20.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Allerorten Erleichterung und Freude über Verzicht der US-Armee auf Drohnenflüge im Landkreis Ohne Hunter viel entspannter

Landrat Richard Reisinger hat die Gabe, immer lachen zu können. Aber an dem Morgen, an dem die Nachricht vom Verzicht der US-Armee auf Flüge der Hunter- Drohne über den Landkreis die Runde macht, hört sich sein Lachen besonders entspannt an. "Ich bin froh", sagt er auf AZ-Nachfrage zu dieser überraschenden Entwicklung.

Die Hunter-Drohne - hier bei der Präsentation durch die US-Armee im Oktober 2013 in Vilseck - muss weiterhin am Boden bleiben, wenn sie zwischen den Übungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels hin und her kommen will. Ohne eine Fluggenehmigung bleibt der Transport der auseinandergebauten Drohne selbst der einzig erlaubte Weg für eine solche Verlegung. Archivbild: Huber
von Markus Müller Kontakt Profil

Überraschend auch für den Landkreis-Chef, obwohl er schon mitbekommen hat, dass es in der Genehmigungsfrage hakte - zwischen der US-Armee und dem Bundesverteidigungsministerium als zuständiger deutscher Stelle. Einen "spannenden Prozess" nennt Reisinger das, weil das Ministerium offenbar nicht von seiner Haltung abrückte, ohne genauere technische Informationen über die Hunter-Drohnen nichts zu genehmigen. Jetzt sei es erfreulich, dass auch die Amerikaner nicht mehr auf der Notwendigkeit dieser Flüge in zwei Korridoren westlich von Sulzbach-Rosenberg und östlich von Amberg bestünden.

Ob der öffentlich geäußerte Unmut - unter anderem in Form einer Resolution des Kreistags - oder eine andere Strategie der US-Armee, der eventuell die Drohnenflüge auf den Übungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels selbst reichten, hinter diesem Sinneswandel stecke, das sei schwer zu sagen, da begebe man sich auf das Gebiet der Spekulation, meint Reisinger. Aufgefallen sei ihm aber in letzter Zeit ein "deutlich entspanntes Verhältnis zu den US-Repräsentanten vor Ort". Den General Walter E. Piatt, vor kurzem noch Kommandeur in Grafenwöhr, nennt Reisinger als Beispiel: "Er hat am Rande offizieller Termine oft das Gespräch mit mir gesucht." Da habe er als Landrat das Gefühl gehabt, dass die amerikanischen Verantwortlichen ihre Zusage ernst nähmen, ihn vorab zu informieren, wenn etwas geplant sei, das Auswirkungen für die deutsche Seite habe. Und auch Piatts Nachfolger Christopher G. Cavoli scheine das nach dem Eindruck, den er bei einer ersten Begegnung von ihm gewonnen habe, beibehalten zu wollen.

"Die Pflege der guten Beziehungen zu den Amerikanern ist uns wichtig", betont Reisinger für den Landkreis. Man habe sich allerdings mit der Resolution gegen die Drohnenflüge zwischen den beiden angrenzenden Übungsplätzen klar positioniert, "weil wir nicht zum erweiterten Übungsgelände werden wollten". Damals habe auch noch "der NSA-Kontext" verschärfend gewirkt, also die Ausspäh-Tätigkeit dieses US-Geheimdienstes in Deutschland.

"Wenigstens eine Last weniger", entfährt Reisinger angesichts der Drohnen-Entwarnung ein kleiner Stoßseufzer. Der Landkreis müsse ja auch noch beim Fracking auf der Hut sein, wo es eine Sondierungsgenehmigung gebe, und bei der Trassenplanung für die Gleichstrompassage Süd-Ost. Die Einstellung des Landrats dazu ist klar: "Beim Nordbayern-Plan sind wir auch nicht erste Adresse, da müssen wir auch nicht bei den Belastungen in der Champions-League spielen."

Etwas weniger offensichtlich ist die Freude bei Heidi Kaschner, der Vorsitzenden der Bürgerinitiative gegen Drohnen in der Oberpfalz, die sich auf die Meldung von den Plänen der US-Armee für die Überflüge im Landkreis gegründet hat. "Wir freuen uns über den Erfolg, dass die Hunter-Drohne nicht fliegt", sagt die Fensterbacherin. Aber die Auskunft der US-Armee beziehe sich eben nur auf diese Drohnen-Art. Der Übungsflug-Korridor bleibe ja bestehen, und über die ab 2017 geplante Stationierung der Drohne Sky Warrior mit 17 Metern Spannweite oder die zukünftige Linie bei Spionage-Drohnen verliere die US-Seite kein Wort.

Die BI wolle deshalb wachsam bleiben und ihre für den 29. August in Amberg angesetzte Versammlung wie geplant abhalten. Themen sind dabei der globale Anti-Drohnen-Tag am 4. Oktober oder ein Friedensmarsch zusammen mit anderen Bürgerinitiativen.

Für Erleichterung sorgt das Hunter-Aus in den potenziell von den Überflügen betroffenen Gemeinden. Etwa in Kastl, dessen Marktrat mit zu den ersten zählte, die eine kritische Haltung gegenüber den Drohnen-Plänen der US-Armee bezogen. Die neue Entwicklung wurde im Rathaus der nördlich des Übungsplatzes Hohenfels gelegenen Gemeinde "mit Erleichterung für uns und unsere Bürger" aufgenommen. Mit diesen Worten kommentierte der geschäftsleitende Beamte Gerhard Bücherl die Entwicklung, da Bürgermeister Stefan Braun (CSU) derzeit Urlaub macht. Von einer "guten Entscheidung" sprach Franz Mädler (FW), Bürgermeister von Ursensollen. Sein Gemeinderat hatte sich neben anderen Kommunen in einer eigenen Resolution gegen die Pläne der US-Armee gewandt.

Die beantragte Erlaubnis, mit militärischen Drohnen in für den allgemeinen Luftverkehr nicht gesperrten zivilen Lufträumen regelmäßig operieren zu dürfen, hätte ein völliges Novum dargestellt und warf erhebliche rechtliche Probleme innerhalb der Flugsicherung auf. Denn dann hätten bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge bestimmte Lufträume gemeinsam nutzen dürfen. Für den Himmel über den beiden ausgedehnten Übungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels trifft das nicht zu. Diese Lufträume sind für den zivilen Verkehr bis in ausgedehnte Höhenbänder gesperrt.

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