Brasilien-Gottesdienst in der Christuskirche - Andere Menschen und Kulturen achten
Indigene als Teil der Schöpfung

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
25.04.2013
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"In Brasilien sind die Wunder der Schöpfung beeindruckend, aber die Gefährdung dieser Schöpfung und der Menschen in ihr ist teilweise erschreckend". Dies betonte Dekan Karlhermann Schötz, als er der Gemeinde beim Brasiliengottesdienst in der Christuskirche Bruno Ferreira vom Volk der Kaingang und Pfarrerin Dr. Renate Gierus vorstellte.

Dr. Gierus und Ferreira, der bislang als Hauptschullehrer gearbeitet hat und jetzt für den Master in Erziehung studiert, hatten am Vortag den Brasilientag im Gemeindesaal gestaltet.

In ihrer Predigt ging Dr. Gierus auf 1. Könige 21 ein. Dieser alttestamentarische Text berichtet von Ahab, dem König Samarias, der den Weinberg von Nabot haben will. Weil Nabot das Erbe seiner Väter nicht verkauft, lässt Isebel, Ahabs Frau, Nabot aufgrund einer falschen Anschuldigung steinigen, so dass ihr Mann den Weinberg bekommt.

Später bereut er sein Unrecht. Grund des Konflikts, erläuterte die Pfarrerin, sind unterschiedliche Konzepte von "Land". Während für Ahab das Land eine Ware ist, ein Objekt, mit dem man Gewinn machen kann, sieht Nabot darin das Erbe seiner Vorfahren, das nicht verkäuflich ist und nicht der Gewinnmaximierung dient. Er hat eine tiefe Beziehung zu seinem Weinberg, den er in Treue pflegen und an seine Nachkommen weitergeben will. Er sieht ihn mit den Augen des Herzens an. "So sieht Gott seine Schöpfung an und auch uns, die wir mit dieser Schöpfung verwoben sind", sagte Dr. Gierus.
"Welche Beziehung haben wir zur Erde", fragte die Predigerin, "sehen wir in ihr eine Ware oder erkennen wir, dass sie Leben bringend ist?" Die Kaingang, ein indigenes Volk in Südbrasilien, haben zur Erde ein ähnliches Verhältnis wie Nabot zu seinem Weinberg. Ferreira erklärte, dass für sein Volk die Erde sehr wichtig ist, weil sie Leben gibt. "Ohne die Erde könnten wir nicht überleben und unsere Kultur nicht leben", erläuterte er, deshalb sei die Erde ein Gut, ein Recht für alle. Sie sei dafür da, "dass wir auf unsere eigene Art leben können". Die Indigenen fühlen sich als Teil der Schöpfung.

Unser Leben teilen

Auch Nabot sehe im Land Gottes heilige Schöpfung, die nicht unbarmherzig behandelt werden dürfe. Die Pfarrerin rief die Gemeinde auf, die Augen des Herzens weit aufzumachen für andere Menschen, andere Kulturen, anderes Denken und andere Weltanschauungen. "Teilen wir unser Leben mit Menschen, Tieren, Pflanzen, mit der ganzen Schöpfung", schloss die Predigerin.
Dekan Schötz dankte für die Einblicke in das Leben der indigenen Brasilianer. Dann überreichte er Dr. Gierus und Ferreira eine CD mit Orgel- und Chormusik sowie Glockenklang der Christuskirche, außerdem das Buch "Damit ihr Hoffnung habt", den ökumenischen Kirchenführer der Stadt. "Das ist ein Ausdruck meines Wunschs, dass auch dort in Brasilien die Hoffnung bleibt und weiter wächst", sagte der Dekan.
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