24.09.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

90 Tieren drohte der Erfrierungstod - Landwirt wegen Tier-Misshandlung verurteilt Kein Schwein hält diese eisige Kälte aus

von Autor HWOProfil

Als die beiden Amtstierärzte zur unangekündigten Kontrolle kamen, bot sich ihnen ein Anblick, der zum Handeln zwang. Bei grimmiger Kälte drängten sich 90 Schweine eng aneinander, waren dem Frost hilflos ausgesetzt. Daraufhin wurden die Vierbeiner an einen geschützten Ort gebracht, bekam ihr Besitzer ein Verfahren wegen Tier-Misshandlung.

Er habe sich, sagte der vor Amtsrichterin Dr. Barbara Tutsch zitierte Landwirt aus dem nördlichen Landkreis, nichts vorzuwerfen. Denn an der ganzen bedauerlichen Begebenheit sei eine in seinem Dorf grassierende Rattenplage schuld. Doch was hatten die Nager mit den in ihrer dachlosen Unterkunft frierenden Schweinen zu tun? "Nichts", urteilten die zwei als Zeugen vernommenen Veterinäre vom Landratsamt.

Schweine eingeschläfert

Mehrere der Tiere zeigten Abmagerungserscheinungen, das Wasser in ihrem Trog war eingefroren, Futter nur spärlich vorhanden. Auch ansonsten war die Haltung nicht so, wie sie hätte sein sollen. Als man die Herde dem 50-jährigen Bauern wegnahm, mussten mehrere Schweine eingeschläfert werden. Zurück noch einmal zu den Ratten. "Ich habe den Bürgermeister informiert, dass etwas getan werden sollte", berichtete der Landwirt und fügte hinzu, dass nichts geschehen sei und er selbst Köder ausgelegt habe. Seine Schweine hätten sich danach gegenseitig attackiert, was womöglich eine Folge der ganzen Rattenplage gewesen sei. Außerdem habe er sich um die Tiere gekümmert und sei so vorgegangen, wie es das Gesetz vorschreibe.
Doch seine Angaben und die der Veterinäre passten nicht zusammen. "Da waren akute Mängel, wir mussten einfach etwas unternehmen", berichtete Amtstierarzt Dr. Werner Pilz. "Den Schweinen drohte der Erfrierungstod", ergänzte er und vertrat den Standpunkt: "Es gibt Dinge, die darf man einfach nicht machen." In einem Strafbefehl, gegen den der Bauer Einspruch eingelegt hatte, waren 90 Tagessätze zu je 30 Euro verhängt worden. Nach intensiver Diskussion um seine Einkommensverhältnisse ermäßigte sich die Geldstrafe auf 90 Tagessätze zu je 20 Euro.

Weitgehend aussichtslos

Vor dem Urteil hatte der 50-Jährige eingeräumt, dass sein Verhalten nicht korrekt war und damit die Entscheidung des Gerichts auf den sogenannten Rechtsfolgenausspruch beschränkt. Dies geschah angesichts einer Lage, die weitgehend aussichtslos erschien.

Denn mit dem Nagerbefall hatten die Vorgänge nach Ansicht der Veterinäre, der Staatsanwältin und schließlich auch der Richterin nichts zu tun.

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