Verleger Christian Döring zu Gast beim Verlagsabend der Buchhandlung Volkert
Anders ist besser

Verleger Christian Döring stellte beim Verlagsabend der Buchhandlung Volkert "Die andere Bibiliothek" und deren Band Nr. 390 vor.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
19.10.2017
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Im Gespräch mit Buchhändler Ralf Volkert (rechts) gewährte Verleger Christian Döring Einblicke in die Kunst der schönen Bücher. Bild: Schäfer

Wäre Christian Döring kein Verleger, er könnte als großer Erzähler bestehen: Beim Verlagsabend der Buchhandlung Volkert unterhält der Herausgeber der "Anderen Bibliothek" mit lockerem Ton, spannenden Einblicken, einer reich gefüllten Anekdoten-Schatzkiste.

Döring offenbart seine glühende Leidenschaft für schöne Bücher bei der Lesung von Viktor Schklowskijs "Sentimentale Reise". "Wir drucken nur Bücher, die wir selber lesen möchten", lautet seit der Gründung durch Buchgestalter Franz Greno das Motto der "Anderen Bibliothek", erzählt der Herausgeber. Zu den Verlags-Mythen zähle im Übrigen, dass Greno 1984 bei Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger in München angeklopft und für jeden Monat ein Buch bei ihm bestellt habe. Der andere Mythos ist der Komet im Logo, der für die Ursprünge der Unternehmung in Nördlingen steht.

Liebevolle Ausgaben

Seit diesen Tagen hat "Die Andere Bibliothek" nicht nur Verleger kommen und gehen sehen, sie stemmt zudem Umzüge von Nördlingen nach Frankfurt und weiter nach Berlin und blickt bereits 1989 in wirtschaftliche Abgründe. Nicht zuletzt seit der geschätzte Lektor Christian Döring 2011 das Ruder übernahm, gleitet der Verlag wieder durch ruhiges Fahrwasser: Die Abozahlen für eine innen wie außen liebevoll ausgewählte und gestaltete Originalausgabe pro Monat seien ebenso gestiegen, wie das allgemeine Bewusstsein für den Wert eines Buches, so Döring auf die Frage des Gastgebers Ralf Volkert.

Döring gewährt zudem Einblicke in sein eher puristisches Büro und in den Verlagsaufbau. Seine wichtigsten Mitstreiter kann er an einer Hand aufzählen. Die Liste all der Komponenten, die am Ende das Besondere an einem Band der "Anderen Bibliothek" ausmachen, fällt dagegen wesentlich länger aus. Die Konstellation, frei unter dem Dach des Aufbau-Verlages agieren zu können, bewertet der Herausgeber ebenso positiv wie die Vertriebs-Kooperation, bei der der ein oder andere Türöffner hinein in die Buchhandlungen spielt.

Kein Lieblingsbuch

Nur bei Volkerts Frage nach dem Lieblingsbuch winkt Döring energisch ab: "Nein, so was dürfen Sie nicht fragen." Durch die Hintertür der "aktuellen Pflegefälle" lässt der frankophile Verleger aber doch durchblicken, dass sein Herz momentan sehr an dem, Proust-Original "Flimmern des Herzens" hängt, das unter erheblichen Mühen aus der Taufe gehobenen und gerade in Druck gegangen ist - "vielleicht ein sadomasochistisches Lieblingsbuch". Mindestens genauso beeindruckend kann er von den herausragenden Folio-Bänden schwärmen, die man zusätzlich zum monatlichen Originalausgaben-Programm verlegt. Sie würden jeden Wohnzimmertisch weit über das "Coffeetable"-Image hinaus veredeln.

"Unsentimentale Reise"

Bei der eigentlichen Vorstellung des Bandes Nummer 390 angekommen, bliebt Döring erst einmal beim Erzählen - vom Autor Viktor Schklowskij, von den Wirren der Zeit der russischen Revolution 1917, vom Titel, der Laurence Sternes "Sentimental Journey" ironisch spiegelt, bis zum distinguierten Sitznachbarn auf dem Flug von Paris nach Berlin, der Viktor Schklowskij sogar noch persönlich kennengelernt hatte.

Dem durchaus zur schwereren Lesekost zählenden Werk verleiht Döring mit prägnanten Kostproben eine anregende Leichtigkeit. Natürlich fallen ihm auch gleich drei andere Bücher der "Anderen Bibliothek" ein, die die "Sentimentale Reise" thematisch zu einem perfekten Überblick über Zeit und Situation ergänzen. Nach diesem leidenschaftlichen Abend für das Buch als Gesamtkunstwerk, sehen all die Bestseller und Taschenbücher im Regal ziemlich blass aus.
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