01.09.2007 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

1. Bürgermeister Gerd Geismann im SRZ-Sommergespräch: "Schafft mehr Ausbildungsplätze!" "Jetzt kommt die Bildungsoffensive"

Er sei nicht der Bürgermeister, sondern nur der "Hausl", sagt er gerne von sich. Oder er sieht sich als "Leithammel, der Jahrzehnte lang Tag und Nacht gearbeitet hat". Nach dem "großen Umbruch" könne sich die Stadt heute sehen lassen, zieht Gerd Geismann, seit 1988 und nunmehr in der vierten Amtsperiode Bürgermeister dieser Stadt, im SRZ-Sommergespräch Bilanz.

von Uli Piehler Kontakt Profil

SRZ: Herr Bürgermeister, Sie haben sich in der Vergangenheit immer vehement gegen den Slogan von der "sterbenden Stadt" gewandt. Bestand nicht doch im Strudel des Maxhütte-Zusammenbruchs die Gefahr eines allgemeinen Absturzes?

Geismann: Die Gefahr erkennen und handeln, war die Devise. Schon nach 1972 mit dem Verlust des Landkreis-Sitzes zeichnete sich die Notwendigkeit für einen großen Strukturwandel in unserer Stadt ab. Wie das gelungen ist, lässt sich heute an der geradezu sensationellen Entwicklung der örtlichen Arbeitslosen-Statistik und am wunderschönen Stadtbild explizit ablesen.

SRZ: Gut, wir liegen bei den Arbeitslosenzahlen momentan unter 6 Prozent. Aber junge Leute, ganze Berufsschulklassen, haben keine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Muss Sie das nicht beunruhigen?

Es ist mir ein großes Anliegen, die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zu steigern. Sie ist zwar im Bereich der Arbeitsamts-Dienststelle schon überdurchschnittlich gestiegen, aber nach wie vor gibt es wesentlich mehr Bewerber als Ausbildungsstellen.

Mein dringender Appell an die Firmen: Bilden Sie über den aktuellen Bedarf hinaus aus! Wir haben leider nicht mehr die Maxhütte mit ihrer zentralen Ausbildungsstätte und ihren vielen Lehrstellen. Schon jetzt spüren wir einen deutlichen Facharbeitermangel, vor allem in den Städten Sulzbach-Rosenberg und Auerbach.

SRZ: Sulzbach-Rosenberg zählte bayernweit zu den Gemeinden mit der höchsten Spätaussiedler-Zuwanderung. Die Integration der Migranten wird uns noch viele Jahre beschäftigen. Kann die Stadt die damit verbundenen Probleme schultern?

Hätten wir diese Zuwanderung nicht gehabt, sähe es heute duster aus. Wir lägen bei 15 000 Einwohnern, Tendenz nach unten, bei einer Arbeitslosenquote von vermutlich 20 Prozent, und die meisten Einwohner der Stadt wären 60 oder darüber.

Ich habe immer gesagt, dass wir gesundwachsen müssen und nicht krankschrumpfen dürfen. Jetzt ist meine Haltung eine Stärke für die Region. Wir schrumpfen langsamer, wir können den Knick nach unten sanfter gestalten und mit einer familienfreundlichen Politik die Weichen weiterhin positiv stellen.

SRZ: Wo sehen Sie kommunalpolitisch derzeit den größten Handlungsbedarf?

Nach der Arbeitsplatzbeschaffung und Stadtmodernisierung rückt jetzt die Bildungsoffensive mit wichtigen Investitionen in den Fokus. Das schließt die Generalsanierung der Pestalozzischule genau so ein wie die Umrüstung der Jahnschule zur Ganztagsschule.

Bei der Hauptschule Krötensee müssen wir das Raumprogramm herunterbrechen auf unsere aktuellen Erfordernisse. Alles in allem bedeutet einen finanziellen Kraftakt von rund 3,6 Millionen Euro.

SRZ: Herr Bürgermeister, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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