Ausstellung als Hommage an Jean Paul im Literaturarchiv mit Bernhard Setzwein, Christian ...
Genialer Denker und Sprachschöpfer

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
25.04.2013
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Wo wohnen Sie? Wie heißen Sie? Wer sind Sie? - Ihr Werk ist ein Juwel" Das war die Reaktion, als ein junger Dichter sein Erstlingswerk dem seinerzeit schon bekannten Dichter von "Anton Reiser" Karl Philipp Moritz zusandte. Absicht war es, durch einen berühmten Autor eine Empfehlung für den eigenen Roman zu bekommen. Wer war nun dieser junge Mann, der im Alter von 29 Jahren den Professor Moritz sein Erstlingswerk vorlegte?

Große Begeisterung

Eigentlich hatte er gar nicht mit einer Antwort des berühmten Mannes gerechnet. Doch der war so begeistert, dass er im Familienkreis auch noch gesagt haben soll: "Das ist noch über Goethe, das ist was ganz Neues". Immerhin war das im Jahre 1792, und Goethe wurde schon als Dichterfürst der Deutschen gefeiert. Der junge Mann hieß, um die drei Fragen von Moritz zu beantworten, Johann Paul Richter. Da es damals "en vogue" war, gab er seinem Namen zumindest zum Teil einen französischen Touch. Aus Johann Paul wurde Jean Paul, wohl angelehnt an Richters Vorbild Jean Jacques Rousseau, der große französische Vordenker und Philosoph.
Diese Lesung und nachfolgende Ausstellung, die Bernhard Setzwein mit anderen Geschichten aus seinem neuesten Buch "Jean Paul, von Adam bis Zucker" ergänzte, war der richtige Einstand für das Literaturarchiv, um Jean Paul zu ehren. Nach dem ersten Rummel am 21. März zu des Dichters 250. Geburtstags beschloss jetzt auch das Literaturarchiv mit etwas Abstand zu feiern, so Patricia Preuß.

Nach der überaus kurzweiligen Lesung von Setzwein stellten die beiden Künstler Hartmut Riederer und Christian Thanhäuser ihre künstlerischen Werke als Arbeiten zum Thema vor. Es sind Zeichnungen, Lithographien, Radierungen und Holzschnitte. Hartmut Riederer, ein begnadeter Jean-Paul-Rezitator aus dem Bayerischen Wald, setzt sich in seinen Arbeiten schon seit Längerem mit der Thematik des Todes in Jean Pauls Werken auseinander. Der Oberösterreicher Christian Thanhäuser ist von Haus aus Grafiker, Buchgestalter und Drucker hat auch die Federzeichnungen zu Setzweins "Jean Pauls Abecedarium" geschaffen. An diesem Abend konnte man von den drei Künstlern, allesamt auch Jean- Paul-Experten, viel über den genialen Denker und Sprachschöpfer aus der fränkischen Provinz erfahren. Auch wie er schon zu Lebzeiten polarisierte und welches immenses Werk er, der mit Anfang 60 schon starb, der Nachwelt hinterlassen hat. Oftmals wird dem Dichter unterstellt, er sei Alkoholiker gewesen und sein Leben werde darauf reduziert. Alle wollen das wissen - hätten sie doch lieber seine Werke gelesen.

Interesse wecken

Jean Paul war dies auch bewusst, dass man ihm die Eigenschaft zuschrieb, er sei dem Bier mehr als gewogen und dass er sich seine Wohnorte nach der Qualität des Gerstensaftes ausgesucht habe. Dazu meinte der Dichter lapidar, er wisse schon wie er den Alkohol zu dosieren hätte. Man kann nur hoffen, dass der an sich vergessene Dichter der Franken nun durch diesen runden Geburtstag wieder mehr in das Interesse der Leser rücken wird. Die Jean-Paul-Ausstellung läuft bei freiem Eintritt noch bis zum 29.November.
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