DGB zeigt am 1. Mai Flagge - Norbert Flach, "Vize" bei Verdi Bayern, trifft alte Bekannte wieder
Klares Nein zu einer "Agenda 2020"

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
01.05.2013
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Am Tag der Arbeit erwacht die Kampfeslust: "Ein Drittel der westdeutschen Bevölkerung kritisiert, dass wir als Gewerkschaften zu lasch agieren. Dann sollten wir das ändern", stachelte der stellvertretende Landesbezirksleiter von Verdi, Norbert Flach, seine Zuhörer bei der DGB-Maikundgebung im Kettelerhaus an.

Eröffnet hatte sie der DGB-Ortskartellvorsitzende Wolfgang Berndt mit einer kritischen Bilanz der Agenda 2010. Hinter dem ihr zugeschriebenen Jobwunder steckten statistische Tricks: "Tatsächlich beträgt die aktuelle Arbeitslosenzahl nicht drei Millionen, sondern 3,9 Millionen." Gegen eine "Agenda 2020" mit Rente ab 70, weniger Kündigungsschutz und mehr Eigenbeteiligung an den Gesundheitskosten kündigte Berndt energischen Widerstand an.

Einst in Amberg tätig

Bevor Norbert Flach ans Rednerpult trat, hatte er viele alte Bekannte begrüßt: Von 1983 bis 1996 war er ÖTV-Geschäftsführer in Amberg. Am Mittwoch beschwor er den internationalen Schulterschluss: "Es gibt keine Grenze zwischen griechischen, spanischen, italienischen oder deutschen Arbeitern, Angestellten und Beamten. Sondern die Grenzlinie verläuft ganz altmodisch zwischen denen da oben und uns hier unten."

Jeder vierte abhängig Beschäftigte in Bayern arbeite befristet, geringfügig, in einem Minijob oder in Teilzeit. Weicher gebettet seien bundesdeutsche Steuerhinterzieher, die Milliardensummen in die Schweiz schafften und - gegen eine kleine Nachzahlung - auf Amnestie hoffen dürften.
Gewerkschafter könnten keinen Frieden mit einer Politik machen, die das Geld da hole, wo eigentlich nichts zu holen ist, und jene verschone, bei denen alles zu holen wäre. Wer nach 45 Jahren Arbeit einen staatlichen Zuschuss brauche, um auf 850 Euro Rente zu kommen, der habe jedenfalls nicht über seine Verhältnisse gelebt.

Im Blick auf die im Herbst anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen stellte Flach fest: "Ich verstehe jeden, der von der Politik enttäuscht ist und sich abwendet. Aber ich weiß auch: Nicht wählen ist keine wirkliche Alternative."

"Klassiker" im Gepäck

Der Kundgebung ging ein Standkonzert des Spielmannszugs St. Georg am früheren Gasthaus "Zur Waage" voraus. Er führte auch den Zug der Gewerkschafter durch Rosenberg zum Kettelerhaus an. Den musikalischen Part übernahmen dort Franz-Xaver Reinprecht und "Die Bravos", unter anderem mit den "Moorsoldaten", "Sag mir, wo die Blumen sind" und dem Klassiker "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!"
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