Bruno Ferreira berichtet beim Brasilientag über die Situation der Indigenen - Dekanat als ...
Oft als Störfaktor empfunden

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.04.2013
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Es geht um die Anerkennung ihrer indigenen Identität, um die Lösung des schwelenden Landkonflikts und um die Umsetzung verfassungsmäßiger Rechte. Die indigene Bevölkerung in Brasilien hat sich mit vielschichtigen Problemen auseinanderzusetzen. Ihre Situation steht im Mittelpunkt des Brasilientages der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der heute, Samstag, vom Dekanat Sulzbach-Rosenberg im Saal der Christuskirche ausgerichtet wird.

Hauptreferent ist Bruno Ferreira, der aus der Stadt Guarita im südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul stammt. Er ist dort Lehrer des indigenen Volkes Kaingang und wird über die schwierigen Situation der indigenen Bevölkerung in dem südamerikanischen Land berichten. Er wird begleitet von Pfarrerin Dr. Renate Gierus, die als Koordinatorin des 1985 von der evangelischen Kirche gegründeten Indianer-Kommissonsrates "Comin" arbeitet.

"Comin" wirkt seit mehr als 50 Jahren in der Region Guarita und Tenete Portela, in der etwa 7000 Menschen leben, die dem Volk der Kaingang angehören. In ihrer missionarischen Arbeit wird Comin seit 25 Jahren vom Dekanat Sulzbach-Rosenberg partnerschaftlich unterstützt.

Die Region Guarita war historisch ein rein indigenes Gebiet. Aber mit der Kolonialisierung in Süd-Brasilien wurde es abgegrenzt und von der Regierung meist illegal mit Siedlern aus der Region besetzt. Allmählich wurden die Ureinwohner vertrieben und in die Randgebiete der Städte oder in die Obdachlosigkeit gezwungen. "Das allerdings steht in einem eklatanten Widerspruch zu dem im Jahr 1988 in der neuen Verfassung verankerten Recht, dass die Indigenen wieder ihr ursprüngliches Land besitzen dürfen", so Bruno Ferreira.
"Dieses Land ist für die Indigenen Lebensraum und nicht Verwertungsraum", unterstützt Dekan Karlhermann Schötz dieses Anliegen. "Dieses Land ist für uns nicht nur ein finanzieller Wert, sondern es ist unsere Kultur", unterstreicht auch Ferreira.

Davon wird Ferreira bei seinem Vortrag beim Brasilientag unter anderem berichten. Aber auch vom Stolz der 835 000 Indigenen Brasiliens, sich nicht mehr von der Staatsregierung bevormunden zu lassen. Denn diese Menschen kämpfen für einen anerkannten Platz in der Gesellschaft ihres Landes. "Sie stehen im Spannungsfeld zwischen der Tradition ihrer eigenen Identität und ihrem Platz in einer sich schnell verändernden brasilianischen Gesellschaft", so Dekan Schötz.

Doch im Bemühen um die Lösung ihrer ureigenen Probleme würden die Indigenen in dem Land von Regierung und Mitbürgern oft als Störfaktor empfunden, sagt Ferreira. Um so dankbarer ist man für die partnerschaftliche Unterstützung des Indianer-Kommissionsrates "Comin" durch das Dekanat Sulzbach-Rosenberg. "Diese Kontakte sind für uns wichtig, um Gespräche auch auf eine internationale Ebene zu bringen", ergänzt Pfarrerin Dr. Renate Gierus.

Der evang.-luth. Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg unterstützt die Arbeit in Guarita seit mehr als 35 Jahren. Seit 2004 gehen die Spenden ausschließlich an das Projekt "Beratung in Gesundheit und Ernährung".
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