11.09.2007 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Egloffsteiner Palais ein Renner beim Tag des offenen Denkmals - Archiv und Bauer-Stiftung Vom Schandfleck zum Schmuckstück

Es glich einer Ruine: Als die Öffentlichkeit vor zwei Jahren beim Tag des offenen Denkmals das Egloffsteiner Palais in der Kunst-Fischer-Gasse 17 betreten durfte, rieselte der Putz von den Wänden, die Balken waren modrig, der Fußboden an einigen Stellen nicht betretbar. Ein Bild des Jammers, ein Schandfleck in der Neustadt. Der diesjährige Tag zeigte allen ganz klar: Das ist jetzt anders!

von Autor COGProfil

Der einzige Hoffnungsschimmer waren damals Löcher in den Wänden und Ecken mit Klebepunkten: Spuren der denkmalpflegerischen Befundaufnahme. Denn die Ruine gehörte mit dem gotischen Rathaus und dem Schloss zu den wertvollsten gotischen Profanbauten der Stadt.

Sanierung gelohnt

Beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals konnte die Stadt ein wahres Kleinod präsentieren. Das Gebäude ist vom Keller bis zum Dach saniert worden. Ungezählte interessierte Bürger haben sich vergewissert, dass sich die Sanierung gelohnt hat.

Die Maßnahme war durchaus umstritten und nicht billig. Erste Schätzungen gingen von Sanierungskosten von 1,6 Millionen aus. Die Stadt hatte einen Rahmen von 1,2 Millionen festgelegt. Stadtbaumeister Dieter Rebhan gelang das Kunststück, diesen Rahmen einzuhalten.

400 000 Euro musste die Stadt aufbringen, 800 000 waren Städtebauförderung. Bis auf eine im Denkmalbereich renommierte Zimmererfirma stammen alle beteiligten Handwerksbetriebe aus dem Landkreis.

Der Stadtbaumeister und auch der Stadtarchivar Johannes Hartmann führten die Besucher durch das Haus und berichteten über die Geschichte und die Sanierung. Das heutige Palais wurde 1470 errichtet, es gab aber einen quadratischen Vorgängerbau von 1300 oder 1350.

Schlichter Bau

Damals, zur Zeit Kaiser Karls IV., befand sich die Neustadt noch außerhalb der Stadtmauer. Das Palais der Familie Egloffstein war schlicht, aber geschmackvoll. Unter einer Deckenabhängung aus dem 18. Jahrhundert hat man eine Bohlen-Balken-Decke von 1470 gefunden, außerdem 2,5 m einer Bohlenwand, die ursprünglich den ganzen Raum einfasste. Außerdem waren mehrere Räume mit Wandmalereien geschmückt. All dies deutet auf früheren Reichtum.

Heute sieht mancher die Wandmalereien anders: "Ich bin erschrocken, denn Wandgemälde, das geht ins Geld," so Rebhan. Deshalb wurden die Gemälde nur teilweise zugänglich gemacht. Die übrigen sind immer noch unter Putz verborgen. So sind sie bestens geschützt und können später einmal freigelegt werden.

Nach adeligen Anfängen ging es mit dem Haus aber bergab. Als Sulzbach keine Residenzstadt mehr war, kam es in bürgerliche Hände und wurde 1870 gar zum städtischen Armenhaus. Dafür wurde das großzügige Palais in kleinere Wohnungen aufgeteilt und die Altane verschlossen.

1970 war das Denkmal baufällig. Im Dach saß der Hausschwamm. Ab 1980 hat die Stadt überlegt, das Egloffsteiner Palais abzureißen. Mit der knappen Mehrheit von 17:14 beschloss der Stadtrat die Sanierung.

Jetzt sind in der Kunst-Fischer-Gasse 17 Stadtarchiv, Knorr-von-Rosenroth-Gesellschaft und Richard-Bauer-Stiftung untergebracht. Das Archivgebäude ist an die Brandmeldeanlage und die Heizung des Museums angeschlossen. Die Heizung ist ein technisches Meisterwerk - in den Wänden wurden Rohre verlegt.

In die mittelalterlichen Mauern zieht Leben ein. Im Foyer sind schon Leisten an der Wand vorbereitet, um Gemälde Richard Bauers aufzuhängen. Das Stadtarchiv hat jetzt reichlich Platz, um die Zeitungen, Akten und sonstigen Archivalien der nächsten Jahrzehnte unterzubringen. Die Schieberegistratur im Erdgeschoß mit riesigen in Schienen laufenden Regalen ermöglicht optimale Platznutzung und ist dabei kinderleicht zu bewegen.

Bis unters Dach

Auch auf dem Dachboden stehen schon Regale und dazwischen auch noch viele nicht ausgepackte Umzugskartons. Aber auch technisch überholte Archivtechnik wie ein Microfiche-Lesegerät wartet hier auf einen neuen Einsatz. So ist jetzt die ganze Stadtgeschichte übersichtlich untergebracht, eine wahre Fundgrube für alle historisch Interessierten.

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