28.03.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Welt-Musik im Seidel-Saal Heißer Mocca-Swing

Es hätte keine Heizung gebraucht im Seidel-Saal, so heiß wird der "Mocca Swing" von Mulo Francel & Friends serviert. Der Text der Ankündigung hat nicht zu viel versprochen: "Hochenergetisch, warm und aphrodisierend, pulsierend und nach fernen Orten und Zeiten duftend" trifft diese Musik ganz den Geschmack des Publikums.

von Helga KammProfil

In der Stadt ist der Saxophonist Mulo Francel bekannt als Mitglied des Ensembles "Quadro Nuevo". "Diesmal habe ich liebe Freunde mitgebracht", sagt er: den Pianisten David Gazarov aus Baku am Kaspischen Meer, den Bassisten Sven Faller, der Schwandorf zu seiner Wahlheimat gemacht hat, und den Drummer Robert Kainar, auch Mitglied des Jedermann-Ensembles in Salzburg. Zusammen gehen sie ungewöhnliche Wege des Jazz, bringen ihre Musik aus aller Welt zum Schwingen mit Farbe und Phantasie.

Es sind vor allem eigene Stücke, die Mulo Francel und seine Freunde spielen, eigene Erlebnisse und Erinnerungen, die der Musik zugrunde liegen. Das Honigglas seiner Kinderzeit beschreibt David Gazarov in "Sunshine in the honey-pot", Sven Faller erinnert mit "La coeur" an seine Großmutter und ihren jüdischen Mann, Mulo Francel beschreibt in "La vida de Senor Lorenzo" den Patio in einem kleinen Hotel in Kolumbien. Hübsche kleine Geschichten sind das, aus denen die Musiker wunderbare Stücke gemacht haben, handfeste südamerikanische Rhythmen oder poetische Klangmalerei.

Natürlich ist es vor allem der hochkarätige Saxofonist und mehrmalige Echo-Preisträger Francel, der das Publikum im vollen Saal begeistert. Seinen extravaganten Sound lobt die Fachpresse als "derzeit sinnlichsten Saxofon-Ton Europas". Mit seinen Saxofonen und Klarinetten kann er sehnsüchtig bis wild, leise und laut Gefühle zum Ausdruck bringen, zeigt Virtuosität und Spielfreude.

Dabei treten seine Musikerfreunde aber durchaus nicht in den Hintergrund. Mit zahlreichen Solo-Partien zeigen sie ihr Können, spielen lässig oder explosiv. David Gazarovs Technik am alten Klavier des Seidel-Saals bringt ihm viel Szenen-Applaus, Sven Faller steuert mit seinem Kontrabass neben federnden Impulsen und harter Treibkraft zum Beispiel bei "Trip to Batumi" wunderbare Effekte bei. Der Schlagzeuger Robert Kainar wiederum fasziniert, wie er seine Instrumente mit Schlegeln, Händen und sogar dem Ellenbogen bedient, und das oft in atemberaubendem Tempo.

Mulo Francels Kompositionen sind inspiriert von seinen Reisen um die Welt. "Reisen gehört bei meiner Musik dazu", erklärt er, "ebenso die Begegnung mit verschiedensten Menschen". Bei seinen Auftritten, das zeigt sich im Seidel-Saal, wirkt nichts inszeniert, er plaudert höflich mit seinen Gästen, würdigt das Können und die Freundschaft seiner Musiker, lässt sich auch nicht lang bitten um ein paar Zugaben. Und: Er freut sich auf ein Wiedersehen im Seidel-Saal mit der Formation "Quadro Nuevo" am 8. Juni.

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