello) bot Tschaikowskis Sextett keine Glanzpartien. Aber das perfekte Zusammenspiel, das absolut gleichzeitige Zupfen und die musikalische Dynamik waren hervorragend und trugen maßgeblich zum Hörgenuss bei, der durch die für diese Musik ungünstige Akustik der Kirche mit ihrem langen Nachhall kaum gemindert wurde.

Im flotten und rhythmischen Allegretto Moderato zeigten die Musiker geradezu sportlichen Einsatz. Quints Bogen hatte schon einige Haare gelassen, als das Allegretto con Brio mit einer geradezu irrsinnigen Beschleunigung zum Schluss kam. Die Zuhörer feierten die Musiker mit stehenden Ovationen. Auf Wiederhören!
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