Diakonie-Gerontotherapeut Georg Pilhofer zu "Sexualität im Alter"
Persönliche Grenze achten

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
29.04.2013
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Noch vor zehn Jahren war dieses Thema ein Tabu: Sexualität in der Pflege alter Menschen. Heute wird es bei der Ausbildung von Pflegekräften berücksichtigt, die Öffentlichkeit und auch pflegende Angehörige aber wissen wenig davon oder wollen es nicht wissen. Bei einer Veranstaltung des Vereins zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter (SEGA) sprach Diplom-Sozialpädagoge (FH) Georg Pilhofer darüber vor Pflegekräften.

"Sexuelle Gefühle sind Grundbedürfnisse, unabhängig vom Alter. Jeder Mensch ist Zeit seines Lebens zu Lustgefühlen fähig". Dieses Zitat von Erich Grond bildete den Einstieg zu Georg Pilhofers Referat. Im Café des Bavaria-Altenheims von Pflegedienstleiterin Manuela Engelbrecht begrüßt, forderte er er mehrfach, die überwiegend weiblichen Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen zu Stellungnahmen und Erfahrungsberichten auf, was nur sehr zögernd erfolgte.

"Man ist nie zu alt, um sich zu verlieben", weiß der Diakonie-Gerontotherapeut Pilhofer, ebenso, dass das Fachpersonal in Pflegeeinrichtungen mit den sexuellen Gefühlen und Wünschen der Bewohner meist gut umgehen kann. Im Heim aber fehle oft Raum für Intimität und die Möglichkeit, Intimsphäre zu wahren. Dass es im Bavaria-Altenheim Zimmer für Paare gibt, die von innen abschließbar sind, hörte Pilhofer gern.

Wenn hochbetagte Paare zu einander finden, so schilderte der Referent, würden meistens Zärtlichkeiten ausgetauscht, Berührungen und Liebkosungen. Realität sei, dass auch das weibliche Pflegepersonal von männlichen Bewohnern ins Visier genommen werde und es auch zu intimen Berührungen kommen könne.
Die Bedürfnisse des Bewohners nach Nähe, Liebe, Zuneigung, Berührung und Sexualität gelte es zu erkennen und zu thematisieren, ohne eigene Grenzen zu überschreiten. Die Gefühle bei der Pflege seien ein Bereich, der Pflegende und Pflegebedürftige gleichermaßen betreffe. Dass Sympathie dabei eine Rolle spielt, gaben einige der Fachfrauen offen zu, auch, dass bei der Körperpflege bei nichtdeutschen Heimbewohnern kulturelle Besonderheiten berücksichtigt werden müssen.

Biografiebögen mit den Angehörigen zusammen zu schreiben, die Möglichkeit, professionelle Sexualbegleiter ins Heim zu holen, Qualitätspapiere für alle Bereiche einer Einrichtung, auch im Hinblick auf Sexualität, zu erarbeiten - viele Möglichkeiten zeigte Georg Pilhofer auf, die Vorbehalte vermindern, Probleme vereinfachen könnten.

Die zusätzlichen Schwierigkeiten, die bei Demenz-Kranken auftreten können, wurden an diesem Nachmittag weder vom Referenten noch von den Pflegekräften verschwiegen. Zärtlichkeit und Körperkontakt seien bei diesen Menschen besonders wichtig, so Pilhofer, denn die Fähigkeit zu sinnlicher Kommunikation bleibe sehr viel länger erhalten als die sprachliche Kompetenz.
Bei einigen Kranken komme es zu einer Enthemmung, zu unpassendem Verhalten, worunter nicht nur die betroffene Person leide, sondern ebenso die Familie. Aber auch für Demenzkranke gelte die Aussage des Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Helfen könne das Gespräch mit Angehörigen, dem Arzt, dem Therapeuten, Unterstützung durch Selbsthilfegruppen.

"Je mehr Schultern eine Last tragen, umso weniger muss der Einzelne tragen", legte Georg Pilhofer insbesondere den Fachkräften ans Herz. Ebenso rief er auf, persönliche Grenzen zu beachten. Veränderungsmöglichkeiten anregen, Wertschätzung vermitteln, Vertrauen aufbauen und die Pflegemaßnahmen, die einem Demenzkranken jeden Tag aufs Neue verständlich gemacht werden müssen - das alles könne zu einer Überlastung führen und in der Folge zu einem "Burn-out-Syndrom".

"Wir können nur so viel Kraft weitergeben wie wir selber haben", diesen Rat gab Pilhofer auch den pflegenden Angehörigen und riet ihnen, sich Entlastung zu holen durch verschiedene Einrichtungen wie Kurzzeit- und Tagespflege.
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