Auszeichnung: Fraunhofer Umsicht entwickelt Verfahren, um aus Treber Energie zu gewinnen
Bier und Wärme aus der Brauerei

Die hohe Kunst der Bierreste-Verwertung: Projektleiter Andreas Weger erklärt Studentin Diana Warmuth wie Treber gepresst und entwässert wird. Bild: doz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
12.08.2014
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Es ist ein Thema, das schon länger gärt. Seit Jahren wird geforscht, wie Brauerei-Reststoffe in Energie umgewandelt werden können. Allen voran seitens des Sulzbach-Rosenberger Instituts Fraunhofer Umsicht (FU). Die Arbeit hat sich gelohnt. Für das Engagement gab es kürzlich eine Auszeichnung.

Die Initiative "Deutschland - Land der Ideen" würdigte die Leistungen der Wissenschaftler. Geehrt darf sich in jedem Fall Projektleiter und FU-Mitarbeiter Andreas Weger fühlen. Seit rund zweieinhalb Jahren ist er mit dem Thema betraut. Er leitet Studenten an, die sich mit der Materie beschäftigen und forscht selbst am Projekt.

Entsorgung ein Problem

In dem geht es darum, wie Biertreber (ausgelaugte Malzrückstände aus dem Brauprozess) direkt in der Brauerei in eigenen Biomasseheizwerken für die Wärmegewinnung nutzbar gemacht werden können. Die Treber werden teilweise als Futtermittel genutzt. Alles Überschüssige ist Abfall. "Es ist leicht verderblich und die Entsorgung ist ein großes Thema", erklärt Weger. Bereits in einer FU-Pressemitteilung hieß es: "Generell ist die Entsorgung oder Verwertung dieser Reststoffe nicht ganz einfach. Die größte Schwierigkeit bestand bislang im hohen Wassergehalt." Aus diesem Grund komme bei Fraunhofer Umsicht in Sulzbach-Rosenberg eine Schneckenpresse zum Einsatz, um die Treber mechanisch zu entwässern. Das Presswasser, mit den biologisch gut abbaubaren Bestandteilen, wie beispielsweise Fette und Proteine, könne anschließend zur Biogasgewinnung verwendet werden.

Laut Projektleiter Weger können so rund zehn Prozent ("Eine konservative Schätzung") des Energiebedarfs der Brauprozesse gedeckt werden. Das neue Verfahren ist vor allem für großere Brauereien sinnvoll. "Es ist natürlich immer eine Frage der Wirtschaftlichkeit", sagt Weger. Ein eigenes Biomasseheizwerk sei bei einer Produktion von mindestens 50 000 Hektolitern Bier, besser 100 000 Hektolitern, wirtschaftlich rentabel.

Lob von Bräuern

Der Betrieb von Bräu Christian Sperber fällt nicht in diese Kategorie. 5000 Hektoliter produziert der Sulzbach-Rosenberger jährlich. Die Treber von Sperber werden außerdem sowieso als Futtermittel weiterverwertet. Die Idee an sich hält der Bräu aber für "nur positiv". "Generell ist Bier ja ein traditionelles Produkt, deshalb sollten wir alle Möglichkeiten ergreifen, um im Einklang mit der Natur zu arbeiten." Auch der Fuchsbeck-Bräu Armin Ertel (produziert rund 7500 Hektoliter pro Jahr) findet die Idee "super". So sehr sogar, dass er FU regelmäßig Treber für die Forschungen zukommen lassen hat. Aber auch Ertel betonte: "Das Verfahren ist vor allem in Regionen sinnvoll, wo es wenig Landwirtschaft gibt. Denn dort kann der Treber nicht als Futtermittel verwendet werden."

Die Forschung hat das Sulzbach-Rosenberger Institut übrigens nicht alleine gestemmt. Weger schätzt den Anteil auf 50 Prozent. Die andere Hälfte schreibt er der Technischen Universität München zu, mit der FU kooperiert. Das Verfahren ist auch noch nicht im Einsatz. Wann das der Fall sein wird, ist noch ungewiss.
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