AOVE-Bürger-Energie-Genossenschaft hat jetzt aber vier Möglichkeiten im Auge, ihr Geld anzulegen
Noch immer kein eigenes Projekt

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
29.04.2013
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Manchmal habe er den Eindruck, dass beim Thema "Energiewende" und "regenerative Energie" inzwischen die Euphorie und die bislang große Toleranz der Bevölkerung mehr oder weniger stark nachlasse, sagte Sepp Reindl, Vorstandsvorsitzender der AOVE-Bürger-Energie eG bei der Generalversammlung der Genossenschaft. Es war die dritte seit ihrer Gründung im November 2011.

Für diese Stimmungsänderung möge es Gründe geben, eine Projektfindung oder Projektumsetzung erleichtere sie allerdings nicht - "und unserem satzungsgemäßen Unternehmenszweck, der Unterhaltung, der Beteiligung oder dem Betrieb von Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie, scheint dies auch nicht dienlich", betonte Reindl. Dennoch dürfe dies alles keine Begründung dafür sein, dass es innerhalb von 15 Monaten noch nicht gelungen sei, ein eigenes Großprojekt, das die Erzeugung regenerativer Energien zum Ziel habe, zu erstellen oder sich an Großprojekten zu beteiligen.

Reindl versicherte, dass eine Vielzahl von Projekten aufgegriffen, diskutiert, geprüft und letztlich wieder verworfen worden sei, weil unübersehbare materielle Risiken, finanzielle Unwägbarkeiten oder nicht gesicherte, mitunter inakzeptable Renditeprognosen nicht dazu taugen, "verantwortetes Geld" der Mitglieder - ihre Anteile - aufs Spiel zu setzen.
In seinem Tätigkeitsbericht bilanzierte Reindl 114 Mitglieder zum Ende des Jahres 2012. Sie halten 304 Anteile mit einem abrufbarem Eigenkapital von 608 000 Euro. Es gab 16 neue Mitglieder und zwei Abgänge. Manfred Hoffmann sei aus persönlichen Gründen von seinem Vorstandsamt zurückgetreten. Reindl dankte ihm für seine engagierte, sehr sachkundige und persönlich stets offene Mitarbeit und Kollegialität. Gerade bei der Beurteilung von Projekten im technischen Bereich sei er eine wertvolle Stütze gewesen.

Langwierige Gründung

Reindl beschrieb die Tätigkeit des Vorstands bei der sehr langwierigen und zeitaufwendigen, ehrenamtlich auch nicht ganz einfach zu bewältigenden Genossenschaftsgründung. Der Vorstand habe sich in zwölf Sitzungen vor allem mit der Thematik "Projektfindung und -beratung" intensiv beschäftigt. Die Entwicklung eigener Projekte, sei es Windkraft an geeigneter Stelle, Biogas mit Fernwärmeanschluss oder PV-Anlagen, habe dabei absolute Priorität gehabt.
Als besondere Ereignisse wertete Reindl eine Gesprächsreihe am Technologie-Campus der HAW, einen Erfahrungsaustausch mit der Neue Energien West eG in Grafenwöhr und ein vielversprechendes Gespräch bei den Amberger Stadtwerken. Er appellierte an die Mitglieder, sich in die Entscheidungsfindung stärker einzubringen und auch neue Investitionsmöglichkeiten vorzuschlagen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Birkl bestätigte, dass eine Menge Projekte in Betracht gezogen worden seien, dass man sich aber auch der Verantwortung eines sorgsamen Umgangs mit dem Geld bewusst sei, so dass nur in Projekte investiert werde, bei denen sich das eingesetzte Kapital rechne.

Erstmals stand eine turnusgemäße Neuwahl für zwei Aufsichtsratsmitglieder an. Markus Nagler aus Schnaittenbach und Richard Neumann aus Hirschau erhielten dabei das Vertrauen.

Sepp Reindl stellte vier Projekte vor, die jeweils einstimmig als für eine Investition geeignet betrachtet wurden. Lediglich die noch zu erfüllenden Voraussetzungen unterschieden sich. Zuerst präsentierte er die Freiflächen-PV-Anlage in Oberweißenbach (Vilseck), die teilweise auf einer Deponiefläche geplant sei. Dieses größte Vorhaben eigne sich von den Voraussetzungen her bestens. Die geplante Investition belaufe sich auf rund 1,6 Millionen Euro. Das Gremium beschloss, das Projekt weiterzuverfolgen.

Interesse an Fernwärme

Die Fernwärmeleitung in Kemnath/Döswitz stehe zur Realisierung an und könnte als erstes eigenes Projekt der Genossenschaft verwirklicht werden. Voraussetzungen sind laut Reindl Anschließerinteresse und eine vertragliche Absicherung der Wärmezuführung aus der Biogasanlage Döswitz. Geplante Investition: 800 000 Euro. Das Projekt wurde von der Generalversammlung beschlossen.

Weiter stand eine Beteiligung an der Bürgerwindenergie Schnaittenbach GmbH & Co KG mit 100 000 Euro zur Auswahl, die ebenfalls beschlossen wurde. Interesse gab es auch an der Bürgerwindanlage Gebenbach. Deren Entwicklung soll weiter verfolgt werden.
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