23.08.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

29-Jähriger wegen Beleidigung der Ex-Freundin im Internet verurteilt "Facebook" antwortet auf Polizeianfrage aus Bayern

von Autor HWOProfil

Der Kommissar aus Oberbayern hängte sich richtig rein. Um dem Täter auf die Spur zu kommen, schrieb er in die Vereinigten Staaten und erbat vom "Facebook"-Hauptquartier im kalifornischen Palo Alto Auskunft über Netzverbindungen. Die Amerikaner antworteten wider Erwarten und nannten Daten. Sie führten den Polizisten zum Personal-PC eines Seniorenheims im Landkreis. Von diesem Rechner war eine üble Nachricht abgesetzt worden.

Freunde entdecken Eintrag

Die junge Frau, früher im Raum Amberg und jetzt in Oberbayern wohnhaft, war von Freunden auf einen "Facebook"-Eintrag aufmerksam gemacht worden, den sie angeblich selbst verfasst haben soll. Für alle gut lesbar stand dort: "Hey Leute, ich bin die größte Schlampe ever!"

Nicht lange darauf gab es eine weitere Botschaft, die über ihren Account abgesetzt und ihr, der 22-Jährigen, als Eigenzitat in den Mund gelegt wurde. Der Satz entstammte der Gossensprache und rückte die junge Frau in die Nähe einer Prostituierten. Das Opfer litt unter den gefälschten Einträgen. Die 22-Jährige musste sich in ärztliche Behandlung begeben und schaltete an ihrem oberbayerischen Wohnort die Polizei ein.

"Ich war das nicht"

Dort übernahm ein Fahnder die Sachbearbeitung, der diesen Beleidigungen genau nachging und nicht locker ließ. Der Beamte schrieb an die "Facebook"-Zentrale in den USA, schilderte den Fall und erhielt Auskunft. Was dann geschah, ließ sich der Amberger Amtsrichter Markus Sand ganz genau erzählen.

"Die Daten haben zum Personal-PC in einem Seniorenheim geführt", so der Polizist. Und siehe da: Dort war zur fraglichen Zeit der Ex-Freund des Opfers beschäftigt. Ihn hatte sich die Justiz nun auf die Anklagebank geholt. Doch der 29-Jährige bestritt die Tat: "Ich war das nicht." Worauf der Richter zu klären hatte, ob denn Bewohner des Heimes Zugang gehabt hätten. Klare Antwort von Zeugen: "Nein".

Die Nachforschungen wurden noch konkreter. Dabei zeigte sich: Zum nächtlichen Zeitpunkt, als sich jemand mit dem Passwort der 22-Jährigen einloggte, waren nur ihr ehemaliger Freund und eine Pflegerin anwesend. Die Frau kam als Urheberin nicht in Frage.
Seltsam: Der jetzt so hartnäckig leugnende Ex-Freund hatte im Vorfeld bereits eine Unterlassungserklärung unterschrieben, sich beim Opfer schriftlich entschuldigt und bei seiner polizeilichen Vernehmung in Amberg sofort ein Geständnis abgelegt. "Warum das?", fragte Richter Sand erstaunt angesichts des späteren Widerrufs. Er sei, hörte Sand vom Angeklagten, vom Polizisten quasi damit bedroht worden, im Falle eines Ableugnens an seiner Arbeitsstelle aufgesucht zu werden. "Nicht bedroht", erfuhr der Vorsitzende von dem Vernehmungsbeamten. Aber: "Was wäre mir ohne Geständnis anderes übrig geblieben, als direkt in dem Heim zu ermitteln?" Das aber geschah dann später ohnedies.

Freispruch gefordert

Fest stand zum Schluss: Die erste "Facebook"- Eintragung war von dem Personalcomputer abgesetzt worden, die zweite kam, ebenfalls mit benötigtem Passwort, von einem anderen PC. Für Staatsanwalt Jürgen Konrad ein klarer Fall. "Sie waren es", deutete Konrad auf den Angeklagten und verlangte eine Geldstrafe in Höhe von 75 Tagessätzen zu je 40 Euro. Dem widersetzte sich Verteidiger Bernhard Weber, der eine Zugänglichkeit des Heim-Computers für Außenstehende nicht für ausgeschlossen hielt und deshalb Freispruch beantragte. Richter Sand war überzeugt: "Das hat der Angeklagte gemacht." Wegen Beleidigung muss er 60 Tagessätze zu je 40 Euro zahlen.

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