07.03.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Theater im Capitol A schöne Leich muss sein

Wenn viele Trauernde da sind, der Pfarrer tröstende Worte spricht, gar ein Trompeter das "Feieramd-Lied" bläst, dann heißt es in der Oberpfalz: "Des wor a schöine Leich." Im Capitol gab es eine fränkische Leich, und die läuft ganz anders.

Omas Abschied von dieser Welt liefert ihrer Enkelin und deren Eltern jede Menge Anlässe, sich zu streiten. Bild: hka
von Helga KammProfil

Drei haben sich zusammengetan; - die Katholische Erwachsenenbildung, das Evangelische Bildungswerk und der Hospizverein - und haben zu einem Theaterabend im Sulzbacher Capitol eingeladen. Sie veranstalten seit sechs Jahren dreimal im Jahr Lesungen, Vorträge und Kabarett. Diesmal haben sie sich für "Das Baumann" aus Kulmbach entschieden, ein kleines Theater, das mit nur drei Darstellern ein köstliches Stück auf die Bühne brachte.

"So ist das Leben", kündigte Irmgard Huber den Abend an. Die Vorsitzende des Hospizvereins und die stellvertretende Koordinatorin Andrea Prusko waren zufrieden: Viele Besucher interessierten sich für ihren Theaterabend im Capitol. Der begann mit einem Termin im Bestattungsinstitut. Oma war gestorben, Enkelin Franzi und ihre geschiedenen Eltern Gudrun und Siegfried geraten sich in die Haare wegen der Todesanzeige, des Sarges und des Leichenschmauses.

Dabei bleibt es nicht lang. Es kommt zum Streit zwischen Mutter und Tochter, dann zwischen den Ex-Eheleuten. Alte Sünden werden ans Licht gezerrt, die "Karriere" der Mutter als Filialleiterin bei "Lildi", die Seitensprünge des Vaters kommen zur Sprache, getoppt noch vom Outing Franzis, mit Dada aus Namibia zusammen zu sein.

Rüdiger Baumann ist Autor, Organisator, Regisseur und Hauptdarsteller in diesem Stück. Sein Siegfried - ein fränkisches Schlitzohr, in den Augen seiner Ex aber ein Blindgänger - kann alle Facetten des Lebens widerspiegeln, die Schläue, die Überheblichkeit, letztlich die Einsicht: "Wenn i an Fehla mach, nou kann i dazou steh." Birgit Baumann, im Leben wie im Stück die Ehefrau, hat als Gudrun Siegfrieds Fehler, Seitensprünge, Angebereien und falsche Selbsteinschätzung satt. Tochter Franzi, alias Maris Hagen, hadert mit beiden, die sich als tolerant bezeichnen, aber Dada aus Namibia als "Neger" ablehnen.

Nach all den weltanschaulichen Diskussionen der Drei geht es letztlich wieder um die verstorbene Oma. Und da erleben sie ihr blaues Wunder. Denn die hat in ihrem letzten Willen bestimmt, dass eine große Sause mit vielen Gästen ihr den Abschied von dieser Welt erleichtern solle. Das Geld dazu hat sie in vielen Jahren als Putzfrau bei "Lildi" verdient, um am Ende ihres Lebens "a schöna Leich" zu haben. Das elegante Todeskleid, den Tischschmuck und das Menü im "Schwarzen Dachs", all das war Omas letzter Wille. Amüsiert hätte sich die Verstorbene sicher über das unerwartete Ende des Stückes. Rüdiger und Gudrun haben sich schweren Herzens mit der Partnerwahl ihrer Tochter abgefunden, fallen aber aus allen Wolken, als sich herausstellt, dass Dada nicht der Name eines Mannes, sondern der einer Frau ist.

Langer Applaus für die Künstler aus Kulmbach, insbesondere für ihren Chef. Als muffiger, cholerischer und bauernschlauer Typ mit fränkischer Mundart bot Rüdiger Baumann eine super Leistung. Ehefrau Birgit und die "Fast-Tochter" Maris Hagen müssen ihn auf der Bühne "ertragen". Im wirklichen Leben aber, so sagen sie, sei er echt nett.

Wenn i an Fehla mach, nou kann i dazou steh.Rüdiger Baumann alias Siegfried

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