04.12.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

23-Jähriger gesteht und kommt mit vier Jahren davon - Entzugstherapie angeordnet Viele Deals mit elf Pfund Haschisch

von Autor HWOProfil

Er machte reinen Tisch. Vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts hat ein 23-Jähriger gestanden, im vergangenen Jahr und heuer erneut von Großdealern insgesamt über elf Pfund Haschisch übernommen und hauptsächlich zur Finanzierung seines eigenen Rauschgiftkonsums an Abnehmer verhökert zu haben. Weil die Richter sein Schuldbekenntnis würdigten, kam er mit vier Jahren Haft davon. Außerdem muss der Mann aus dem nördlichen Landkreis in eine Entzugstherapie.

Der Prozess war zunächst auf vier Verhandlungstage terminiert. Doch gleich zum Auftakt gab es ein Rechtsgespräch zwischen der Kammer, dem Verteidiger und dem Staatsanwalt. Das daraus resultierende Ergebnis verkürzte die Verfahrensdauer auf wenige Stunden. Für ein in Aussicht gestelltes Geständnis sicherte die Strafkammer unter Vorsitz von LG-Vizepräsidentin Roswitha Stöber dem 23-Jährigen eine Haftstrafe von nicht über vier Jahren zu. Solche Möglichkeiten der Absprache ermöglicht der Gesetzgeber.

Gewaltige Mengen


Nach der hinter verschlossenen Türen stattgefundenen Unterredung räumte der von Polizeibeamten aus Strafhaft vorgeführte Angeklagte seine Drogendeals ein. Dabei offenbarte sich: Er spielte dabei offenbar eine Art Mittlerrolle zwischen Großlieferanten und Kleinabnehmern. Das Haschisch war in zwei Fuhren zu jeweils 30 und 22 Pfund aus den Niederlanden in den Raum Amberg-Sulzbach geschmuggelt worden. Der 23-Jährige erwarb dann zunächst im Herbst 2011 bei mehreren "Geschäften" insgesamt dreieinhalb Kilo aus dem ersten dieser Transporte. Ein Großteil des Cannabisprodukts verkaufte der junge Mann in kleineren Portionen weiter, um damit seinen eigenen und offenbar nicht geringen Konsum zu finanzieren.

Die Kammer erfuhr auch, dass der 23-Jährige heuer zu Jahresbeginn von den abermals unentdeckt aus Holland zurückkehrenden Dealern sechs Kilo Haschisch übernommen und die heiße Ware in einem Schuppen versteckt hatte. Später kaufte er knapp fünf Pfund davon und begann erneut mit dem Verkauf an Abnehmer. Dieses umfangreiche Geständnis wertete Staatsanwalt Jürgen Konrad in seinem Plädoyer als "sehr wertvoll". Denn ohne die Schilderungen wäre es zu einem langen Prozess gekommen. Dabei hätte eine hohe Hürde genommen werden müssen. Denn ein wichtiger Zeuge ist offenbar in seiner türkischen Heimat abgetaucht und für die deutschen Behörden nicht greifbar.
Am Morgen begonnen, endete der Prozess bereits kurz nach der Mittagszeit. Vor den Plädoyers hatte ein medizinischer Sachverständiger dem 23-Jährigen einen Hang zu Drogen bescheinigt und eine Therapie für ratsam gehalten.

Und das Geständnis?

Daran machte Staatsanwalt Konrad fest. Angesichts des Geständnisses plädierte er auf vier Jahre Haft und wollte zugleich eine längerfristige Entzugsmaßnahme angeordnet wissen. Dreieinhalb Jahre hielt Verteidiger Helmut Miek für ausreichend. Sein Mandant, unterstrich er, habe durch das Geständnis für eine erhebliche Verfahrensabkürzung gesorgt. Auch Miek empfahl der Kammer, den 23-Jährigen in den Entzug zu schicken. Die Richter entsprachen dem Antrag des Staatsanwalts. Sie verhängten vier Jahre Gefängnis, hielten den bestehenden Haftbefehl aufrecht und ordneten eine längerfristige Drogentherapie an. (Hintergrund)

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