Eckard Henscheid präsentiert seine "Denkwürdigkeiten" im ausverkauften Literaturarchiv
"Ohne Säumen selber machen"

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
04.05.2013
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"Ein Kontinent gibt Auskunft", so könne man den Abend mit dem Schriftsteller Eckhard Henscheid beschreiben, meinte Peter Geiger: Der Autor sei ein Erdteil, ein Gebirge, eine an Gipfeln reiche Landschaft. Der Jounalist begleitete ihn bei der Vorstellung der druckfrischen Autobiographie "Denkwürdigkeiten" im ausverkauften Literaturarchiv.

Wenn es um die Biographie gehe, meinte Henscheid, sei es "schon besser, es unverdrossen ohne Säumen selber zu machen", und so konnten die Literaturfreunde hören, wie Henscheid wurde, was er ist.

Er las aus dem ersten Abschnitt des Buchs über die Kindheit, und mit Lokalstolz vernahmen die Zuhörer, dass sich eine der ersten Erinnerungen des Autors auf einen Biergarten in Sulzbach-Rosenberg bezieht, wahrscheinlich die Bastei.

Charmanter Schwindler

Überhaupt sei Sulzbach-Rosenberg im Buch gut vertreten, gehöre die Herzogstadt doch zu den wichtigsten Städten in seinem Leben, wie er nicht wirklich glaubwürdig und wohl auch nicht wahrheitsgemäß, jedenfalls aber liebenswürdig und taktisch geschickt behauptete. Er habe sich auch für die Rettung des alten Stadtbads am Philosophenweg engagiert. Wer überprüfen will, wie oft die Stadt erwähnt wird, muss das ganze Buch lesen, denn es hat absichtlich kein Register. Es folgten aus dem zweiten Kapitel Erinnerungen an die Jugend mit einem außergewöhnlichen Zeichentalent und seinen Erfahrungen als Messdiener. Er rezitierte das Paternoster auf Latein und merkte dazu an, schon früh habe er "eine Affinität von Klangquatsch und Religion" bemerkt.

"Dreiste Lügen"

Nach schaurig-schönen Erfahrungen mit Hausmusik wurde er mit 16 zum, wie er sagte "Wagneristen" und versorgte die Amberger Zeitung mit Musikkritiken. Es seien "schwerst, geradezu verantwortungsvoll auftrumpfende Worte" über den Amberger Musikzirkel gewesen, insgesamt, bekannte er, "dreiste Lügen".

Seine Fußballliebe belegte er sofort und sagte aus dem Gedächtnis die Aufstellung einer Amberger Mannschaft auf und die Elf, mit der der 1. FC Nürnberg 1948 deutscher Meister wurde. Er wisse sogar noch die ungarischen Spieler von 1954!

Henscheid las ein paar geschliffene Sätze vor, dann plauderte er ein wenig, antwortete auf Geigers Fragen. Übergroße Bescheidenheit hemmte den Schriftsteller dabei nicht. Er berichtete, dass die Huldigung schöner Frauen ein gewichtiges Argument für Lesereisen sei, und stellte bedauernd fest, dass die nachwachsende Generation nicht mehr so viel liest. Im nächsten Jahr, kündigte er an, werde er sich zur Ruhe zu setzen, obwohl es bis zu seinem Tod noch lange dauern wird. Sein Geburtsdatum, der 14.9.1941, sei ein Palindrom, und deshalb werde auch sein Sterbedatum eins sein, nämlich der 14.02.2041. Als Ort für sein Ableben zieht er das Dorf Wurmrausch in Betracht...
Geduldig antwortete Henscheid auf Fragen aus dem Publikum. Er ging auf seine Arbeitstechnik ein, ignorierte aber die Frage nach den ungarischen Fußballern. Dafür erläuterte er, warum er nicht Deutsch- oder Musiklehrer geworden ist, führte Autoren auf, die er bewundert, und sagte sogar einige Gedichte auf.

Er weiß es noch...

Auf wiederholtes Nachfragen gab er schließlich die ungarische Mannschaftsaufstellung im WM-Endspiel 1954 zum besten: Gyula Grosics, Jenö Buzánszky, Gyula Lóránt, Mihály Lantos, József Bozsik, József Zakariás, Sándor Kocsis, Nándor Hidegkuti, Ferenc Puskás, Zoltán Czibor, Mihály Tóth, Trainer Gusztáv Sebes.

Mit stürmischem Applaus feierten die Zuhörer Henscheids phänomenales Fußballgedächtnis und dankten ihm und Geiger für einen gleichermaßen vergnüglichen und informativen Abend. Viele Besucher kauften am Büchertisch der Buchhandlung Volkert die "Denkwürdigkeiten" oder andere Werke von Henscheid und ließen sich das Buch vom Autor signieren.
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