Berliner Band "bassa" begeistert den vollen Seidel-Saal - Musik gewordene Bilder
Tango mit Herzblut und Virtuosität

Fisch im Kopf und Tango im Blut: Die Berliner Band "bassa" flutete den Seidel-Saal mit Temperament und Lebensfreude. Bild: aks
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
22.04.2013
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Was hat ein Buntbarsch zwischen Tango-Noten verloren? Eigentlich nichts. Andererseits aber sehr viel, war er doch der schillernde, rosarote Faden, der sich hartnäckig durch den leidenschaftlichen Auftritt der Berliner Band "bassa" im Saal der Historischen Druckerei Seidl zog.

Schon die ersten Kostproben der neuen Einspielung "Tempo: Pasión" vermittelten dem Publikum schnell die Erkenntnis, dass der emotional wohl aufgeladenste Rhythmus der Musikwelt keineswegs beim "Tango nuevo" der Ikone Astor Piazzolla stehen geblieben ist. Frisch und modern präsentierten Miriam Erttmann (Violine), Tobias Fleischer (Kontrabass), Takashi Peterson (Gitarre), Johann von Schubert (Percussion) und Hannes Daerr (Klarinette, Bassklarinette) ihre ureigensten, zur Musik gewordenen Bilder im mitreißenden Tempo südländischer Glut.

Dreh- und Angelpunkt

Und durch jedes dieser, von Mirjam Erttmann charmant beschriebenen Bilder zog also der Buntbarsch seine nassen Bahnen. War er bei "Il Segreto Triste" noch eine winzige Randfigur, die so gar nicht zur Geschichte über einen mit Musik ausgelegten Weg von der Lebenskrise zur Lebensfreude passen wollte, wuchs er im Laufe des Abends zum zentralen Dreh- und Angelpunkt.

Nach der Pause wechselte die Geschichte des "traurigen Geheimnisses" die Perspektive - diesmal mit dem übermütigen Fisch im Vordergrund, der auf den Flügeln der Musik Fangnetze und Fischmärkte zu überwinden sucht.
Und wie es der Zufall so wollte, startete dieser Tage tatsächlich ein ganzes Aquarium mit Buntbarschen zu Forschungszwecken in den Weltraum. Keine Frage also, dass "bassa" in ihrem langgehegten Traum, einmal den Mond mit ihrem pfiffigen Tango in Schwung zu bringen, ihrem Lieblingstier dort oben zuwinkten.

Von diesem fischigen "Running Gag" aber mal abgesehen, war es vor allem die mit jeder Menge Herzblut, Inspiration und Virtuosität zum Leben erweckte Musik, die den voll besetzten Seidel-Saal zu einem Hort der guten Laune machte. Mal macho-mäßig dominant, mal sphärisch schwebend, mal sanft melancholisch, mal schier platzend vor Temperament - immer fand dieser Tango seinen direkten Weg in die Ohren der begeisterten Zuhörer.

Stürmische Zugaben

Diese konnten auch gar nicht genug kriegen vom "bassa"-Sound und erklatschen sich zwei wiederum stürmisch bejubelte Zugaben. So gesehen steht dem beiderseitigen Wunsch einer Wiederkehr der "jungen, gut aussehenden Straßenband" wohl nichts im Wege - mit oder ohne Buntbarsch.
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