03.08.2013 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Acht Monate für einen 29-jährigen Ladendieb - Räuberische Absicht war nicht nachzuweisen In die Haftzelle wegen Käse aus Coburg

von Autor HWOProfil

Er hatte Hunger und kaum Geld. Der dann folgende Ladendiebstahl brachte einem jungen Sulzbach-Rosenberger allerhand Ärger ein. Denn als er, vom Personal entdeckt, flüchten wollte, war angeblich Gewaltanwendung gegenüber einer Angestellten im Spiel.

Das Geld reichte gerade noch für zwei Leberkässemmeln und eine Packung Kekse. Doch das langte dem 29-Jährigen nicht. Er steckte eine "Coburger Rolle" im Wert von zwei Euro in seine Jacke und erschien an der Kasse. "Coburger Rolle"? Um was es sich dabei drehte, erfuhr das Amberger Schöffengericht in einem Nebensatz. Es handelte sich um weißen Käse aus Franken. Eine Verkäuferin hatte den 29-Jährigen schon am Eingang gesehen. Sie wusste von Bekannten: "Der soll im Supermarkt schon öfter geklaut haben." Also informierte sie die stellvertretende Filialleiterin. Daraufhin setzte die 38-Jährige zu einer genaueren Beobachtung des Mannes an, sah den Käsediebstahl und stellte den Ladendieb hinter der Kasse zur Rede. Um Aufsehen zu vermeiden, sollte er mit ins Büro kommen.

Geflüchtet, geschubst

Das mochte der eben erst zu sechs Monaten Haft verurteilte Sulzbach-Rosenberger nicht. Er flüchtete und schubste die 38-Jährige zwei Mal zur Seite. War das Gewaltanwendung zur Sicherung von Beute, die bei einer Verurteilung wegen räuberischen Diebstahls nachgewiesen sein muss? Schöffengerichts-Vorsitzender Markus Sand ließ sich die Abläufe sehr genau erklären und gab schließlich noch während der Beweisaufnahme den Hinweis: "Es könnte auch Diebstahl mit damit einhergehender Nötigung gewesen sein." Staatsanwalt Jan Gallert war ganz anderer Meinung. Er hielt daran fest: "Es handelte sich um räuberischen Diebstahl." Unter Einbeziehung einer momentan vom Angeklagten abzusitzenden Haftstrafe von einem halben Jahr forderte er eine Gesamtbuße von 17 Monaten.

Das stieß bei Verteidiger Jürgen Mühl auf wenig Akzeptanz. Er legte dem Gericht nahe: "Sieben Monate sind ausreichend. Eine räuberische Absicht lag nicht vor." Das sahen auch die Richter so. Der 29-Jährige, bisher wegen Drogendelikten mehrfach vorgeahndet, bekam acht Monate wegen Diebstahl mit Nötigung. Es sei durchaus möglich, dass der Mann die Angestellte des SB-Marktes schubste, weil er Angst gehabt habe, erneut mit der Polizei in Kontakt zu kommen, argumentierte Richter Sand. Für einen räuberischen Diebstahl aber müsse einwandfrei nachgewiesen werden, dass die Gewaltanwendung der Beutesicherung diente.

Beute verschwunden

Die Beute konnte übrigens nicht mehr aufgefunden werden. Als die Polizei kurz nach der Tat den Mann stellte, waren sowohl die geklaute "Coburger Rolle" als auch die bezahlten Leberkässemmeln und Kekse bereits im Magen des Ladendiebs verschwunden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.