22.08.2012 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Diebstahl in Arztpraxis mit bitteren Konsequenzen - Zwei 18-Jährige mussten Schule verlassen Erst blau gemacht, dann Atteste geklaut

von Autor HWOProfil

Sie hatten Null Bock auf die Penne. Warum auch hingehen, wenn es daheim viel schöner ist? Was daraufhin passierte, führte drei junge Frauen aus Sulzbach-Rosenberg auf direktem Weg vor die Amberger Jugendrichterin Petra Froschauer. Von ihr wurde ihnen dann mitgeteilt, dass es schlichtweg kriminell ist, wenn in einer Arztpraxis Attestformulare für das krankheitsbedingte Fehlen an einer Schule gestohlen und anschließend gefälscht werden.

Kein Streich mehr

Diese Geschichte ging weit über die aus "Hurra, die Schule brennt"-Filmen bekannten Streiche hinaus. Sie wurde ganz zwangsläufig ein Fall für die Staatsanwaltschaft, die nach eingehenden Ermittlungen Anklagen wegen Diebstahls und Urkundenfälschung gegen die beiden 18-jährigen Sulzbach-Rosenbergerinnen und ihre drei Jahre ältere Komplizin erhob. Die beiden 18-Jährigen fehlten öfter mal an ihrer Schule in Amberg, sie bewilligten sich nach eigenem Ermessen den einen und anderen freien Tag. Daraufhin wurden vom Direktorat ärztliche Atteste gefordert, sahen sich die beiden jungen Frauen irgendwann mit dem Rücken zur Wand. Sie weihten eine Freundin (21) ein und schmiedeten zu dritt einen verhängnisvollen Plan.
Am 27. April dieses Jahres wurde das Unternehmen "Attest-Beschaffung" in die Tat umgesetzt. Gemeinsam suchten alle drei eine Sulzbach-Rosenberger Arztpraxis auf, wobei sich die 21-Jährige, wie vorher vereinbart, krank stellen musste. Als dann die behandelnde Ärztin kurz aus dem Zimmer ging, kamen aus dem Raum 27 Formulare abhanden.

Auf Vorrat gestohlen

Viel mehr, als eigentlich erforderlich gewesen wären. Doch einen gewissen Vorrat zu haben, schien ja nicht schlecht zu sein.

Drei Tage später gab eine der 18-Jährigen an ihrer Schule in Amberg sieben ausgefüllte Attest-Formulare samt - ebenso wie die vermeintliche Unwohlseins-Begründung - gefälschter Unterschrift der Ärztin ab.

Papiere gefälscht

Das löste Argwohn aus, der sich noch steigerte, als die zweite 18-Jährige kurz darauf mit vier solcher Bescheinigungen daher kam. Nachfragen bestätigten den Verdacht: Die Papiere waren geklaut und gefälscht.

"Ziemlich dreist", befand die Amberger Jugendrichterin Petra Froschauer, bekam umfassende Geständnisse und interessierte sich dafür, ob denn die üble Tour Konsequenzen nach sich zog. "Man hat uns aufgefordert, eine Abmeldung von der Schule vorzulegen", hörte die Vorsitzende und erfuhr ergänzend: "Sonst hätten sie uns rausgeworfen." Also gingen die beiden jungen Frauen freiwillig. Nun stehen sie vorläufig ohne den an sich greifbar nahen Abschluss da, müssen sich völlig neu orientieren.
Für die beiden 18-Jährigen forderte die Staatsanwältin gemeinnützige Arbeitsstunden und jeweils einen Freizeitarrest. Ihre 21 Jahre alte Komplizin sollte nach dem Willen der Anklagevertreterin nach Erwachsenenstrafrecht abgeurteilt werden und 1000 Euro Geldstrafe zahlen. Diese 1000 Euro verhängte die Jugendrichterin zwar, sie blieb aber bei den beiden anderen Beschuldigten unter dem geforderten Strafmaß.

Arbeitsstunden leisten

Sie müssen nicht in den Arrest, haben aber 80 beziehungsweise 70 unentgeltlich Arbeitsstunden zu erbringen. "Das konnte nicht gutgehen", gab ihnen die Richterin mit auf den Weg und fügte noch hinzu: "Wer so kurz denkt, der landet zwangsläufig im Gerichtssaal."

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