10.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Altbürgermeister Willi Bösl stirbt wenige Wochen nach seinem 94. Geburtstag "Hirschau zu einem kleinen Musterstädtchen gemacht"

Hirschau und seine Einwohner sind um eine Persönlichkeit ärmer, die die Entwicklung der Stadt in der Nachkriegszeit wie kein Zweiter geprägt und den Landkreis in hohem Maße mitgestaltet hat - Altbürgermeister Willi Bösl. Er verstarb wenige Wochen nach seinem 94. Geburtstag am frühen Samstagnachmittag.

Hirschau und der Landkreis Amberg-Sulzbach nehmen Abschied von Willi Bösl. Bild: hfz
von Redaktion OnetzProfil

26 Jahre (1958 bis 1984) diente er als 1. Bürgermeister seiner Vaterstadt, 21 Jahre lang trug er als erster Stellvertreter des Landrats im Altlandkreis Amberg (1963 bis 1972) bzw. im Landkreis Amberg-Sulzbach (1972 bis 1984) Verantwortung, zudem viele Jahre als stellvertretender Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes sowie als Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates der Kreissparkasse.

Dem Stadtrat gehörte Bösl von 1956 bis 1958 als Sprecher der CSU-Fraktion und nochmals nach seinem altersbedingten Abschied aus dem Bürgermeisteramt von 1984 bis 1990 an, dem Kreistag von 1960 bis 1984. Bei seiner Verabschiedung im Jahr 1984 stellte Regierungspräsident Karl Krampol fest: "Willi Bösl hat Hirschau liebens- und lebenswerter und zu einem kleinen Musterstädtchen gemacht". Die Stadtväter haben die Wertschätzung, die Bösl in der Kaolinstadt genießt, mehrfach zum Ausdruck gebracht: Sie zeichneten ihn 1978 mit der Goldenen Bürgermedaille aus, ernannten ihn 1984 zum Ehrenbürger und verliehen ihm 1985 den Ehrentitel Altbürgermeister.

Schwer verwundet

Seit 1995 trägt die Haupterschließungsstraße in der Heidenau die Bezeichnung Bürgermeister-Bösl-Straße. Der Kreistag würdigte seine herausragenden Leistungen 1984 mit der Verleihung des "Großen Ehrenringes" - der höchsten Auszeichnung, die der Landkreis zu vergeben hat. Sie wurde außer Willi Bösl nur den Landräten Dr. Hans Raß und Dr. Hans Wagner zuteil. Auch in Bund und Land fand seine Arbeit Anerkennung, wie die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande (1978) oder der Kommunalen Verdienstmedaille (1968) belegen.

Am 6. Juli 1920 als erstes Kind des Schuhmachermeisters Georg Bösl und seiner Frau Margarete geboren, wuchs er mit fünf Geschwistern auf. Nach der Schule erlernte er im elterlichen Betrieb das Schuhmacherhandwerk und erwarb den Gesellenbrief. Als Ältester sollte er einmal den elterlichen Hof übernehmen. Der 2. Weltkrieg warf seine Lebensplanung über den Haufen. Als Wehrmachtsgefreiter war er mit der 6. Armee auf dem Marsch nach Stalingrad, als er am 26. Juni 1942 so schwer verwundet wurde, dass ihm der linke Arm abgenommen werden musste. Nach seiner Genesung besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Bayreuth und wurde nach bestandener Prüfung in Hirschau eingesetzt. Rasch entschied er sich für eine andere Laufbahn. Er absolvierte die Verwaltungsschule in Tutzing, kam ans Landratsamt und leitete dort das Sozialhilfeamt.

Sein kommunalpolitischer Weg begann 1956 mit der Wahl in den Stadtrat. 1958 wählten die Hirschauer mit Willi Bösl erstmals einen CSU-Bürgermeister. Bei vier weiteren Wahlen (1960, 1966, 1972 und 1978) wurde er eindrucksvoll in seinem Amt bestätigt. Auch bei den Kreistagswahlen erzielte er jedes Mal Spitzenwerte.

Alle Maßnahmen aufzulisten, die in der Ära Bösl realisiert wurden, wäre Bücher füllend. Großprojekte waren unter anderem der Ausbau der Wasserversorgung. Beim Kläranlagenbau war man landkreisweit ebenso Vorreiter wie beim Turnhallenbau. In der Aufzählung dürfen der Neubau von Feuerwehrhaus, BRK-Rettungsleitstelle oder Friedhofshalle nicht fehlen. Mit großem Erfolg kämpfte er für den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Sein Engagement in den Vereinen wird durch viele Ehrenmitgliedschaften dokumentiert. Ein Hobby, das er von Kindheit an pflegte, war die Imkerei. Trotz seiner Körperbehinderung betreute er bis 2009 noch immer 30 Bienenvölker.

In seiner Gattin Betty, mit der er am 13. Januar 1947 den Bund der Ehe schloss, hatte er stets einen starken Rückhalt. Mit ihr trauern die beiden Töchter, vier Enkelkinder und sieben Urenkel um einen treu sorgenden Ehemann, Vater, Opa und Uropa.

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