31.08.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bauarbeiter bis heute arbeitsunfähig - Jugendschöffengericht verurteilt 20-Jährigen ... Grundlose Attacke mit erheblichen Folgen

von Autor HWOProfil

Ganz zum Schluss des Prozesses gab die Jugendrichterin dem Angeklagten einen guten Rat mit auf den Weg. Er möge sich doch nicht überall einmischen, lautete die wohlmeinende Empfehlung. Bei Zuwiderhandlung könnte es leicht sein, dass der 20-Jährige aus Sulzbach-Rosenberg für längere Zeit hinter Gitter muss.

Der zur Debatte stehende Vorfall ereignete sich im November letzten Jahres vor dem Sulzbach-Rosenberger Bahnhof, er war ungewöhnlich. Ein Bautrupp aus Rosenheim war auf dem DB-Gelände mit Arbeiten beschäftigt, als plötzlich eine junge Frau des Weges kam. Was folgte, war jetzt in der Verhandlung vor dem Amberger Jugendschöffengericht umstritten. Die Frau fühlte sich nach eigenen Angaben von den drei Arbeitern belästigt.

Alarm per SMS

Doch das wiesen die Männer, allesamt aus Oberbayern als Zeugen nach Amberg zitiert, strikt von sich Einer von ihnen sagte, sie habe sich auffällig benommen, sei wiederholt an ihnen vorbei gegangen. "Belästigungen oder Anmache?", fragte Richterin Petra Froschauer. Daran, unterstrich der Bauarbeiter, könne er sich nicht erinnern.
Was die Frau tat, war einigermaßen überraschend. Sie schickte über ihr Handy eine SMS an ihren Ex-Freund, schilderte ihren Aufenthaltsort, bat um Hilfe. Daraufhin erschien der 20-Jährige unverzüglich am Bahnhof. Was dann passierte, war heftig.

Der junge Mann (ein Zeuge: "Der ist regelrecht herangeschossen") ging auf den Chef des Bautrupps los; es kam zum Gerangel. Der 40-Jährige, bis heute arbeitsunfähig, erheblich an der Schulter verletzt und deshalb operiert, wurde gegen einen Bauzaun gestoßen, ging zu Boden.

Zur Frage, ob es auch Hiebe setzte, ob sich der attackierte Mann wehrte, gab es unterschiedliche Aussagen. Als Zeuge sagte der 40-Jährige, durch den Angriff und dessen Folgen sei seine Existenz gefährdet. Seit dem fraglichen Novembertag habe er nicht mehr arbeiten können. Für das Jugendschöffengericht stand später fest, dass es zu einem körperlichen Übergriff kam. Die Attacke sei völlig überflüssig gewesen, ließ die Vorsitzende erkennen und riet dem 20-Jährigen, sich künftig nicht mehr einzumischen. Keineswegs ohne Grund: Es hatte Straftaten wie Erpressungen am Schulhof gegeben, bei denen der junge Mann im Hintergrund die Fäden zog. Daraus resultierte eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe.

Noch einmal Bewährung

Genau da lag das Problem der Richter. Sie entschieden, den 20-Jährigen trotz Vorahndung nicht einzusperren und verhängten unter Bildung eines Gesamturteils zwei Jahre zur Bewährung - nicht zuletzt deshalb, weil sich der Angeklagte momentan in einem Anti-Aggressionstraining befindet.

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