Chronik in der Christuskirche übergeben
Einzigartiges Projekt: "Kirche klingt"

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.01.2012
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"Denn die Musik ist eine Gabe und Geschenk Gottes, nicht ein Menschengeschenk. Ich gebe nach der Theologie der Musik die nächste Stelle und die höchste Ehre", schreibt Martin Luther in seinem Werk "Der Christ in der Welt". Für ihn war der Gesang eine unverzichtbare Ausdrucksform des Evangeliums.

Religiöse Musikalität ist daher für den Protestantismus von seinen Anfängen an mit dem Gesang verbunden, führte Stadtpfarrer Dr. Roland Kurz im Gottesdienst zur bundesweiten Reihe "Kirche klingt" (siehe Hintergrund) in der Christuskirche aus.

Fünfte Station

Er begrüßte Prof. Dr. Konrad Klek, der aus Erlangen die Chronik dieses einzigartigen Projekts überbrachte. Klek hatte dort am Vortag in der Johanneskirche, der vierten Station, gespielt und wirkte auch beim Gottesdienst in der Christuskirche mit. Er begleitete die Sulzbacher Kantorei und die Gemeindelieder an der Orgel. Von Luthers Weihnachtslied "Gelobet seist du, Jesu Christ" über Kompositionen aus allen Jahrhunderte bis zu Motetten des jungen norwegischen Komponisten Ola Gjeilo zeigte dieser besondere Gottesdienst die Bedeutung der Musik in der evangelischen Kirche vom Anfang bis heute.
Die Kantorei machte den Gottesdienst zu einem musikalischen Hörerlebnis. Die fast 30 Sänger unter der Leitung von Dekanatskantor Gerd Hennecke erfüllten die Kirche von der Empore aus mit Wohlklang. Vor allem bei den A-capella-Stücken kamen die sehr ausgewogen Stimmen herrlich zur Geltung. In den ausdrucksstarken Choralbearbeitungen und den würdigen kunstvollen Sätzen von Kirchenliedern zeigte sich, dass die Kantorei auch bei den Männerstimmen gut besetzt war, auch im Forte zarteste Nuancen herausarbeitete und die Werke mit subtiler Feinsinnigkeit sang. In seiner Predigt beschäftigte sich Pfarrer Dr. Kurz mit dem Lied "Nun danket alle Gott". Geschrieben hat es Martin Rinckart anlässlich der Hundertjahrfeier der Augsburger Konfession 1630.

Schon sechs Jahre später wurde das Lied erstmals gedruckt und wird regelmäßig und gerne gesungen. Seit die preußischen Soldaten es am 5. Dezember 1757 nach dem Sieg in der Schlacht von Leuthen sangen, wurde das Lied in Preußen, im Deutschen Reich von 1871, in der Weimarer Republik und im Dritten Reich nationalistisch vereinnahmt.

Lied benutzt

Gerade die NS-Propaganda verwertete dieses Lied immer wieder meisterhaft für ihre massenpsychologischen Inszenierungen der eigenen Größe und Bedeutung. So wurde das einstige Danklied zur Selbstbeweihräucherung eines siegestrunkenen Volkes. Erst die Bundesrepublik Deutschland verzichtete auf die Vereinnahmung dieses Liedes zur Glorifizierung der eigenen Geschichte. Kurz setzte das Lied in ein Verhältnis zum Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner Das Gebet des Pharisäers "Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern - sondern besser" sei ein vergifteter Dank, während der Zöllner nach seinem demütigen Gebet gerechtfertigt nach Hause ging.

Ehrlicher Dank

Ursprünglich war das Lied ein ehrlicher Dank für Gottes bedingungslose Rechtfertigung des Menschen, erklärte der Prediger. Dieser Dank wurde aber von der Selbstverherrlichung des Pharisäers verdrängt. Die Aufforderung "nun danket" habe sich an die Gemeinschaft der Glaubenden gerichtet, die auf der Suche nach Gott sind und auf das rechtfertigende Handeln Gottes vertrauen.

Diese Gemeinschaft, legte Dr. Kurz dar, setze lediglich zweierlei voraus: Den Mut, die eigene Schwäche und Hilfsbedürftigkeit zu erkennen, und die freudige Dankbarkeit über die unverdiente Rechtfertigung durch Gott. Denn das sei ein wirklich guter Grund zu danken, schloss er.
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